Feb 242015
 

Nach momentan noch unbestätigten Berichten soll das neue Ministerium, dessen Aufgabe darin bestehen wird, den Bürgern die aktuelle staatliche Realität zu vermitteln, die Räumlichkeiten und das Personal des Auswärtigen Amtes nutzen. In einem ersten Feldversuch wurde dazu vom Auswärtigen Amt ein Rundschreiben publiziert, das an alle Angestellten und Parlamentarier verteilt wurde. Die Verlesung durch den derzeitigen Grüßaugust Bundespräsidenten Gauck steht allerdings noch aus. (Die Süddeutsche berichtete als erste über den Vorfall. Allerdings ohne die wahre Bedeutung auch nur ansatzweise zu erkennen.)

Für alle Interessierten kann dieses bemerkenswerte erste Neusprech-Dokument einer neuen Ära der Wahrheit allerdings auch direkt hier eingesehen werden. Das zu erwartende historische Interesse vorwegnehmend habe ich es nämlich patritotisch in die Mediathek des Blogs hochgeladen.

Man beachte, wie es bereits im Kopfbereich gut losgeht. „Russische Behauptungen“! Die Einsicht, dass an der offiziellen Version des Ukrainekonfliktes mehr als nur einzelne Details faul sind, kam dem deutschen Wahlvieh nämlich ganz offensichtlich nicht, weil die aktuelle Propaganda vorn und hinten keinen Sinn ergibt, sondern weil es von üblen russischen Agenten gehirngewaschen wurde. Das ist natürlich plausibel. Danke liebes Wahrheitsministerium.

Mit erstklassiger Rabulistik geht es weiter. Beispielsweise wird bei der Widerlegung der ersten Behauptung gar nicht auf selbige eingegangen. Das wäre allerdings auch schwierig geworden, nachdem Victoria „Fuck the EU!“ Nuland leicht nachprüfbar erklärt hat, dass die USA bereits über 5 Milliarden Dollar in die Entwicklung „demokratischer Strukturen“ in der Ukraine investierten.

Sollte es da noch interessieren, dass nach einer Untersuchung des kanadischen Politikwissenschaftlers Ivan Katchanovski die Scharfschützenmorde von Positionen aus begangen wurde, die von Mitgliedern des Rechten Sektors besetzt waren? Zumindest kann man allen Ernstes behaupten, dass das zukünftige Wahrheitsministerium genauso massiv an der Aufklärung dieser Morde interessiert ist, wie die derzeitige ukrainische Führung, die ja letzten Endes dank ihrer erst an die Macht kam. (Neusprech: Es gab keinen Putsch, der Präsident war nur zufällig geflohen.)

Schön auch die Widerlegung von Behauptung 2. Selbstverständlich gibt es in Kiew keine Faschisten. Der allerorten anzutreffende Bandera-Kult ist eher sowas wie neue ukrainische Folklore. Und die ganzen Bilder mit Hakenkreuzfahnen und diversen SS-Runenzeichen, die man unweigerlich findet, wenn man beispielsweise mal nach dem Azow-Bataillon googelt, wurden zweifellos alle von russischen Agenten platziert. Höchst unerwähnenswert ist auch, dass die Volksfront des amtierenden Regierungschefs Jazenjuk, die durchaus eine stattliche Quote bekannter Rechtsnationalisten wie beispielsweise Andriy Parubiy und anderer Milizenführer aufweist, über 21 Prozent der Stimmen erhielt, was wiederum keinesfalls auf die extrem aggressive, antirussische und antiseparatistische Propaganda zurückgeführt werden darf.

Sei’s drum. Das neue Wahrheitsministerium erklärt uns die selbige. Das ist doch durchaus was zum Feiern. Endlich wird das Leben wieder einfach und überschaubar. Quasi wie zu DDR-Zeiten, auch wenn die Propaganda damals nicht ganz so orwellianisch daher kam.

Als Schlußnote sei noch erwähnt, dass wir laut dem Vize-Kommandeur der Nato für Europa General Bradshaw momentan existienziell von Russland bedroht werden. Vergessen wir also nicht, dass Deutschland nicht nur am Hindukusch, sondern ganz offensichtlich auch im Donbass verteidigt werden muss. Dringendst!

Krieg ist Frieden!

Nachtrag: Die aktuelle russische Hasswoche wird auf unbestimmte Zeit verlängert. Die aktuelle (momentan noch unliquidierte) Unperson Nummer 1 bleibt Meuchel-Putin, der Schlächter.

 

Dez 112014
 

Nachdem Markus Kompa bereits in der Vergangenheit anläßlich der Asylverlängerung und einer von hiesigen Politikern gefeierten Filmpremiere über E. Snodow berichtete, der im freiheitlich-demokratischen Westen primär durch seine schonungslose Offenlegung abgefeimter, russischer Spionagepraktiken einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangte, folgte nun ein weiterer Beitrag zur Verleihung der Obama-Medaille für Menschenrechte an diesen nach wie vor weitgehend und zu Unrecht unbeachteten Dissidenten. Bundespräsident Gauck ließ seinerseits Glückwünsche zur Ehrung übermitteln, monierte jedoch, daß in westlichen Medien viel zu wenig auf  die Verbrechen Russlands eingegangen würde.

Es mag optimistisch stimmen, dass zumindest vereinzelt hippe, grüne Jungpolitiker tapfer gegen diese Mauer des Schweigens ankämpfen. (Grün ist die Hoffnung.) Und auch das neugegründete ukrainische Ministerium für Wahrheit wird zweifellos am westlichen Desinteresse zu kratzen versuchen.

Wir fordern Freiheit für Ion Kiriakowitsch. Wir fordern die schonungslose Offenlegung des russischen Folterberichtes. Der Rechtsstaat darf sich dem Unrechtsstaat nicht beugen!