Sep 272015
 

Mir sind vor einigen Tagen im Netz (aber auch auf FF.de) Meinungen begegnet, die mit völlig absurde Dinge unterstellt haben. Beispielsweise würde ich behaupten, dass Männer den Frauen biologisch überlegen seien und das sie von schrecklichen Feministen unterdrückt würden. Zudem sei ich frauenfeindlich. Da fühle ich mich irgendwie wie in der Twilight-Zone.

Ich habe niemals einen derartigen Unsinn behauptet. Als ich nachfragte, konnte auch kein einziges Zitat von mir gebracht werden, das diese Aussagen stützt. Es wurde nur festgestellt, dass man halt irgendwie emfpand, ich würde dies glauben. Und dann hat man es halt behauptet.

Woran glaube ich wirklich?

Dazu muss ich ein wenig von mir erzählen. Ich bin in Ostdeutschland als Sohn zweier Akademiker aufgewachsen. Soweit ich das beurteilen konnte, hatte meine Mutter zuhause immer das Heft in der Hand. Nicht weil sie meinen Vater unterdrücken würde, sondern eher weil er den meisten Entscheidungen gegenüber etwas indifferenter ist. Ich bin es also von meiner Sozialisation her gewohnt, dass Frauen in der Familie eher das Sagen haben und ich hatte auch den Eindruck, dass diese Situation in Mecklenburg beileibe nicht die Ausnahme darstellte.

Aus Gesprächen mit meinen Vater weiß ich, dass dies eine Generation zuvor noch deutlich anders aussah. Auch da konnte man sicher nicht mehr von „patriarchaler Herrschaft“ sprechen, aber bei meinen Großeltern mütterlicherseits hatte Opa eher das Sagen. Für mich war das allerdings irrelevant, da ich davon als Kind kaum etwas mitbekam.

Ich glaube daher, dass Mann und Frau gleichberechtigt sind. Schlicht und einfach, weil ich es mein ganzes Leben lang so erlebt habe. Es erscheint mir absurd, wenn jemand behauptet, dass Frauen oder Männer besser seien.

In der DDR gab es eine Menge von staatlich geleiteten Massnahmen zur Begabtenförderung. Noch eine Generation zuvor hing der Zugang dazu stark von der Herkunft der Eltern ab. Als Arbeiterkind war es einfacher, war man das Kind von Dissidenten oder kam aus einer religiösen Familie, dann hatte man Nachteile. Auch davon habe ich aber in meiner Kindheit und Jugend nichts bemerkt, wobei ich allerdings vermute, dass diese Beschränkungen nicht komplett verschwunden waren.

Ich selbst war in der Matheförderung im Pionierhaus. Das war für unsere Klassenstufe eine kleine Gruppe, die aus 2 Jungen und einem Mädchen bestand. Mit denen fuhr man dann auch immer zu den einzelnen Kreis- und Bezirksolympiaden.

Ich machte die Auswahlverfahren für die Matheschule in Rostock mit. Der andere Junge und das Mädchen auch. Dann kam die Wende, die Matheschule wurde vom Christophoruswerk übernommen, wir sind trotzdem hin. D.h. das Mädchen nicht, weil es sich dazu entschloß, lieber in Wismar zu bleiben als im Internat zu leben.

An der Matheschule gab es in meiner Klasse 24 Schüler. 20 davon waren Jungs und 4 waren Mädchen. Es gab also einen klaren Jungenüberschuss. Was es nicht gab, war irgendein Gefühl von maskuliner Überlegenheit. Zum einen waren diese Mädchen keineswegs unbegabter, beispielsweise lag meine Banknachbarin noch einmal fast 20 IQ-Punkte über meinem, und zum anderen waren wir Jungs auch teilweise sehr damit beschäftigt, die Mädchen irgendwie zu beeindrucken. Das wiederum mag jetzt nicht unbedingt so abgelaufen sein, wie man es von anderen Klassen her gewohnt ist, weil ein Durchschnitts-IQ von 130 tatsächlich einige der riskanteren Balzideen, auf die junge Kerle sonst kommen mögen, aussortiert.

Abgesehen davon war es ein völlig kameradschaftliches Miteinander, wobei man natürlich postulieren darf, dass ich unschönere Begebenheiten, so es diese denn gab, vergessen haben mag. Worauf ich hinauswill ist, dass ich nie den Eindruck hatte, daß Mädchen den Jungen nicht das Wasser reichen können. Ich glaube daher, daß alle Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht gleichviel wert sind.

Nun weiß ich natürlich, dass jeder Mensch andere Erfahrungen gemacht hat. Man wird eher bereit sein, ein Patriarchat zu akzeptieren, wenn man selbst erlebt hat, dass der eigene Vater oder die Familienväter im Umfeld patriarchal agierten. Und wenn Verwandte oder Bekannte Unfug von sich geben, wie dass Jungen per se begabter seien oder Mädchen generell besser lernen oder Frauen nie und nimmer Ingenieur werden können, dann wird man eher bereit sein, das Konzept gesellschaftlicher Benachteiligung unkritischer zu sehen.

Zuerst einmal ist ein Idiot mit Vorurteilen nur ein Idiot mit Vorurteilen und noch lange kein Syndikat. Daraus folgt nun nicht, dass es nicht strukturelle Benachteiligungen geben kann, aber nicht jede Ungleichheit ist automatisch das Ergebnis von Diskriminierung.

Ausgehend von meinen Überzeugungen bin ich ein Egalitärer Liberaler, die damit verbundenen Ansichten, kann man in A Theory of Justice nachlesen. Zur Erläuterung darf der kurze Text aus der Wikipedia dienen:

Es scheint unmöglich, einen Konsens aller Gesellschaftsmitglieder in der Definition des Begriffs Gerechtigkeit zu finden, da alle Menschen sich in unterschiedlichen Lebenssituationen, Familien und Einkommensgruppen befinden.

Der egalitäre Liberalismus empfiehlt daher, allgemeine Grundwerte für jeden zu garantieren und die Gleichheit zumindest in Hinblick auf Chancen herzustellen und Ungleichheiten, die auf natürlichen oder gesellschaftlichen Bedingungen beruhen können, durch Umverteilung zu kompensieren. Ungleichheiten sind nach Rawls nur dann gerechtfertigt, wenn sie auch zum Nutzen der am schlechtesten Gestellten in der Gesellschaft dienen.

Für mich sind also Chancengleichheit  wie auch Freiheit Mittel zur Erzielung von Gerechtigkeit. Ich würde mir auch nie anmaßen, anderen zu sagen, was für sie erstrebenswert zu sein hat. Das ist nämlich immer eine persönliche Entscheidung, die der Rest der Gesellschaft zu akzeptieren hat.

Auch Hautfarben, Ethnien, unterschiedliche Religionen oder sexuelle Orientierung machen für mich, was Menschsein, Gleichberechtigung oder das Ziel der Chancengleichheit angeht, keinerlei Unterschied. Tatsächlich erscheint mir Rassismus als Konzept schon absurd, es ist eine der großen Irrationalitäten, die ich nicht wirklich nachvollziehen kann.

Warum sollte man etwas gegen Homosexuelle haben? Das ist eh nur eine der vielen Lotterien des Lebens. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:24 wird die entsprechende Veranlagung bei den ersten Zellteilungen während der Embryogenese ausgebildet. Es ist reiner Zufall.

Mit Transsexualität sieht es ähnlich aus. 1:10.000 ist die Chance, dass ein Embryo mit XY-Chromosomensatz zur Transfrau wird. 1:30.000 die Chance, dass ein Embryo mit XX-Chromosomensatz zum Transmann wird. Auch hier – reiner Zufall. Weder Transfrauen noch Transmänner verdienen Diskriminierung. Viele bornierte Zeitgenossen tun dies trotzdem. Absurd ist das allemal. Wie jede Diskriminierung.

Für mich ist ein Transmann ein Mann und eine Transfrau eine Frau. Wenn der Zufall dafür sorgte, dass ein weibliches Gehirn in einem männlichen Körper oder umgekehrt entstand, dann ist das schlicht und einfach so. Da gibt es nichts zu bewerten, nichts zu deuteln. Der einzige der es sicher wissen kann, ist die betroffene Person.

Weiterhin denke ich, dass man in der Gesellschaft schon sehr genau hinschauen sollte. Wenn tatsächlich diskriminiert wird, dann sollte man auch einschreiten, aber vorher ist es nötig, diese vermeintliche Diskriminierung auch kritisch zu hinterfragen. Beispiel gefällig?

Fakt ist, dass trotz der theoretischen Möglichkeit, Frauen in höherqualifizierten Jobs zu beschäftigen, praktisch immer noch eine überwältigende Mehrzahl von Männern die entsprechenden Positionen innehat. Je höher die Position, desto niedriger der Frauenanteil. Die Quote soll nun Unternehmen dazu zwingen, nicht immer im selben Wasser (der Kumpels von Kumpels von Kumpels) zu fischen, wenn eine Stelle besetzt wird, sondern auch mal Frauen in Betracht ziehen. Frauen mit den notwendigen Qualifikationen und Fähigkeiten, versteht sich.

Hier wird ausgehend von der richtigen Beobachtung, dass Frauen in Führungspositionen (ich vermute mal, dass dies mit „höherqualifizierten Jobs“ gemeint ist.) bezogen auf ihren Bevölkerungsanteil unterrepräsentiert sind, impliziert, dass eine Diskriminierung vorläge, weil Männer freigewordene Stellen mit den „Kumpels von Kumpels von Kumpels“ besetzen würden. Das wird als Interpretation einfach so vorgelegt, nach alternativen Erklärungsmöglichkeiten wird gar nicht erst gesucht.

Aber stimmt es auch? Zuerst einmal wird hier übersehen, das die Personalabteilungen, die darüber entscheiden, wer überhaupt zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird, fest in weiblicher Hand sind. 85% beträgt der Frauenanteil im Durchschnitt bei firmeneigenen Abteilungen, satte 96% bei externen Personalagenturen. (Die Daten wurden hier für Israel genannt, falls jemand aktuelle Zahlen für Deutschland hat, immer her damit.) Interessant ist auch, wie sich dies auf die Chancen schöner Frauen, ein Vorstellungsgespräch zu erhalten, auswirkt.

Damit hier also der Kumpel des Kumpels anstelle einer gleich oder besser qualifizierten Frau eingestellt wird, muß irgendein hohes Tier im Unternehmen die eigene (oder externe) Personalabteilung übergehen. Damit wir von struktureller Benachteiligung sprechen können, dürfen dies allerdings keine Einzelfälle sein, sondern es muss sehr häufig passieren. Daß dem möglicherweise so sein könnte, läßt sich natürlich erst einmal nicht widerlegen.

Ein zweiter Punkt, der hier übersehen wurde, besteht darin, dass das Geschlechterverhältnis nicht im Bezug auf die Bevölkerung, sondern in Bezug zum Geschlechterverhältnis im Auswahlpool betrachtet werden muss. In MINT-Studienfächern liegt die Frauenquote nach wie vor bei knapp über 20%. Bei sonst gleicher Verteilung von Qualifikation, Eignung und Bereitschaft sollten in diesen Berufen dann auch nur 20% der Führungspositionen weiblich besetzt sein.

Ein dritter Punkt, der übersehen wurde, besteht in unterschiedlichen Präferenzen. Führungspositionen und ganz besonders die auf den höheren Hierarchieebenen lassen sich nicht mehr mit einer 40-Stunden-Woche in Einklag bringen. Wir sprechen hier über 50 bis 60, bei hohen Posten im Management teilweise von mehr als 70 Wochenstunden. Wer dazu bereit ist, der erlangt zwar mehr Verantwortung in der Firma und auch ein entsprechend höheres Gehalt, er verzichtet aber gleichzeitig auf große Teile seiner Freizeit und seines Privatlebens und erhält im Gegenzug eine ganz gehörige Portion Extrastress. Dieser Trade-off mag für Frauen weniger erstrebenswert als für Männer sein, insbesondere dann wenn sie planen, eine Familie zu haben. Hier darf man ja nicht vergessen, dass ein Mann, der einen Job mit 60 bis 70 Wochenstunden leistet, durchaus noch eine Chance auf eine Familie und Kinder hat, auch wenn er von beiden entsprechend weniger erlebt, eine Frau mit 60+ Wochenstunden kann eine Schwangerschaft jedoch kaum an ihren Partner delegieren und tendenziell werden vermutlich nur sehr wenige Frauen bereit sein, auf die Betreuung der eigenen Kinder nahezu komplett zu verzichten. Man schaue sich zur Verdeutlichung den Fall von Petra Hesser, der Chefin von IKEA Deutschland, an.

Diese unterschiedlichen Präferenzen finden sich nebenbei in vielen Bereichen und bevor man sicher von einer Diskriminierung zugunsten eines Geschlechts sprechen kann, muss sicher sein, dass nicht vielmehr sie der Grund für ein ungleiches Geschlechterverhältnis sind. Die sogenannten Humanberufe beispielsweise weisen i.d.R. einen deutlichen Frauenüberschuss auf, bei vielen technischen Berufen ist es umgekehrt. Gibt es nun primär deshalb so wenig Frauen bei der Müllabfuhr, im Bergbau, unter Bauarbeitern oder auf Bohrinseln, weil diese aktiv diskriminiert werden, oder doch eher, weil sich weniger Frauen für solche Berufe entscheiden?

Aus diesen Erwägungen folgt nebenbei nicht, dass nicht vielleicht doch zuungunsten von Frauen diskriminiert wird, es ist jedoch weder die einzig mögliche Erkärung und auch nicht die naheliegendste.

Ich persönlich glaube, dass es definitiv Fälle von Diskriminierung bei der Besetzung von Managerposten gibt, ich denke jedoch nicht, dass dies ein strukturelles Problem ist, das dadurch entsteht, dass die Personalentscheider Frauen durchweg für weniger wert halten würden.

Wenn es jedoch keine strukturelle Diskriminierung gibt, bei der gleich- oder besser qualifizierte Frauen, die bereit sind, ihr Privatleben dem Job zu opfern, von Führungspositionen ferngehalten werden, dann wird eine Quote diese schaffen. Nur dass nun eben nicht Frauen, sondern Männer diskriminiert werden.

Man muss hier sehr aufpassen. Ungleichheit ist keineswegs gleichzusetzen mit Ungerechtigkeit. Ich bin ja schon einmal kurz auf den Egalitären Liberalismus eingegangen. Ungleichheit kann ein Zeichen für Ungerechtigkeit sein, aber sie entsteht auch durch unterschiedliche Wahlentscheidungen der Bürger. Nicht jeder Büger möchte das gleiche. Nicht jede Frau will Kinder. Nicht jeder Mann wünscht sich eine Familie. Viele Frauen arbeiten lieber mit Menschen, aber gar nicht so wenige fühlen sich zu technischen Berufen hingezogen.

Ungleichheit wäre nur dann ein sicheres Zeichen für Ungerechtigkeit, wenn alle Menschen gleich wären.

Hier haben wir nebenbei einen der Gründe, warum man in den Gender Studies so angestrengt versucht, nachzuweisen, dass Geschlecht ausschließlich sozial konstruiert ist. Wäre dem nämlich tatsächlich so, dann wären statistische Abweichungen zwischen den Geschlechtern nur noch durch soziale („Die Gesellschaft suggeriert den Mädchen, sie mögen keine Technik.„) und aktive Diskriminierung („Die Männer netzwerken und lassen die Frauen nicht hochkommen.„) zu erklären. Dabei werden biologische Tatsachen wie beispielsweise der Einfluß der Geschlechtshormone Testosteron und Östrogen auf den Aufbau und die Funktionsweise des Gehirns schlicht ignoriert. Es wird gesagt, dass Männer und Frauen im Prinzip völlig identisch sind und alle beobachtbaren Unterschiede auf Sozialisation beruhen. Der Fehler hier liegt in der Ausschließlichkeit. Ja, die Sozialisation ist extrem wichtig, aber sie ist beileibe nicht der einzige Einflußfaktor.

Nebenbei führt maximale Gleichheit nicht zu Gerechtigkeit. Stellt euch vor, man würde alle Frauen zwingen, exakt 2 Kinder zu bekommen. Oder alle müßten Germanistik studieren. Oder in Reihenhäusern in Großstädten leben. Man wird immer einen Anteil haben, der mit dieser Sollsituation durchaus zufrieden ist, aber andere werden damit totunglücklich sein. Wenn Feministen beispielsweise den Frauen sagen, dass sie auf Familie und Beziehungen verzichten und anstelle dessen Karriere machen sollen, weil sie sonst den Feminismus verraten würden, dann sagt das etwas über diese Feministen aus.

Der egalitäre Liberalismus sagt dagegen, dass wir sicherstellen sollten, dass alle Menschen ungeachtet ihrer Herkunft die gleichen Möglichkeiten und Chancen verdienen, ihr Leben nach ihren Vorstellungen zu gestalten. Hierzu ist es durchaus zulässig und auch erwünscht, wenn die Chancen von Benachteiligten verbessert werden, da das Gesamtsystem so gerechter wird.


So. Und nun Butter bei die Fische. Bin ich ein Frauenfeind, weil mein Verständnis von Gerechtigkeit mich dazu bringt,  feministische Positionen wie die oben genannte, kritisch zu hinterfragen?

Grundsätzlich: Wer wirklich wissen will, wie ich über eine bestimmte Sache denke, der kann mich einfach fragen und sich dann anhand meiner Antwort eine Meinung über mich bilden.


Ich habe in Anbetracht dieser Geschichte auch darüber nachgedacht, ob ich meine persönlichen Beiträge komplett aus dem Blog hier entferne. Im Endeffekt macht man sich mit liberalen Ansichten nie wirklich beliebt. Die Linken hassen einen, weil man die Bürgerrechte der Rechten verteidigt. Die Rechten hassen einen, weil man die Bürgerrechte der Linken verteidigt. Radikale Feministen hassen einen, weil man patriarchale Unterdrückung als Grundkonzept der Gesellschaft nicht kritiklos zu akzeptieren bereit ist. Radikale Männerrechtler hassen einen, weil man darauf besteht, auch in den radikalen Feministen Menschen zu sehen. Transatlantiker hassen einen, weil man in Russland nicht die kommunistische Saat des Teufels sieht. Kommunisten hassen einen, weil man auch bei den Vereinigten Staaten zu differenzieren versucht. Und so weiter und so fort. Die rationale Mitte ist scheinbar immer der Ort, wo man von den Flügeln aus gut auf die Mütze bekommen kann. 😉

Sep 132015
 

Das Titelzitat stammt von der unsterblichen Rosa Luxemburg. Komplett lautet der Ausspruch wie folgt:

Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden. Nicht wegen des Fanatismus der Gerechtigkeit, sondern weil all das Belebende, Heilsame und Reinigende der politischen Freiheit an diesem Wesen hängt und seine Wirkung versagt, wenn die Freiheit zum Privilegium wird.

Er erscheint mir in der heutigen Zeit wichtiger denn je, denn ich beobachte eine Zunahme der Intoleranz.

Das erscheint irgendwie kurios in Tagen, in denen Deutschland in der Willkommenskultur vereint scheint. In Wirklichkeit zeigt sich aber, dass es absolut en vogue ist, gegen die Äußerer unliebsamer Ansichten vorzugehen, solange es nur die richtigen unliebsamen Ansichten sind.

Ein paar Beispiele gefällig?

Fefe berichtet über einen Blog, „der besonders ekelhafte ausländerfeindliche Äußerungen sammelt. Dann pixeln sie die Opfer weg und schreiben die Namen der Täter hin, stalken die online und doxxen die dann. Am Ende rufen dann Leute beim Arbeitgeber an, oder beim Sportclub, und sorgen dafür, dass die ihren Job und/oder ihren Freundeskreis verlieren.

Auf Telepolis finden wir einen Artikel über eine „Berliner Homo-Aktivistengruppe, die das Netz nach homophoben Kommentaren durchsucht. Die häufig sehr jungen Poster werden dann im Netz als „Vollpfosten des Tages“ präsentiert, dem Arbeitgeber gemeldet und angezeigt.

Der NDR glorifiziert einen norddeutschen Bürger, der sogenannte Spendenkonten von Rechten aufspürt, setzt sich mit der jeweiligen Bank oder Sparkasse in Verbindung und bringt diese dann dazu, die entsprechenen Kontoverträge zu kündigen.

Die Huffington-Post stellt als fremdenfeindliche empfundene Kommentatoren an den Internetpranger.

Eine angebliche Lidl-Mitarbeiterin löste mit fremdenfeindlichen Kommentaren einen Shitstorm aus. Rufe nach Kündigung und zum #LidlBoycott wurden laut.

Die Arbeiterwohlfahrt kündigt einer Frau nach einem fremdenfeindlichen Kommentar auf Facebook. Porsche macht es genauso.

Fefe hat im zuerst verlinkten Beitrag erklärt, warum dieses Vorgehen für ihn problematisch ist. Rechtsanwalt Udo Vetter geht hier in einem Interview ebenfalls darauf ein.

Und ich sehe mich nun auch in einer Situation, wo ich die Freiheit von Menschen verteidigen muss, deren Ansichten ich nichts abgewinnen kann. In der Gesellschaft hat man mittlerweile den Eindruck, dass Denunzieren und Anprangern schon irgendwie ok ist, solange es nur „die Richtigen“ trifft. Und die Richtigen sind halt die Nazis, die „besorgten Bürger“, die sich irgendwie fremdenfeindlich äußern, und Idioten, die intolerant gegenüber Homosexuellen sind.

Fangen wir erst einmal mit dem für die Betroffenen finanziell schwerwiegendsten Eingriff an, der Kündigung. Kündigungen für rassistische Äußerungen im Beruf sind arbeitsrechtlich zulässig. Bei Äußerungen im privaten Umfeld oder in sozialen Netzwerken ist das keineswegs so. Tatsächlich dürften die meisten Kündigungen in derartigen Fällen aus Imageerwägungen erfolgt sein, um einen potentiellen Shitstorm wie bei Lidl im Vorfeld abzuwehren. Grundsätzlich sollte das Mittel der Wahl, wenn ein Arbeitgeber von derartigen Äußerungen erfährt, das direkte Mitarbeitergespräch und gegebenenfalls die Abmahnung sein. Wenn der Arbeitnehmer sich dann uneinsichtigt zeigt und sein Verhalten schädlich für die Firma ist, so ist die subsequente Kündigung auch gerechtfertigt.

Und selbst wenn man diese Erwägungen außen vor läßt, wird jemand, der für eine fremdenfeindliche Äußerung gekündigt wurde, auf einmal nicht mehr fremdenfeindlich sein? Oder werden sich seine Vorurteile verstärken und vielleicht wirklich in Hass umschlagen bzw.  wird sich dieser, so er schon vorhanden war, noch verstärken?

Kommen wir zum Internetpranger. Das was wir bei jeden normalen Menschen verurteilen würden, insbesondere auch dann, wenn es aus der rechten Ecke ausgeübt wird, ist auf einmal in Ordnung, weil es nun selbst Rechte bzw. „die Richtigen“ trifft? Das Problem mit diesen Prangern besteht ja nicht so sehr darin, dass dort irgendjemand mit Klarnamen und Adresse genannt wurde, es besteht darin, dass radikalisierte Aktivisten diese Information nutzen, um ihn aus der Deckung des Internets zu mobben, beispielsweise indem sie sein soziales Umfeld aufhetzen, ihn anonym bedrohen, Telefonterror betreiben oder sogar direkt Attacken auf sein Hab und Gut durchführen.

Die Huffington Post schrieb im oben verlinkten Artikel:

Einem Blogger setzte der unbekannte Mob dermaßen mit Drohungen zu, dass er aus Angst um seine Familie alle seine Texte bei uns löschen ließ.

Und deswegen ist es nun laut Ansicht der Reporter ok, wenn ein anderer unbekannter Mob, die Menschen bedroht, deren Ansichten von ihnen als fremdenfeindlich eingestuft wurden. Und als fremdenfeindlich stuft diese Truppe so einiges ein. Beispiel gefällig?

  • Schon klar. Medimax : Flüchtlinge in geballter Form. Jeder von denen hat ein Galixie S 4 oder 5 oder ein Iphone weggetragen. Da wird uns doch die Tasche voll gelogen nach Strich undFaden.
  • Ihr seid ein ganz besch….Hetzblatt
  • Die gehen im den Steuergeldern um, als ob die Knete ihnen gehört.
  • Der größte Anschaum in Deutschland sind Islamisten von der Huffington Post!
  • Huffinger: Lügenpresse! Ami go home!
  • Viel Spaß beim Zersiedeln Deutschlands letzter geschützter Grünflächen um Wohnraum für noch mehr ankommende Menschen zu schaffen. Die Umwelt wird es euch mit ein paar Katastrophen danken 😉
  • leute wir können sagen was wir wollen zum schluß werden wir als Rassisten und Nazis betittelt aber die migranten (nicht alle) dürfen uns beleidigen denuzieren und provuzieren also lasst euch alles gefallen denn es steht ja in der Biebel. zitat. und haltet auch die andere wange hin. ICH MACH ES NICHT

Laut den Reportern der Huffington Post kam dies alles von „Hassfratzen„, von einem „bisweilen gewaltbereiten Mob„, von dem man nicht wisse, ob er „noch einmal für die Bundesrepublik zu begeistern“ sei, der „mit den Werten des Grundgesetzes gebrochen“ habe.

Glauben diese Reporter, dass der Mob, den sie nun auf die „Hassfratzen“ loslassen wollen, durchweg kuschelbereit, von der Bundesrepublik Deutschland hellauf begeistert und den Werten des Grundgesetzes verpflichtet ist?

Und ist der norddeutsche Kontokontrolleur wirklich ein Held der Moderne? Immerhin kämpft er ja irgendwie gegen Rechts. Würde er nun seine Erkenntnisse der Polizei oder dem Verfassungsschutz zur Verfügung stellen, damit diese dann gegen verfassungsfeindliche Organisationen im Rahmen des Rechtsstaats vorgehen können, so wäre von meiner Seite auch gar nichts einzuwenden. Nur das tut er eben nicht. Genauso wie die Reporter der Huffington Post und wie der kuschelbereite Mob maßt er sich an, zu entscheiden, wer in dieser Gesellschaft verfolgt und sozial geächtet werden soll und wer nicht.

Nazimethoden sind nicht plötzlich in Ordnung, nur weil sie jetzt gegen echte oder vermeintliche Nazis und/oder Homophobe eingesetzt werden. Selbst wenn sie, sagen wir mal aufgrund eines göttlichen Dekretes, plötzlich in Ordnung wären, so liegt es immer noch nicht im Kompetenzbereich eines Mobs, zu entscheiden, ob die Vorwürfe gerechtfertig sind oder nicht.

Jeder einzelne von uns kann und soll menschenverachtenden Äußerungen entgegentreten. Aber nicht, indem er nun selbst zu Mobbing, Denunzierung oder Gewalt greift.

Noch etwas. Mir ist natürlich bewußt, dass einige Kommentatoren daran scheitern werden, zu verstehen, dass meine generelle Ablehnung des Einsatzes von Nazimethoden auch gegen Nazis noch lange nicht bedeutet, dass ich im Gegenzug fremdenfeindliche Äußerungen gut heiße, aber ich bitte darum, diese geistige Differenzierung doch zumindest zu versuchen.


Vermischtes

Ich möchte kurz auf eine Antwort von Arne Hoffmann auf einen Artikel der Journalistin Nina-Marie Bust-Bartels hinweisen: „Wer geschlechtsbezogene Notlagen und Benachteiligungen beseitigen möchte, sollte das bei beiden Geschlechtern tun.

Hier habe ich einen sehr interessanten Artikel zur Campus Rape Epedemic (US). Man muss den Schlüssen der Autorin keineswegs folgen, aber sie beleuchtet einige, gern unterschlagene Zusammenhänge und Fehlinterpretationen und wirft eine Menge neuer Fragen auf. Weitere Fakten zu falsch interpretierten Studien (UK) gibt es hier.

Lutz Bierend echauffiert sich ein wenig über eine Rachephantasie aus der Huffington Post. Ich persönlich traue den meisten Menschen durchaus zu, zu erkennen, warum der Orginalartikel menschenverachtend ist, aber es kann nicht schaden, dass noch etwas klarer herauszuarbeiten. Außerdem sind seine Artikel immer lesenwert.

Die Spieleentwicklerin Maya Posch erzählt etwas über Sexismus und Gamergate.

Katrin Rönicke analysiert bei den Ruhrbaronen als Mitbeteiligte die Entwicklung des Netzfeminismus. Unbedingt auch die Kommentare lesen.

In England verringert sich der Life Expectancy Gap, zum einen, weil die Anzahl gefährlicher Jobs, die überwiegend von Männern besetzt waren, abnimmt, zum anderen weil mehr Frauen das mit Vollzeitberufstätigkeit verbundene höhere Stresslevel abbekommen. Auf die vielen Gründe für die unterschiedliche Lebenserwartung komme ich aber auch noch in einem Extrablogeintrag zu sprechen.

Man Tau schreibt über Ilse Lenz, die auch ich schon im Blog erwähnen mußte, und über die von ihr vehement verteidigten Gender Studies. Im Gegensatz zu Frau Lenz völlig unaufgeregt und rational nachvollziehbar.

Verstärkte ideologische Korrekturmassnahmen an der Wikipedia sind nun offenbar auch in der englischen Version angekommen.

Zum Ausklang dieses Abschnittes sei noch auf die 3 Forderungen an Journalisten für eine faire, nicht sexistische Behandlung von Männern hingewiesen. Der absolut lesenswerte Artikel enthält für Interessierte zudem jede Menge Links zu Primär- und Sekundärquellen.

Humor

Wer schon immer mal eine Studie sehen wollte, die darlegt, wie schädlich es ist, die Schulspeisung zu verbessern, der wird hier fündig. Ist allerdings eher etwas für moderat gelangweilte Akademiker, die noch über als Wissenschaft getarnte Ideologie lachen können.

Auf Yahoo entrüstet man sich darüber, dass einige Männer es wagten, ein Gesetz gegen Sexismus zu nutzen, um Sexismus gegen Männer zu bekämpfen. Also so war das nun aber gar nicht gedacht. Unbedingt auch die Kommentare lesen. 🙂

Hier haben wir eine Feministin, die Männer zum Sex auffordert, Körbe kassiert und dann irgendwie dem „Patriarchat“ die Schuld daran zuschiebt.

Kennt ihr schon die Neue an Kermits Seite? (An alle Fans der Frauenrechtspreisträgerin Miss Piggy: Keine Sorge, eine Liaison wurde bereits dementiert.) Wer mal drüber schmunzeln möchte, was man von feministischer Seite so alles an ihr auszusetzen hat, der wird hier fündig.

In einem aktuellen Bericht aus Hamburg, findet sich die folgende Passage:

Zudem hatten sich mehrere Linksautonome zum Teil vermummt an den Gleisen versammelt und sich nach Erkenntnissen der Polizei gegenseitig mit Steinen beworfen. Offenbar hatten sie sich gegenseitig für Rechtsextreme gehalten.

Gwenny hat mich auf dieses Video von anno dunnemals hingewiesen. Es zeigt, wie klischeehaft man sich damals autofahrende Frauen vorstellte. Zumindest hoffe ich mal, dass das auch damals schon klischeehaft war.

Und hier noch ein humorvolles Gesangsstück nach Reinhard Mey über eine viel zu selten wahrgenommene Berufsgruppe.

Ich entschuldige mich bei all jenen, die meinen kleinen Exkurs ins Reich des Humors vielleicht nicht ganz so lustig fanden. Für die, die mich dafür gerne teeren und federn möchten, habe ich eine kleine Entschädigung: Ich habe herausgefunden, wo man diese phantastischen Tassen erwerben kann.


Ich bedanke mich bei Gwenny für das Korrekturlesen und bei allen Besuchern für die geschenkte Aufmerksamkeit.

Aug 302015
 

Diesen Blogbeitrag möchte ich Miu Jones widmen. In den Kommentaren zum letzten Beitrag wurde klar, dass wir teilweise recht unterschiedliche Ansichten haben, wo und wann der Staat klare Verhaltensregeln und Sanktionen vorschreiben sollte und wo nicht. Ich hoffe, dass ich hiermit meinen Standpunkt etwas klarer darlegen kann.

Ich beziehe mich in der Folge auf einen Artikel von Beatrice Wagner in der Welt. Nicht näher gekennzeichnete Zitate stammen aus diesem. Der Artikel ist in Gänze lesens- und reflektierenswert, auch wenn ich empfehlen möchte, die Arbeiten, die Frau Wagner andernorts zu Geschlechtsunterschieden veröffentlich hat, mit Vorsicht zu genießen.

„Zeig, dass du ein Girl bist! Je weiblicher du dich kleidest, umso attraktiver wirkst du auf Jungs!“ Mit hundert solcher Flirttipps wollte die „Bravo“ kürzlich ihre jugendlichen Leserinnen beglücken, doch sie erntete einen Shitstorm. Unter dem Hashtag #flirtennachbravo regten sich Frauen und Männer, viele von ihnen Eltern, über die Tipps auf.

Der Shitstorm war sicherlich etwas übertrieben. Wirklich problematisch waren eigentlich nur die Tipps, bei denen Mädchen suggeriert wurde, die Musik, die Interessen oder den Kleidungsstil ihres Schwarms als ihre eigenen auszugeben. Grundsätzlich erhöht solches Verhalten die Flirtchancen zwar durchaus, aber es ist definitiv keine gute Idee, gegenüber Pubertierenden auch nur anzudeuten, dass man seine Persönlichkeit verstellen solle/müsse, um jemand anderem zu gefallen.

Die Kunst des Flirtens ist grenzüberschreitend und bestätigt alte Vorurteile zwischen Mann und Frau, die wir längst glauben abgelegt zu haben. Sie zeigt sich zwar in der jeweiligen Ausprägung als kulturabhängig, doch sie beruht auf allgemeingültigen Universalien, auf uralten Verhaltensweisen.

Nur wenn wir in dieser unkorrekten, machohaften und weiblich-unterwürfigen Art sexuelle Kontakte anbandeln, haben sie Bestand und bieten eine Chance für lang andauernde sexuelle Spannung zwischen zwei Partnern.

Das ist zu ultimativ formuliert. Richtig ist jedoch, dass eine langanhaltende Liebesbeziehung auch sexuelle Spannung benötigt. Nicht nur – aber eben auch. Sie ist im Endeffekt eine von vielen Komponenten, die bei einer glücklichen, langanhaltenden Beziehung vorhanden sein sollten. Gegenseitiger Respekt und Achtung, Kommunikations- und Lernbereitschaft gehören gleichermaßen mit dazu.

Diese archaischen Rollenbilder will und kann der moderne Mann und die moderne Frau nicht immer erfüllen, wie nicht nur der Shitstorm gegen die „Bravo“ zeigt. Männer wüssten oft nicht mehr, wie sie sich einer Frau nähern sollten, sagt die Psychotherapeutin Beate Kube aus Kempten, die sich auf Paar- und Sexualtherapie spezialisiert hat.

„Sie befürchten, als übergriffig zu gelten, wenn sie auf eine Frau zugehen und ihr ein Kompliment machen.“ Das mache sie so vorsichtig, dass sie sich ihrer Energie und ihrer männlichen Dynamik gar nicht mehr bewusst seien.

Flirten ist immer auch eine leichte Grenzüberschreitung„, sagt sie. „Der Mann schaut der Frau ein bisschen zu tief in die Augen, oder er berührt die Frau ungefragt.“ Viele Männer trauen sich das nicht mehr.

Ich wage mal zu behaupten, dass dies den Jasna Stricks dieser Welt egal ist. In ihrer Welt sind Männer generell und per Definition übergriffig, Übergriffigkeit (durch Männer) ist schlecht, ergo sind auch Männer schlecht. Die Grenzüberschreitung beim Flirten bestätigt dieses Vorurteil noch und demonstriert nach dieser Logik gleichzeitig, warum auch Flirten schlecht sein muss.

Als Einzelmeinung ist so etwas auch durchaus ok, aber jede Frau sollte selbst entscheiden, ob sie eine derartige irrationale Sichtweise für sich übernehmen möchte und ob sie damit glücklich werden kann.

Flirten hat sehr viel mit ursprünglichen männlichen und weiblichen Verhaltensmustern zu tun. Der Mann zeigt der Frau, dass er stark genug ist, um Unsicherheit aus- und sie zu unterhalten, im materiellen wie im emotionalen Sinn. Dahinter steht die Botschaft: Ich bin der Ernährer, der Macher, ich bin stark, ich habe einen Plan, ich zeige dir, wo es langgeht, und mit mir wird dir nie langweilig werden.

Die Frau würdigt das, indem sie ihn dafür anhimmelt und gleichzeitig ermutigt, weiter seine Federn zu spreizen.

Der Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibesfeldt hat hierzu herausgefunden, dass diese Tradition, diese unterschiedlichen Rollen von Männern und Frauen beim Flirten heute noch ganz genauso gelten.

Und genau mit diesem Rollenverhalten haben Frauen und Männer heutzutage ihre Schwierigkeiten. Er männlich und aktiv, sie weiblich und passiv. Wie verträgt sich das mit dem Rollenverständnis im Zeitalter der Emanzipation? Natürlich wissen Männer nicht häufiger als Frauen, wie die Welt funktioniert. Natürlich sind Frauen nicht klein, dumm und hilflos, und natürlich warten sie nicht auf den edlen Ritter, der sie vor allen Gefahren beschützen wird.

Wieso sollten wir also im Flirt etwas signalisieren, was wir im Beziehungsalltag nie und nimmer leben möchten? Solche Gedanken haben Männer, wenn sie den Frauen nicht mehr in den Mantel helfen, denn „anziehen können die sich doch wohl selber“. Und aus den gleichen Gedanken heraus nehmen sich die Frauen, wen sie mögen, und gehen offensiv auf Männer zu.

Und an dieser Stelle beginnt es dann aus dem Ruder zu laufen. In den USA ist man in Folge der Rape Culture-Hysterie soweit, dass die Partner sich bei jeder einzelnen Stufe durch ein lautes „Ja“ die gegenseitige Zustimmung versichern sollen. Es gibt mittlerweile sogar affirmative Consent-Kits und natürlich auch affirmative consent-Apps.

Studenten sind aber (i.d.R.) keine Pornodarsteller. Man darf ernsthaft befürchten, dass jegliche sexuelle Spannung flöten ginge, wenn sie sich tatsächlich im Minutentakt verbal der fortgesetzten Zustimmung ihres Partners versichern müßten. Zustimmung wiederum ist genauso wenig zwingend aktiv wie Hingabe.

Im Endeffekt werden Frauen durch solche Regelungen als zarte, hilflose Pflänzchen dargestellt, die vor der implizierten Übergriffigkeit der Männer geschützt werden müssen.

Oder geht der Schuss nach hinten los, und das Liebesleben einer ganzen Hochschulgeneration wird reglementiert und damit auch gehemmt? Echte Hingabe kann unter äußerlicher Kontrolle nicht passieren, da Kontrolle den Zauber der Situation zerstört. Wenn Männer nicht mehr „leicht grenzüberschreitend“ um Frauen werben dürfen, weil alles politisch korrekt sein muss, verfliegt die Libido.

„Es kommt zu einer Verlaberung der Lust“, sagt auch Jakob Pastötter von der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung. „Wir erschaffen uns durch solche Einverständniserklärungen, genauso wie durch die Flirt-Apps und Dating-Portale, eine schöne sexuelle Scheinwelt, in der alles perfekt aufeinander abgestimmt ist und in der trotzdem nichts passt, weil das Wesentliche fehlt, nämlich die Spannung und die Wertschätzung der Andersartigkeit des Partners.“

Und hiermit sind wir an der Stelle angelangt, auf die ich in der Diskussion mit Miu hinauswollte. Im Endeffekt kann man alles regulieren. Wir können Schutzzonen einrichten, Videokameras aufstellen, die Sexakte filmen, vielleicht auch noch Zeugen dazuladen, die bestätigen, dass auch ja alle 2 Minuten leidenschaftlich „Ja, ich will“ gerufen wurde, wir könnten Frauen irgendwelche Accessoires geben, damit Männer wissen, dass sie angesprochen werden dürfen. (Reicht nicht ganz, da auch noch sichergestellt werden muss, dass die Ansprache nur durch die „richtigen“ Männer erfolgt, sonst ist es nämlich doch Sexismus. Siehe #Aufschrei-Debatte.)

Wir können regulieren bis zum Erbrechen. Und ja, diese Maßnahmen würden Universitäten im Bezug auf sexuelle Übergriffe vielleicht ein klein wenig sicherer machen, aber gleichzeitig würden sie steriler, politisch korrekter, einengender und lebloser.

Explizit diskutierte ich mit Miu über das Gutachten zur sexuellen Belästigung an Hochschulen der Männer äh Antidiskriminierungsstelle des Bundes:

Vorbildliche Richtlinien haben dem Gutachten zufolge unter anderem die RWTH Aachen sowie die HU und die TU Berlin erlassen. Die RWTH etwa listet konkret auf, was unter unzulässigem Verhalten zu verstehen ist. Das reicht vom Verbreiten sexistischer Bilder und dem Nutzen pornografischer Inhalte auf Unicomputern über anzügliche Bemerkungen bis zur Aufforderung zu sexuellen Handlungen. Die RWTH hat auch geregelt, welche Maßnahmen bei Verstößen ergriffen werden: Ausschluss von Lehrveranstaltungen, Hausverbot oder eine Strafanzeige durch den Rektor.

Ich halte nichts davon, eventuell unglückliche Flirtversuche unter Strafe zu stellen. Echte sexuelle Belästigung wiederum ist bereits strafbar und kann auch jetzt schon verfolgt werden. Darum geht es offensichtlich gar nicht. Man nehme nur mal das Beispiel mit den anzüglichen Bemerkungen. Wie häufig sind euch solche an der Uni untergekommen? Und wer soll hier entscheiden, was eine anzügliche Bemerkung ist, was einfach nur ein dummer Flirtversuch und was vielleicht nur eine unglückliche Wortwahl oder ein missverstandenes Kompliment? Was wir hier sehen, ist die Einführung der Mikroaggression als strafbewehrtes Konzept.

Unter jungen Menschen sollte politische Korrektheit nicht das Maß aller Dinge sein. Und all jene, die dies anders sehen, sollten zumindest kurz innehalten und darüber nachdenken, wohin diese Reise führt, unter anderem nämlich auf das Hochplateau des Lebensglücks einer Jasna Strick.

Im Artikel von Frau Wagner wird weiter unten dann noch darauf eingegangen, was es bedeutet, wenn Paare das Gleichstellungsprinzip auf ihr Sexualleben übertragen.

„Die Beziehungen sind oftmals lauwarm geworden, die Paare gehen im Bett harmonisch miteinander um und verlieren nach einer verliebten Anfangszeit ziemlich schnell die Lust aufeinander“, berichtet auch die Psychotherapeutin Beate Kube aus Kempten.

Im Bett endet eine Verkehrung der uralten archaischen Spielregeln zwischen Mann und Frau nicht selten im Fiasko, zum Beispiel in einem brüderlich-schwesterlichen Verhältnis, mit Lustlosigkeit und mangelndem Stehvermögen.

„Wir dürfen Gleichberechtigung nicht mit Gleichmacherei verwechseln“, sagt Pastötter, der sich in wissenschaftlichen Arbeiten mit diesem Thema befasst hat und selbst beratend tätig ist.

Im Flirt und beim Sex sollten Frauen und Männer ihre Unterschiede betonen und ausspielen. Männer sollten männlich sein und Frauen weiblich und nicht etwa beide uniform und politisch korrekt. Im alltäglichen Umgang miteinander, in den Beziehungsaufgaben oder im Beruf nehmen beide Partner dann wieder Augenhöhe zueinander ein.

 Frau Wagner zieht dann ihr Schlussfazit:

Auch wenn das Flirten also durchaus eine kulturabhängige Seite hat – sie beruht noch immer auf den jahrtausendealten Prinzipien, mit denen schon unsere Urahnen den Partner für das Bett oder für das Leben gefunden haben. Natürlich gibt es auch Ausnahmen: männlichere Frauen, die vorgeburtlich mehr Testosteron abbekommen haben.

Und es gibt weiblichere Männer, bei denen es umgekehrt ist. […]

Gleichberechtigung im Alltag, Geschlechterrollen im Flirt und im Sex. Nur so funktioniert es.

Obwohl es deutlich mehr Gründe und auch Ausprägungen für die „Ausnahmen“ gibt, hat Frau Wagner hier im Grunde nicht unrecht. Unser Sexualtrieb ist sicherlich der Aspekt unseres Persönlichkeit und unseres Lebens, der am engsten mit unserer animalischen Seite verbunden ist. Und wer bei Partnerwahl und Sexualität sein perfektes Ebenbild präferiert, der ist gut beraten, nur mit sich selbst eine Beziehung einzugehen.

Edit: Der Kommentar von Smirnow hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass die Formulierung „Geschlechterrolle“ von Frau Wagner etwas missverständlich ist. Hier ist kein starres Stereotyp gemeint. Da jeder Mensch einzigartig ist, ist natürlich auch die Rolle, die er in und mit seiner Sexualität einnimmt, einzigartig (und veränderlich) – aber nichtsdestotrotz ist es eine Geschlechterrolle.


Rückblick und Vermischtes

Eine schöne Demontage des White Privilege-Konzeptes gibt es von Victor Zen auf Youtube.

In England ist man ins 18. Jahrhundert zurückgekehrt, um Gerichtskosten zu minimieren. Man hat dazu einfach die Gerichtskosten für verurteile Straftäter vervielfacht – wenn diese sich vorher für unschuldig erklärten. Das führt dazu, dass Unschuldige aus ärmeren Schichten sich nun lieber schuldig bekennen, da sie nicht riskieren wollen, dass ihre Familien im Falle eines Fehlurteils finanziell ruiniert werden.

Lutz Bierend fragte bereits im Juni in der Huffington Post, wer heutzutage noch den Feminismus brauche. Da der Artikel absolut lesenswert und erhellend ist, verlinke ich ihn.

Auf Breitbart wurde das Zeitalter der kulturellen Libertarier ausgerufen. Da es nie schaden kann, auch andere darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig die Verteidigung von Rede-, Gedanken- und kultureller Freiheit ist, habe ich den Artikel verlinkt.

Schön auch, das auf der Seite abgedruckte Zitat von Camille Paglia: „It is anti-feminist to ask for special treatment for women.“ Allerdings gehört Frau Paglia nicht zur Dritten Welle, heutzutage ist es anti-feministisch, wenn man gegen Geschlechterdiskriminierung per Quote ist. Hier noch einmal Christina Hoff Sommers zu dieser Entwicklung auf Youtube.

Ohne Bezug, aber interessant und für den Hinterkopf: Nur knapp ein Drittel der wissenschaftlichen psychologischen Untersuchungen sind reproduzierbar.

Mit gegebenen Bezug zum Hauptthema des Blogposts hier die etwas polemische Fragestellung von Martin Daubney, ob der Feminismus die Institution der Ehe zerstört. Vorsicht an alle, die sich auch die Kommentare antun wollen, man trifft zwangsweise auf Neandertaler.

Ich war überrascht, wieviele bekloppte (und generell negativ konnotierte) Wortneuschöpfungen Men-irgendwas mittlerweile kursieren.

Die im vorigen Blogeintrag thematisierte Aktion des WDR hat die Gender-Debatte intensiviert. Es erscheinen zumehmend kritische Beiträge in den Medien: Gender-Irrsinn: Von ProfessX und Ampelmännchen, Gender-Theorie und Wohlstandsinsel Deutschland. Selbst die Zeit, die sonst alles, was auch nur nach Feminismus riecht, ausgiebigst glorifiziert, äußerte sich ein bisschen kritisch zur WDR-Selbstzensur.


Ich bedanke mich bei allen Lesern für die Aufmerksamkeit und bei Gwenny und Invisible Ink für das Korrekturlesen.

Aug 232015
 

Eingangs möchte ich kurz auf einige Missverständnisse eingehen, die in den Kommentaren zu meinen letzten Blogeintrag deutlich wurden.

Zuerst einmal bin ich der Ansicht, dass Menschen, die sich ernsthaft für Gerechtigkeit einsetzen wollen, Humanisten sein sollten. Schlicht und einfach deswegen, weil ohne die Erkenntnis, dass allen Menschen die gleichen Rechte gebühren, Gerechtigkeit gar nicht möglich ist. Dieser Anspruch gilt natürlich auch für mich selbst. Es wäre absurd, gegen die Benachteiligung von Jungen im Bildungssystem zu sein, wenn die Alternative nur darin bestünde, dann halt Mädchen zu benachteiligen.

Gerechtigkeit geht uns alle an. Es ist nicht die Aufgabe von Feministen, Gerechtigkeit für Frauen zu erstreiten und es ist nicht die Aufgabe von Männerrechtlern, dies für Männer zu tun. Gerechtigkeit muss für alle sein. Gerechtigkeit nur für Teilgruppen ist keine Gerechtigkeit, sondern führt zwangsweise immer zur Benachteiligung von anderen. Dass Feministen und Männerrechtler auf Benachteiligungen aufmerksam machen, ist wiederum legitim, aber es muss immer geprüft werden, ob diese behaupteten Benachteiligungen wirklich existieren und wenn dem so ist, ob ihre Beseitigung nicht vielleicht andere (eventuell sogar schlimmere) Benachteiligungen erschafft.

Es wurde angesprochen, dass ich verstärkt die negativen Seiten des Feminismus kritisiere und wenig auf positive Aspekte eingehe. Das hängt primär damit zusammen, dass ich im Bezug auf die westliche Wertegemeinschaft und die heutige Zeit von den aktuellen Ausprägungen des Postfeminismus hauptsächlich negative Dinge bemerke, die darauf ausgerichtet sind, Frauen und Männern zu schaden, zumindest jedoch die Deutungshoheit über Rollenbilder und gesellschaftliche Vorgänge zu übernehmen bzw. zu verteidigen.

Wenn jedoch jemand einen Gastbeitrag verfassen möchte, der darlegt, wo der Feminismus hier und heute noch für Humanismus und die Verbesserung der Gesellschaft eintritt, so werde ich diesen veröffentlichen, vorausgesetzt natürlich der Beitrag entspricht der hier geforderten humanistischen Grundeinstellung. Insofern sachliche Fehldarstellungen enthalten sind, was im feministischen Diskurs beispielsweise gerne mal durch die Nutzung falscher oder falsch interpretierter Statistiken geschieht (Beispiel 2), so werde ich diese natürlich kommentieren.

Im Endeffekt war ich, bis ich damit begann, mich tiefer in das Thema einzuarbeiten, durchaus profeministisch eingestellt. Eben weil ich damals auch noch der irrigen und unreflektierten Ansicht war, dass jemand der profeministisch ist, damit automatisch auch für Gleichberechtigung, Humanismus und Gerechtigkeit wäre, und jemand der antifeministisch ist, eben gegen Gleichberechtigung etc. sei. Tatsächlich ist es in der heutigen Zeit aber eher so, dass Humanismus und 3rd Wave Feminismus einander diametral entgegenstehen. Wer Frauen und Männer in erster Linie als Menschen und gleichberechtigte Partner sehen will, kann kein Anhänger des Postfeminismus sein – oder aber er stellt sich darunter etwas vor, wofür dieser mittlerweile überhaupt nicht mehr steht.

Gleichstellung ist nicht dasselbe wie Gleichberechtigung, sondern stellt in Wahrheit eine Geschlechterdiskriminierung dar. Häusliche und sexuelle Gewalt als rein männliches Problem darzustellen, ist gleichzeitig Lüge und Propaganda. Väter als entbehrlich anzusehen, ist menschenverachtend. Frauen als bessere Menschen darzustellen, desgleichen, denn es bedeutet im Umkehrschluss ja, dass Männer die schlechteren Menschen wären. Ich werde im zweiten Beitrag zu den Geschlechtsunterschieden noch darauf zu sprechen kommen, aber was die Verteilung von Empathie, Liebe, Hilfsbereitschaft angeht, so gibt es zwischen Männern und Frauen keine Unterschiede. Dies gilt auch für negative (bzw. als negativ wahrgenommene) Aspekte wie Egoismus und Aggressivität. Männer und Frauen sind als Gruppe gleich gut und gleich Scheiße.

Ein Kommentator hat interessanterweise MRAs (Mens Rights Activists) mit Meninisten in einen Topf geworfen. Der Meninist ist allerdings eine Parodie, bei der Forderungen und Aussagen von 3rd Wave-Feministen einfach nur umgedreht wurden. Die Worte „(parody) obviously sarcasm“ im Twitterprofil hätten hier einen Fingerzeig geben können. Accounts, die Radikalfeministen parodieren, gibt es nebenbei so einige. Da jedoch die Forderungen der feministischen Aktivisten mittlerweile so abgedreht sind, dass oft jede Bodenhaftung verlorenging, ist eine Parodie durch Überzeichnung realistisch gesehen eigentlich kaum noch möglich. Was will man aus „Kill all men“ schon noch machen? „Kill all men twice„?

Eines noch. Es gibt keinen Grund sich für den Irrsinn und die Dummheit anderer Menschen zu schämen oder sich dafür verantwortlich zu fühlen. Genausowenig wie es mich kratzt, dass Leutnant Dino mit seinen hochgradig grenzdebilen Vorstellungen irgendwo durchs Unterholz stapft, müssen sich Frauen für den Männerhass von Mädchenmannschaft oder Andrea Dworkin schämen oder gar verantworten. Aber jeder sollte für sich selbst entscheiden, ob solche Menschen definieren dürfen, was für andere Menschen gut und richtig ist.

Majestätsbeleidigung bei Plasberg gesühnt

Die Hart-aber-fair Sendung „Nieder mit den Ampelmännchen – Deutschland im Gleichheitswahn?“ zum Thema Feminismus und Gender war möglicherweise der einzige Beitrag im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, in dem das Thema nicht als ideologisches Heiligtum beweihräuchert wurde. Als Ergebnis sahen Anne Wizorek und der Grünen-Chef Anton Hofreiter ziemlich mies aus. Viele Zuschauer hofften nun, dass das Thema endlich offener und ohne quasi-religiöse Verbrämung gesellschaftlich diskutiert werden würde.

Jetzt hat allerdings der WDR-Rundfunkrat aufgrund des Drucks von Gleichstellungsbeauftragten entschieden, die Sendung nachträglich zu zensieren: Sie darf in der Mediathek nicht mehr gezeigt und nie mehr wiederholt werden. Die Begründung dafür kann man mit dem Schlagwort „Majestätsbeleidigung“ problemlos subsummieren.

Die BILD hat inzwischen darüber berichtet. (Titelblatt.) (Bevor jetzt einige aufstöhnen und die Quelle in Zweifel ziehen, sollten sie besser mal innehalten und darüber nachdenken, was es über unsere Medienlandschaft aussagst, dass andere Medien NICHT darüber informieren.) Ein weiterer Kommentar dort trägt den Titel „Irsinn bei der ARD!“ Ob dies dazu beitragen kann, dass anderen, liberal eingestellen Menschen klar wird, wo wir hier zensurtechnisch hinsteuern?

(Edit: Offenbar haben mittlerweile einige andere Medien bei der Berichterstattung nachgezogen. Schön. Ich würde mal vermuten, dass dieses Ergebnis nicht so ganz im Interesse der emsigen Gleichstellungsbeauftragten lag.)

(Edit 2: Hier noch ein sehr schöner Beitrag von man tau zum Thema. Achtung Satire.)

Wer sich die Plasberg-Sendung noch einmal anschauen möchte, hat derzeit hier, hier und hier noch die Gelegenheit dazu.

Interessant in diesem Zusammenhang mag auch dieser Artikel zu sogenannten Mikroaggressionen auf Telepolis sein. Von derartigen Wahnsinn sind wir leider auch hierzulande nicht mehr allzuweit entfernt. Gibt natürlich auch in den USA Widerstand gegen solche Versuche, die Meinungs- und Redefreiheit zu unterminieren.

Alice Schwarzer, Birgit Kelle und der Frauenhandel

Ich wurde gebeten, ein paar Worte zur Neupositionierung von Amnesty International zur Prostitution und der feministischen Reaktion darauf zu schreiben. Dies musste ich leider ablehnen, da für diese Thematik in meiner Planung erst wesentlich später Zeit und Raum wäre. Ich hatte allerdings angeboten, einen Gastartikel zu veröffentlichen. Wie dem auch sei, Lutz Bierend hat in der Huffington Post einen Artikel zu diesem Thema veröffentlicht, mit dem ich absolut konform gehe.

Wer sich also für meine Meinung zu diesem Thema interessiert und wer lesen möchte, warum man die Position von Alice Schwarzer und anderen Feministen aber auch die von Birgit Kelle und anderen christlich angehauchten Familienrechtlern zu diesem Thema logisch und humanistisch als absurd einstufen kann, der sollte den Artikel lesen.  Wäre der Artikel von mir, so gäbe es allerdings noch ein paar sarkastische Kommentare zum Schwedischen Modell, das von vielen Feministen in völliger Verkennung von Realität und Logik als der Weisheit letzter Schluss gefeiert wird. Ich frage mich da immer, wie blöd man eigentlich sein muss, um ernsthaft zu behaupten, dass eine Kriminalisierung der Kunden die Lage der Prostituierten selbst verbessern würde.

Häusliche Gewalt

Im Berliner Tagesspiegel fand sich diese Woche ein Artikel zur häuslichen Gewalt gegen Männer. Die Fallschilderung ist glaubhaft und nachvollziehbar, auch wenn nach wie vor die statistischen Fakten verdreht werden, beispielsweise wenn behauptet wird, dass Männer nur 20% der Opfer ausmachen. Die tatsächliche Quote liegt bei 50%. [2]

Allerdings ist die exakte statistische Ausprägung in meinen Augen ohnehin weitgehend irrelevant. Wichtiger ist, dass das Thema überhaupt wahrgenommen wird. Im Endeffekt muss jeder Einzelfall individuell betrachtet werden – nur eben ohne Scheuklappen, die weibliche Gewalt von vornherein als Ding der Unmöglichkeit ausblenden.


Ich bedanke mich bei allen Lesern für die Aufmerksamkeit und bei Gwenny für das Korrekturlesen.

Wir sind mittlerweile aus dem Urlaub zurück, was bedeutet, dass die nächsten Blogartikel von mir wieder mehr eigene Themen und vielleicht auch die ein oder andere widerliche Selbstdarstellung enthalten werden.

Aug 152015
 

Bevor ich Mitte nächster Woche aus dem Urlaub in die Heimat zurückkehre, möchte ich noch die Gelegenheit nutzen, meine Blogroll ein wenig zu erweitern.

Man Tau

Man Tau, dessen Ursprungsmotto lautete Männer, Frauen – und die Welt, die wir Kindern bauen ist der humanistische Blog eines Lehrers, den ich rundweg empfehlen kann.

Für eine Empfehlung in meiner Blogroll ist eine humanistsche Grundposition entscheidend. Es geht hier darum, dass Menschen grundsätzlich als gleichwertig anerkennt werden. Also quasi das, was der 3rd Wave-Feminismus zwar gerne und lautstark von sich behauptet, aber im Endeffekt niemals geliefert hat.

Diese humanistische Position kann man Man Tau problemlos bescheinigen. Der Blogger berichtet hier, wie er überhaupt auf das Thema kam. Er legt auch Wert darauf, kein Männerrechtler zu sein, weil:

Rechte gelten allgemein, oder sie sind keine Rechte. „Männerrechte“ oder „Frauenrechte“ bezeichnen also, genau genommen, keine Rechte, sondern Vorrechte. Allein Kinderrechte finde ich als Sonderrechte legitim, weil Kinder in einer solchen Weise schutzbedürftig sind, dass sie besondere Rechte brauchen. Ansonsten geht es um Menschenrechte.

Ein logischer Standpunkt. Tatsächlich handelt es sich um eine Einsicht, die von vielen Männerrechtlern geteilt werden würde, was diese also eher zu Menschenrechtlern mit Fokus macht.

Alle Texte sind sehr sachlich, logisch nachvollziehbar und grundsätzlich gut recherchiert. Der Blog verdient eine volle Empfehlung meinerseits.

Alles Evolution

Alles Evolution ist der Blog von Christian. Hier geht es um eine evolutionsbedingte, biologische Sicht auf Geschlechtsunterschiede, die mir persönlich manchmal ein wenig zu weit geht. Ich erkenne durchaus an, dass viele unserer Verhaltensweisen auf biologischen Ursachen beruhen, ich weise, was möglicherweise einige meiner Leser verblüffen wird, der Sozialisation aber mindestens ebensoviel Bedeutung zu, auch wenn ich nie auf die absurde Position der Gender Studies käme, dass Sozialisation entgegen Logik und Wissenschaft allbestimmend sein könnte.

Warum meine Position hier etwas differenzierter ist, werde ich ausführen, wenn ich zum zweiten Beitrag zu den Geschlechtsunterschieden komme.

Wie dem auch sei, die humanistische Perspektive ist auf Alles Evolution durchaus gegeben. Die Artikel sind lesenswert und wer sich über biologische Ursachen, die Auswirkungen der tatsächlich vorhandenen Unterschiede oder über aktuelle Studien zum Thema informieren will, der wird dort fündig werden. Eine ordentliche Dosis Feminismuskritik gibt es natürlich ebenfalls, aber daran kommt heutzutage ja ohnehin kein einigermaßen logisch denkender Humanist mehr vorbei. 🙂 Hier ein schönes Beispiel.

Rückblick

Möchtet ihr mal sehen, wie einfach es ist, irgendwelche Passanten dazu zu bringen, eine Petition gegen Male Privilege Tax zu unterschreiben? Hier habt ihr dazu die Gelegenheit. Es dürfte auch nicht wesentlich schwieriger sein, Unterzeichner für die Make up-Steuer zu finden, mit der Frauen dafür entschädigt werden sollen, dass sie pro Tag eine halbe Stunde länger vor dem Spiegel verbringen.

 Freies Menstruieren galt bisher eher als eine Internetlegende. Aber keine Forderung ist bekloppt genug, als das nicht irgendwer irgendwann die Probe aufs Exempel macht. In diesem Fall war es Kiran Gandhi, die den Londonmarathon menstruierend bewältigte. Es ging natürlich nur darum, die Aufmerksamkeit darauf zu richten, dass der Zugang zu Tampons und Binden in einigen Bereichen der Erde für Frauen erschwert sei. Die Cosmopolitan feiert dies überschwänglich. Wer weiß, vielleicht macht ja demnächst jemand auf ähnliche Weise auf das Problem der Inkontinenz aufmerksam.

Hier mal eine Erklärung, warum Toilettenpapier sexistisch ist. Der Beitrag ist von einer 19-jährigen Schwedin, deren Youtube-Channel auch sonst durchaus unterhaltsam ist. Und wenn wir schon bei Sarkeesian sind, dann ist auch diese Parodie auf die Vorzeigefeministin absolut empfehlenswert (und lehrreich).

Hier hätten wir dann noch Professor Janice Fiamengo, die erklärt, warum sie sich selbst als Anti-Feminist bezeichnet. (Nebenbei trotz heftiger Anfeindungen von SJWs auf Twitter. Vor der dritten Welle hätte sie mit ihrer Position problemlos als Feministin und Humanistin gleichermaßen gegolten.) Und hier eine Erklärung auf Spiked, warum man als Star am Feminismus eben doch nicht vorbeikommt.

Zu guter Letzt: wer weiß, was Grey Rape ist? Ja, der Begriff kommt aus demselben ideologischen Loch, das auch die Rape Culture erschuf. Es handelt sich um eine Vergewaltigung, bei der die Frau dem Geschlechtsverkehr zwar zustimmte, nachher aber feststellt, dass der Sex irgendwie scheiße war und sie demzufolge vergewaltigt wurde. Hier ein Bericht, wohin es führt, wenn amerikanische Universitäten solche Sichtweisen übernehmen. Wer es gerne etwas emotionaler mag, findet das Ganze auch auf FOX.

Irgendwie schon lustig, früher haben sich die Demokraten für Bürger- und Menschenrechte eingesetzt und die bedingungslose Einhaltung von due process gefordert. Heute sind es die Republikaner. Das Traurige an der Situation ist, dass derart grundsätzliche Rechtsgüter überhaupt nicht in Frage gestellt werden dürften, aber wenn es um Männer, die Rape Culture und das Patriarchat geht, sehen die Demokraten da offenbar keine Probleme. (Ganz so schlimm wie unsere Grünen sind aber selbst sie nicht.)

Ich bedanke mich bei meinen Lesern und wünsche den Humanisten unter ihnen alles Gute. 🙂

Ein großes Danke geht an Gwenny für das Korrekturlesen.

Aug 072015
 

Vorbemerkung: Dies ist ein Gastbeitrag von Miu Jones. Gastbeiträge werden in Zukunft mit dem Kürzel *GAST* gekennzeichnet.


Einmal abgesehen davon, dass es einfach interessant ist, sich mit den eigenen Vorlieben und den Vorlieben Anderer zu beschäftigen, diese zu vergleichen und so tiefschürfende Erkenntnisse über sich selbst, Andere, unterschiedliche Betrachtungsweisen und die Welt an sich zu erlangen, hat das Thema „Jungenbücher / Mädchenbücher “ auch eine praktische Bewandtnis. Die Lesekompetenz, die direkt mit dem eigenen Leseverhalten zusammenhängt, gehört nämlich nicht grade zu den unwichtigsten Dingen auf der Welt und das Wissen um geschlechtsspezifische Vorlieben kann für die geschlechtsspezifische Förderung benutzt werden.

Warum das Ganze?

Die Lesekompetenz wird von der PISA-Studie definiert als die Fähigkeit, Texte zu verstehen, zu vergleichen und die Informationen zu bewerten und anzuwenden. Bei der Studie PISA 2009 schnitten die Mädchen auf der Gesamtskala Lesekompetenz in allen Teilnehmerländern besser ab als die Jungen. Der Unterschied lag dabei im OECD-Durchschnitt bei 39 Punkten, was einem Schuljahr entspricht. Sagt uns die Bundeszentrale für politische Bildung.

Die Lesekompetenz ist der einzige der drei in der PISA-Studie untersuchten Bereiche, in dem ein Geschlecht in ALLEN untersuchten Ländern gravierend besser abschneidet als das andere. Der geschlechtsspezifische Unterschied im Bereich der Lesekompetenz ist übrigens wesentlich gravierender als der Unterschied im mathematischen Bereich, wo Jungs tendenziell besser dastehen (durchschnittlich 11 Punkte).

Die Macher der Studie gehen davon aus, dass die wesentlich schlechtere Lesekompetenz der männlichen Teilnehmer auf geschlechtsspezifische Verhaltensweisen und Lerneinstellungen zurückzuführen sind. (As shown in PISA 2009 (OECD, 2010b), these differences are associated with differences in student attitudes and behaviours that are related to gender. OECD (2014), PISA 2012 Results: What Students Know and Can Do – Student Performance in Mathematics, Reading and Science (Volume I, Revised edition, February 2014), PISA, OECD Publishing, Seite 201). Wer sich die ganze Studie mal anschauen möchte findet sie hier.

Nachfolgend möchte ich auf die Unterschiede zwischen typischen Mädchen- und Jungenbüchern und auf geschlechtsspezifisches Leseverhalten eingehen. Ich werde mich nicht mit der Frage beschäftigen, aus welchen Gründen Jungen generell weniger lesen als Mädchen. Wer sich dafür interessiert (und der englischen Sprache mächtig ist), dem sei das entsprechende Kapitel des Boys‘ Reading Commission Reports von 2012 empfohlen.

drei ??? und drei !!!

Die vorhandenen Unterschiede zwischen „Jungenbüchern“ und „Mädchenbüchern“ sagen erst mal nur aus, was erwachsene Autoren/Lektoren/etc. denken, was Jungen/Mädchen gerne lesen würden, wobei Feedback (z.B. im Form von Verkaufszahlen, Buchempfehlungen) durchaus vorhanden ist. Da Beispiele aber netter sind als trockene Statistik werde ich mir exemplarisch mal ein Jungen- und ein Mädchenbuch anschauen. (Wer sich dadurch gelangweilt fühlt, kann gleich zum Abschnitt Fazit und Vergleich mit der Literatur springen.) Dazu greife ich mir blind einen Band der ‚drei ???‘ und ‚drei !!!‘ aus dem Regal unserer Stadtbücherei.

Die drei ??? dürften den meisten ganz unabhängig von ihrem Geschlecht ein Begriff sein. Die Reihe existiert seit den Sechzigerjahren, wurde zunächst aus dem Englischen übersetzt und – nachdem die Reihe in den USA eingestellt wurde – von deutschen Autoren fortgesetzt. Die Protagonisten sind die drei Freunde Justus, Peter und Bob, die sich unter dem Namen ‚Die drei ???‘ und dem Motto ‚Wir übernehmen jeden Fall‘ zusammengetan haben. Weitere wiederkehrende Personen sind Justus‘ Tante und Onkel, denen ein Schrottplatz gehört, auf dem sich auch das Hauptquartier der Detektive befindet, Inspektor Cotta für die polizeiliche Unterstützung, außerdem Peters Freundin Kelly.

Die Serie ‚Die drei !!!‘ wird seit 2007 vom gleichen Verlag herausgegeben, gewissermaßen als ‚Antwort‘ auf die Die drei ???: „Die Detektiv-Reihe für Mädchen: clever und frech!“. Protagonistinnen sind die drei !!! Kim, Franziska und Marie (‚Wir lösen jeden Fall!‘), das prinzipielle Konzept der Reihe ist ähnlich. Analog zu den drei ???, gibt es die (Stief-) Eltern der Mädchen, einen hilfreichen Kommissar und Kims Freund Michi, der gelegentlich bei der Fallaufklärung mithelfen darf. Im Gegensatz zu den drei ??? spielen die Freunde/Exfreunde/potentiellen Freunde der Mädchen eine größere Rolle in der Handlung.

Der erste Eindruck

Die glücklichen Gewinner meiner Blindauswahl sind:

Die drei ???: Der namenlose Gegner und Die drei !!!: Total verknallt

Ein Blick auf die weiteren Bände der Reihen zeigt, dass die ausgewählten Bücher von der Aufmachung her für die drei??? repräsentativ sind. Bei den drei!!! hätte man vielleicht einen etwas ’neutraleren‘ Band erwischen können.

Schon beim Blick auf Titel, Cover und Klappentext erkennt man gravierende Unterschiede. Der Einband der drei ??? ist in schwarz gehalten, das Cover zeigt ein nächtliches Fabrikgelände, am Fenster der schattenhafte Umriss einer Gestalt. Der Einband der drei !!! ist in knalligen Pastellfarben (im aktuellen Fall brombeer-pink) gefärbt, das Bild zeigt Marie die von zwei Jungen auf die Wange geküsst wird. Das grüne Herz ist ein Wackelbild sodass man von ‚Anschauen‚ und ‚Kuss auf die Wange‘ hin und herwackeln kann. Das Cover der Taschenbuchausgabe ist da etwas dezenter.

Insgesamt ist der erste Eindruck bei den drei ??? eher eine Einstimmung auf Spannung, Bedrohung und Abenteuer, während die drei !!! die Leserin auf Liebe, Freundschaft und Beziehungschaos vorbereiten.

Die Handlung

Dieser Eindruck wird beim Lesen bestätigt. Der Hauptunterschied zwischen beiden Serien ist, dass bei den drei ??? der Fall im Vordergrund steht, während ihm bei den drei !!! wesentlich weniger Bedeutung zukommt. Das betrifft sowohl den Anteil, den er an der Gesamthandlung hat, als auch die Komplexität des Falles und die Ermittlungsleistung, die von den Protagonisten zur Lösung erbracht wurde. Im Fall der drei ??? stehen die (Sach)Schäden im Vordergrund, Ziel ist es den Täter zu finden und zu stoppen. Insgesamt beschäftigen sich etwa 69 von 127 Seiten mit dem Kriminalfall. Der Rest sind actionreiche Handlungsstränge, die indirekt mit dem Fall zusammenhängen, die Beziehung der drei ??? zu ihrem Erzfeind Skinny Norris und Bobs Streit mit seinen Eltern.

Bei den drei !!! ist der Fall… vorhanden. Insgesamt beschäftigen sich etwa 23 von 139 Seiten mit dem Kriminalfall. Der Rest beschäftigt sich mit Maries Beziehungsproblemen mit Holger und ihren aufkeimenden Gefühle für Adrien, weiteren romantischen Verwirrungen und dem alltäglichen Leben der Mädchen. Zur Verteidigung der drei !!!: Es gibt auch Bände, in denen die drei !!! richtige Fälle lösen und sich entsprechend mehr mit dem Fall auseinandersetzten.

Schaut man sich die Nicht-Fall-Handlung an, fällt auf, dass in den drei ??? die beiden größten nicht-Fall-Handlungsstränge in den Themenbereich ‚Spannung‘ fallen. Die beiden anderen Handlungsstränge, die sich mit der Beziehung der Personen untereinander beschäftigen, sind nicht romantischer Natur. Bei den drei !!! fallen alle nicht-Krimi-Handlungsstränge bis auf einen in die Kategorie ‚Liebe/Beziehungen‘.

Obwohl beide Reihen zum gleichen Genre gehören, werden inhaltliche Schwerpunkte unterschiedlich gesetzt. In den drei ??? wird mehr Wert auf Action und Spannung gelegt, in den drei !!! auf Romantik und Privatleben der Protagonistinnen.

Darstellung von Gefühlen

Um mir die Beschreibungen von Gefühlen an sich etwas genauer anzuschauen, habe ich eine ähnliche Situation aus beiden Büchern ausgewählt und zwar: Er hat sie versetzt.

Erlhoff, Kari: Die drei ???. Der namenlose Gegner. 1 Auflage. Stuttgard: Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co.KG, 2009, Seite 39f

„Die Wunde muss gereinigt werden. Außerdem verdienst du es nicht besser!“-„Ich hab doch gar nichts getan!“, verteidigte sich Peter. „Ach nein? Du versetzt mich am Dienstag um mit Jeffrey surfen zu gehen. Dann hast du heute keine Zeit für den Filmabend. Und schließlich kommst du hier mitten in der Nacht klitschnass und noch dazu mit Justus an und klingelst mich aus dem Bett!“- „Ich bin schwer verletzt!“, klagte der Zweite Detektiv. „Dein Haus war meine letzte Rettung!“ – „Typisch Mann! Wenn ihr mal einen Kratzer habt, denkt ihr gleich, ihr müsstet sterben!“ Kelly schnitt ein Pflaster zurecht. „Du hast Glück, dass meine Eltern solche Aktionen mittlerweile gewohnt sind!“

Vogel, Maja: Die drei !!!. Total verknallt!. 1 Auflage. Stuttgard: Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co.KG, 2009, Seite 18

[Telefonat]“Also… die Sache ist die…“ Holger zögerte kurz, dann gab er sich einen Ruck „Ich kann leider nicht kommen.“ – „Was?“ Marie setzte sich kerzengrade hin. „Und warum nicht, wenn ich fragen darf?“ – „Ich muss lernen. Wir schreiben am Montag eine wichtige Matheklausur, und ich hänge total hinterher.“ – „Hättest du nicht früher anfangen können zu lernen?“ fragte Marie schnippisch. „Die Klausur ist doch bestimmt nicht erst gestern angesetzt worden.“ – „Ich hab den Stoff total unterschätzt.“ Holger klang zerknirscht. Oder tat er nur so? „Tut mir echt leid, dass ich unser Date abblasen muss. Bist du sauer?“ Marie atmete tief durch. Sie wollte nicht, dass ihre Stimme zitterte. „Quatsch. Ist nicht so schlimm, dann mache ich mir ebene alleine einen schönen Sonntag.“ Holger seufzte. „Du bist doch sauer, stimmt’s?“

Beide Zitate bestehen größtenteils aus Dialog. Der Anteil an Redebegleitsätzen und beschreibenden Sätzen ist bei den drei !!! erstens höher und macht zweitens stärker deutlich, was die beteiligten Charaktere fühlen. Bei den Drei ??? gibt es nur drei Nicht-Dialog-Sätze von denen einer rein gar nichts über die Gefühle des Charakters preisgibt. Auch innerhalb des Dialogs werden Gefühle nicht (oder nur die vielen Ausrufezeichen) thematisiert. Bei den drei !!! werden die Gefühle von Marie und Holger sowohl durch direkte (schnippisch, zerknirscht), als auch indirekte Beschreibungen (Marie setzte sich kerzengrade hin) erkennbar und werden auch im Gespräch thematisiert.

Diese Beobachtung ist für beide Bücher repräsentativ. In den drei ??? wird nur selten auf die Gefühle der handelnden Personen eingegangen und sie werden dann eher indirekt beschrieben. Natürlich hängt die Beobachtung von den allgemeinenen Schreibstilen der beiden Autorinnen ab, allerdings möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass die Bücher vom gleichen Verlag und für eine geschlechtsspezifische Zielgruppe herausgegeben werden.

Die intensivsten Gefühlsbeschreibungen in den drei ??? (Angst, Verwirrung, Wut), kommen während eines Kampfes in den Justus und Peter mit Bob geraten, der sein Gedächtnis verloren hat und die beiden deshalb für gefährlich hält. Damit ist es aber vorbei, sobald sich die Situation aufgelöst hat. („Wenn wir Mädels wären, würden wir jetzt wahrscheinlich rumheulen und uns in die Arme fallen.“ – „Ja zum Glück sind wir echte Kerle, was?“ – „Jep.“ Erlhoff, Kari: Die drei ???. Der namenlose Gegner. S.107). Romantische Gefühle (und Handlungen) werden gar nicht thematisiert.

In den drei !!! wird fast durchgehend auf die Stimmung der Charaktere eingegangen, viel (mit den Freundinnen) über die eigenen Gefühle gesprochen und häufiger innegehalten, um über die eigenen Gefühle zu sinnieren. Die Palette der Gefühle ist relativ breit, die intensivsten Gefühlsbeschreibungen kommen im Kontext einer romantischen Beziehung sowohl in der Schmetterlinge-im-Bauch-Variante, als auch in epischem Hadern, wenn es gerade nicht läuft.

In den drei ??? werden Gefühle nur in ausgewählten Situationen beschrieben, während der Leser der drei !!! permanent über die Gefühle der handelnden Charaktere informiert wird. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf den mit einer romantischen Beziehung assoziierten Gefühlen. Diese werden in den drei ??? gar nicht thematisiert. (Allerdings sind wir hier in der Altersgruppe der 10-13 Jährigen in Büchern für ältere Jungen könnte das durchaus anders aussehen.)

Stereotypen

Weil ich es schwer finde, geschlechtsspezifische stereotype Verhaltensweisen zu definieren, gehe ich auf Klischees nur soweit ein, wie sie mir aufgefallen sind, ohne darauf zu achten, ob es sich um ‚berechtigte‘ Klischees handelt oder Vorurteile. In beiden Büchern beziehen sich die Klischees stärker auf das Geschlecht der angesprochenen Zielgruppe und klischeehafte Äußerungen gegen das andere Geschlecht werden innerhalb der Handlung relativiert.

Das nicht-Zeigen von (vorhandenen) Gefühlen oder Schwäche nach extremen Situationen wird in den drei ??? positiv dargestellt. Außerdem wird sich in den Randbemerkungen diverser Personen immer wieder latent vom weiblichen Geschlecht distanziert. Als sich herausstellt, dass der Unbekannte, den Peter an der Flucht hindern will, eine sie ist, versucht er zunächst etwas sanfter zu sein (ein großer Fehler wie sich herausstellt). Bei den vorkommenden weiblichen Charakteren, findet sich alles, von der braven Hausfrau, die ihrem Mann nach dem Mund redet, bis zur kratzbürstigen Einbrecherin. Der Umgangston der Jungen ist etwas schroffer (oder weniger ‚extrem rücksichtsvoll‘) und direkter, als der der drei !!!, was den Rückhalt der Freunde bei Problemen betrifft, ist das Verhalten gleich.

In den drei !!! verhalten sich die Mädchen häufiger impulsiv und irrational und Emotionen legen mehrfach das logische Denken völlig lahm. Offensichtliche Widersprüche im eigenen Denken/Verhalten (wie ‚Ich werfe ihm vor unverschämterweise zweigleisig zu fahren, während ich selbst ohne sonderliche Bedenken zweigleisig fahre‘) werden nicht als solche thematisiert. Perfektes Aussehen spielt nur bei Marie eine gravierende Rolle, was aber in ihrer Figur so angelegt ist. Männliche Charaktere haben größeren Anteil an der Handlung, die ‚Love interests‘ fallen entweder in die Kategorie ‚romantisch und verständnisvoll‘ oder ‚auf den ersten Blick hassenswert, auf den zweiten süß und witzig‘. Wobei ‚romantisch und verständnisvoll‘ interessanterweise kein Widerspruch zu unsensibel ist, wie man an dem armen Holger sieht.

Im Hinblick auf die Zeile Wenn wir Mädels wären, würden wir jetzt wahrscheinlich rumheulen und uns in die Arme fallen., möchte ich auf diesen Aspekt etwas genauer eingehen, denn in den drei ??? wird wesentlich weniger und wenn, dann aus triftigeren Gründen geweint, als in den drei !!!. In den drei ??? weinen zwei (weibliche) Personen, die eine nachdem der Sheriff sie tätlich angreift und droht sie mit dem Schlagstock zu verprügeln, die andere weil ihr Vater und ihr Exfreund sich (vermeintlich) vor ihren Augen gegenseitig töten.

In den drei !!! habe ich leider den Fehler gemacht, nicht mitzuzählen, wie oft weibliche Personen in Tränen ausbrechen, ich denke acht bis zehn wäre ein guter Schätzwert, je nachdem, ob Mitweinen extra zählt. Alle Mädchen heulen mehrfach oder haben zumindest Tränen in den Augen stehen. Der häufigste Grund sind Beziehungsprobleme, aber auch die Angst, die Eltern würden sich scheiden lassen. Auch die Freundin der Mutter weint aufgrund ihrer bevorstehenden Scheidung. Die Protagonistinnen in der Mädchenreihe erfüllen also viel eher das Klischee des ‚Herumheulens‘ als die weiblichen Figuren bei den drei ???. Im Hinblick auf Diskussionen, ob das Verbreiten von Sterotypen schädlich ist und unterbunden werden sollte, finde ich diese Diskrepanz interessant.

Fazit und Vergleich mit der Literatur

Ein Vergleich, von zwei wahllos aus dem Regal gezogenen Büchern ist keine Wissenschaft und kann (zusammen mit anderen Erfahrungen) höchsten einen Hinweis auf die grobe Richtung geben. Außerdem sagt der Inhalt von typischen Mädchen/Jungenbüchern nur etwas über die zielgruppenspezifische Literatur aus, nicht zwangsläufig über das gesamte Leseverhalten. Trotzdem passt das Ergebnis der Frei-Hand-Analyse ganz gut ins Bild empirischer Daten, was auch der Grund ist, weshalb ich euch damit gelangweilt habe.

Für den Überblick über die Unterschiede im geschlechtsspezifischen Leseverhalten, beziehe ich mich auf einige Hausarbeiten*. (Diese beziehen sich wiederum auf Quellen, die leider größtenteils nicht einsehbar sind. Da die Noten alle ganz gut waren, gehe ich mal davon aus, dass das so seine Richtigkeit hat.) Einigkeit besteht in folgenden Punkten:

– Geschlechtsspezifische Unterschiede im Leseverhalten treten erst im Grundschulalter auf und werden mit zunehmendem Alter größer. Im Vorschulalter bzw. bei Leseanfängern sind sie noch nicht vorhanden.

– Jungen interessieren sich mehr für Sachbücher als Mädchen, wobei auch da andere Themen präferiert werden.

– Bei Romanen präferieren Jungen spannende und actionreiche Geschichten und damit Genre wie Abenteuer, Krimis, Fantasy/Science-Fiction oder Horror. Romantische Handlungsschwerpunkte werden von Jungen häufiger und bis in die Altersgruppe ab 14 hinein abgelehnt. Mädchen haben generell breiter gefächerte Interessen und mögen besonders Romanzen, Alltagsgeschichten und ‚realitätsbezogene Problemgeschichten‘. Beide Geschlechter mögen lustige Bücher.

Den bevorzugten Genres entsprechend lesen Mädchen/Frauen empathisch und emotional involviert, während Männer eher sachbezogen und distanziert lesen oder in fremde, fantastische und exotische Welten abtauchen wollen. (Garbe 2003) Nachzitiert aus  „Das Leseverhalten von Jungen und Mädchen – Forschungsergebnisse, Erklärungsansätze und Konsequenzen des geschlechtsspezifischen Leseverhaltens, Hausarbeit, 2010

– Zu geschlechtsrollentypischem Verhalten gibt es leicht variierende Aussagen. Insgesamt scheinen Jungen einen größeren Wert auf geschlechtsrollentypisches Verhalten zu legen als Mädchen, wobei auch bei Mädchen Bücher mit geschlechtsrollentypischem Verhalten vom ökonomischen Standpunkt her rentabler seien. Allerdings bezogen sich alle Aussagen die ich gefunden habe, auf die Darstellung des Geschlechts der angesprochenen Zielgruppe und zumindest bei der Aussage zu den Mädchen war offen, ob es bei den ‚Geschlechtsrollen‘ um Verhaltensweisen oder die Rolle innerhalb der Gesellschaft geht.

Aus meinen persönlichen Leseerfahrungen würde ich sagen, dass ein Mädchenbuch mit stereotyp dargestellten Protagonistinnen viel häufiger auf eine ebenso stereotype Darstellung der Protagonisten angewiesen ist (Romanzen funktionieren so schlecht allein), während in Jungenbüchern alternativ auch keine oder vom Verhalten her ‚männliche‘ Protagonistinnen vorkommen können. Falls jemand zu diesem Thema Informationen hat, immer her damit.

Beim beispielhaften Vergleich der drei ??? und drei !!! ließen sich ebenfalls die drei Aspekte unterschiedliche Themenschwerpunkte, emphatisch-emotionale versus sachlich-distanzierte Betrachtungsweise und Verwendung von geschlechtsspezifischen Klischees finden.

*Als exemplarische Quellen möchte ich angeben:

Schwache Helden für starke Jungs – Mangelnde Identifikationsangebote der Kinder- und Jugendliteratur als Ursache der männlichen Leseabstinenz?; Examensarbeit, 2007

Das Mädchen- und Frauenbild in der Mädchenliteratur der letzten 150 Jahre; Examensarbeit, 2005

Das Leseverhalten von Jungen und Mädchen – Forschungsergebnisse, Erklärungsansätze und Konsequenzen des geschlechtsspezifischen Leseverhaltens, Hausarbeit, 2010

Lesekompetenz und Geschlecht, Hausarbeit, 2003

Lange Rede, kurzer Sinn: Was hat das ganze jetzt gebracht?

Zunächst ist das Ganze ein interessanter Diskussionsinput zur Frage welche geschlechtsspezifischen Lesepräferenzen es gibt und wie sich diese Vorlieben auswirken. Ganz unabhängig davon, was man von Genderstereotypen hält oder ob man der Meinung ist, dass sie aufgrund unserer Erziehung oder einer intrinsischen Veranlagung existieren, hilft uns vielleicht die Tatsache, dass sie beide Geschlechter gleichermaßen betreffen die Dinge etwas entspannter zu sehen. (Und sich, wenn man als Frau ein Problem mit Stereotypen hat, erst mal an den Tonnen von rosa Glitzerliteratur abzuarbeiten, bevor es an männliche „Heldenbilder“ geht.)

Abgesehen davon hat das Untersuchen von Lesepräferenzen auch einen praktischen Nutzen, nämlich eine effizientere Leseförderung von Jungen.

Wie bereits oben erwähnt ist die Lesekompetenz bei Jungen durchschnittlich schlechter als bei Mädchen, was höchstwahrscheinlich damit zusammenhängt, dass Jungen durchschnittlich wesentlich weniger lesen. Ganz unabhängig von der Frage, ob das daran liegt, dass Jungen sich generell weniger für Bücher interessieren, oder es an einem Mangel an Lesestoff liegt, ist es aus bildungstechnischer Sicht sinnvoll, das vorhandene Interesse am Lesen soweit möglich anzufachen und denjenigen, die Lesestoff suchen, den Zugang zu erleichtern.

Die Wichtigkeit der gezielten Jungenleseförderung ist Bibliotheksverbänden und anderen (staatlichen und privaten) Organisationen, die sich mit Lesen oder Bildung beschäftigen, bewusst. Es werden Informationsmaterialien herausgegeben (z.b. dieser Flyer für Lehrer) und Projekte zur Leseförderung (z.B. zur Etablierung männlicher Vorleser als Rollenvorbilder) umgesetzt. In diesem Bereich bleibt aber noch deutlich Luft nach oben, sodass sich auch in kleinen Dingen ohne viel Aufwand und ohne gravierende Nachteile für irgendwen deutliche Verbesserungen bewirken lassen. Zum Beispiel indem man versucht, andere für die Problematik zu sensibilisieren, was einer der Gründe für mich war, diesen Blogartikel zu schreiben.

Eine andere einfache Möglichkeit ist der Austausch von Leseempfehlungen.

In unserer Bücherei gibt es beispielsweise seit kurzem neben der Genre-Kennzeichnung den Interessenkreis „für Jungen“, sodass Interessierte die Leseempfehlung direkt sehen und gezielt danach suchen können. Die Empfehlung wird neben Rezensionen, Genre-Einordung etc. von der Einkaufszentrale für öffentliche Bibliotheken herausgegeben und ist leider für Privatleute nicht einsehbar. Wahrscheinlich werden aber viele größere Bibliotheken Mitglied bei der Einkaufszentrale oder bei anderen vergleichbaren Organisationen. Und sicher sind unter denjenigen, die diesen Blogbeitrag lesen, einige dabei, für die die örtliche Bücherei oder Buchhandlung ein zweites Zuhause ist. Und vielleicht fühlt sich ja der/die eine oder andere motiviert, mal nach einer entsprechenden Kennzeichnung Ausschau zu halten und – falls es sie nicht gibt, anzuregen, dass sie eingeführt wird. Das schadet niemandem (außer vielleicht der Person, die die ganzen Aufkleber anbringen muss ^^) und ist zielgruppenspezifische Werbung, die vielleicht zu mehr Lesern führt. Was Buchhandlungen betrifft bin ich überfragt, ob und welche Informationen sie zu ihren Büchern bekommen, aber auch sie würden sicher von einer „Jungenecke“ oder spezifischen Empfehlungen profitieren. Fragen kostet nichts und vielleicht trifft die Idee ja auf offene Ohren.

Ganz umsonst und für alle zugänglich ist die Jungenleseliste von MANNdat e.V. Zum einen ist sie ein guter Tipp für Leute, die selbst Leseempfehlungen suchen, zum anderen besteht die Möglichkeit (unabhängig vom eigenen Geschlecht) Buchtipps beisteuern. Das geht ganz einfach über eine Mail an info@jungenleseliste.de oder über das Kontaktformular der Webseite. Für eine Empfehlung sind Autor, Titel und ein paar Stichpunkte zur Begründung der Auswahl ausreichend, obwohl sich der Verein über ausführlichere Rezensionen freut. Gerade in der Altersgruppe ab 13 Jahren ist die Bücherliste relativ kurz, sodass sich Empfehlungen auf jeden Fall lohnen.

Alles was für Bücher gilt, gilt natürlich auch für Fanfiktion. Wir sind uns sicher alle einig, dass ‚Fanfiktion‘ ein tolles Hobby ist und den meisten, die länger dabei sind, dürfte aufgefallen sein dass wir einen Frauenanteil von gefühlten 90% (mindestens) haben. Im Gegensatz zur wirklichen Welt mit ihren Gerechtigkeitsdiskussionen und Verteilungsquerelen haben wir also hier einen Bereich in dem das weibliche Geschlecht in der Übermacht ist und die ungeschriebenen Regeln diktiert. Das bedeutet im Umkehrschluss natürlich auch, dass die meisten Fanfiktion nicht gerade auf Jungen zugeschnitten sind. Ehrlich gesagt, fällt mir spontan keine ein.

Ich bin jetzt mal so dreist und behaupte einfach, es gibt keine guten Fanfiktions für Jungs, in der Hoffnung heftigen Widerspruch zu bekommen, am besten direkt mit entsprechenden Gegenbeispielen. Wenn genug zusammenkommen damit sich ein (oder mehrere) Empfehlungsthreads für Jungen im Forum lohnen, wäre das doch schön.

Falls irgendjemand mit der Benennung ein Problem hat, von wegen Zementierung von Stereotypen oder so, findet sich sicher auch ein anderer Name. So wie die Geschlechterverteilung ist, ist der Anteil an Mädchen/Frauen, der von der spezifischen Kennzeichnung profitiert, vielleicht sogar höher als der Anteil, der männlichen Leser. Falls noch jemand Ideen hat, wie man ohne großen Aufwand, das Interesse von Jungen/Männern am Hobby Fanfiktion wecken kann, immer her damit. Wenn man davon ausgeht, dass die Zielgruppe generell relativ klein sein dürfte, wird eine Empfehlung den Autoren der entsprechenden Geschichten nur nutzen.

Jul 282015
 

Schaut euch mal das verlinkte Studienangebot der Ernst-Abbe-Hochschule Jena an: Studienbeginn ohne Männer!

Hier wird ein Studiengang für zukünftige Ingenieurinnen im Bereich der Elektrotechnik und Informationstechnik geschaffen, wo sie die ersten 2 Semester ohne männliche Kommilitonen studieren dürfen. In dieser Zeit werden „vor allem die technischen und mathematischen Grundlagenfächer“ unterrichtet.

Ganz ehrlich, bei sowas frage ich mich immer, was diese Leute für ein Frauenbild im Schädel haben. Die glauben doch ganz offensichtlich, dass Studentinnen entweder zu blöd sind, um von Anfang an zusammen mit männlichen Mitstudenten zu lernen oder aber zuviel Angst vor diesen haben und daher erst langsam auf sie vorbereitet werden müssen.

Nun gibt es tatsächlich nicht allzuviele weibliche Studenten in Ingenieurswissenschaften und Informatik. Der Anteil liegt zur Zeit bei etwas über 20%. Das hat aber nichts damit zu tun, das Frauen doof wären oder Angst vor männlichen Ingenieuren und Informatikern hätten, sondern es ergibt sich schlicht aus einer etwas anderen Interessenslage.

Jul 262015
 

Im heutigen Blogpost geht es um die Medien. Und wie Themen in den Medien dargestellt werden.

Feindbild Frau

Fall 1 behandelt eine Sendung eines jungen SWR2-Reporters namens Sebastian Witte, der den Auftrag erhielt, über die Männerrechtsbewegung zu berichten.

In der Recherchephase suchte Herr Witte daher nach dem repräsentivsten aller Männerrechtler und fand ihn in dem von mir bereits einmal vorgestellten Detlef Bräuning aka Leutnant Dino.

Ich möchte mich eigentlich nicht allzulange mit Leutnant Dino aufhalten. Er gilt als Deutschlands bekanntester Unterhaltspreller. Ich habe keine Möglichkeit, zu beurteilen, ob seine Version der Geschichte mit seinen Exfrauen stimmt, würde aber vermuten, dass die Wahrheit ein wenig komplexer ist, als er sie darstellt.

Leutnant Dino wurde bereits in der Vergangenheit gerne als eindeutiger Beleg für die moralische Verkommenheit der Männerrechtler in den Medien herangezogen. Soweit nichts neues. Herr Witte vereinbarte also ein Telefoninterview mit ihm und los gings. Das Telefoninterview wurde von Leutnant Dino aufgezeichnet und veröffentlicht und ist insoweit interessant, weil der Kontrast zum späteren Beitrag von Herrn Witte doch massiv ist. Ich empfehle hier einfach mal, sich das verlinkte Interview anzuhören, bevor man weiterliest. Ab 2:20 geht es los.

Den fertigen Beitrag von Herrn Witte findet ihr hier. Er trägt den Titel Feindbild Frau und den Untertitel Der Geschlechterkampf der Antifeministen im Netz

Es beginnt damit, dass Männerrechtler als Verschwörungstheoretiker dargestellt werden, die daran glauben würden, dass Frauen ihre Feinde seien. (Wer wirklich wissen will, woran Männerrechtler glauben, sollte kurz hier vorbeischauen. Wer die Begriffslage gerne etwas ausführlicher erklärt hätte, dem sei dieser Blogartikel empfohlen.) Und in die Welt dieser durchgeknallten und zweifellos auch gefährlichen Subjekte ist der aufrechte SWR2-Reporter vorgedrungen. Schön.

Als nächstes geht es um einen Aufruf von ein paar Verrückten, den neuen Mad Max-Film zu boykottieren. Ich habe mir das jetzt nicht näher angeschaut, aber verrückte Forderungen gibt es allenthalben. Wusstet ihr beispielsweise, dass der Film „Minions“ von Feministinnen als sexistisch entlarvt wurde, weil es keine weiblichen Minions gibt? Zum Glück konnte der Erfinder dies zur allgemeinen Zufriedenheit erklären: „Als ich merkte, wie dumm sie oft sind, konnte ich mir einfach nicht vorstellen, dass Minions Mädchen sein sollen.“ Danach war die Welt natürlich wieder in Ordnung. Männer als doof darzustellen, ist nämlich nicht sexistisch. Und falls doch, so stört sich zumindest keins (Ja, ich kann gendern, wenn ich will.) dran.

Als nächstes kommt dann der Auftritt von Dino Bräuning. Wie gesagt, achtet hier auf den Kontrast zum Interview und vor allen Dingen auch auf den Kontext in dem die von Witte hineingeschnittenen Aussagen dort kamen.

Es wird kurz auf die Webseite Wikimannia eingegangen, die behauptet, dass Frauenunterdrückung und der Pay Gap von Frauen erfunden wurden. Da es in Wittes Beitrag nicht um seriöse Berichterstattung geht, ist das durchaus eine valide Strategie. Allerdings ist die Wikimannia bei geschlechterspezifischen Themen nun auch nicht schlechter als die Wikipedia [2], nur halt anders verkorkst. Zum Pay Gap schreibe ich irgendwann einen komplett eigenen Artikel – mit Fakten. Fakten sind nebenbei das, was auch Witte bisher nicht geliefert hat, dafür jedoch jede Menge Meinung. Und was nun Frauenunterdrückung angeht, so sollte im Endeffekt jede Frau selbst beurteilen, ob Frauen hierzulande vom System unterdrückt werden oder nicht.

Als nächstes kommt wieder eine Standardstrategie. Den Männerrechtlern werden jetzt nämlich Rechtsextreme an die Seite gestellt, um so klar zu benennen, mit was für Gesocks man es hier zu tun hat. Falls es jemand noch nicht gemerkt haben sollte. Das hätte man natürlich noch toppen können, indem man Bezüge zu rechtsextremen, pädophilen Tierquälern herbeifabuliert, aber so talentiert bzw. ausgebufft ist Witte dann doch nicht.

Es wird noch gezeigt, dass diese frauenhassenden Freaks sich vor allen Dingen online vernetzen. Dort bedrohen sie Frauen und Männer (wie Witte), die nicht ihrer Meinung sind. Dies wird ganz klar belegt, durch die zwei Textschnipsel „Ich werde ihm persönlich die Kehle aufschlitzen„, was irgendjemand über irgendeinen Forscher gesagt haben soll, und natürlich durch „Von eierstocktragenden Fickpuppen lass ich mir nicht die Welt erklären!“ Quod erat demonstrandum. Alles frauenhassende Monster, diese Männerrechtler.

Soll ich ein paar Tweets von Radfems verlinken, die das problemlos in den Schatten stellen? Aber ich bin nicht Witte. Ich glaube an die Rationalität, nicht an demagogische Schwafelei. Ich weiß, dass Männer und Frauen gleich schlecht und gleich gut sind. Ja, es gibt ein paar Unterschiede, aber unsere Befähigung zu Liebe und Hass, zu Großherzigkeit und Egoismus, zu Selbstlosigkeit und Gewalt ist völlig identisch. (Was ich nebenbei in zukünftigen Blogposts noch belegen werde. Ich nehme es hier nur für jene vorweg, die vielleicht wirklich glauben, dass Frauen oder Männer die besseren Menschen oder meinetwegen die größeren Opfer seien.)

Zum Abschluss zitiert Witte dann Ilse Lenz. Die kennt sich natürlich aus, weil sie Soziologin ist und den Antifeminismus erforscht:

Diese affektive Abwehr dient der Vergemeinschaftung und der Gemeinschaftsbildung und durchaus auch des Einübens von Hass und Abkehr vom rationalen Dialog.

Dann erklärt die Dame noch, dass es zum Glück nur wenige hasserfüllte Verrückte seien, die jedoch über eine gute Vernetzung verfügen.

Aber schaun wir doch mal genauer, wen sich Witte da als Autorität geangelt hat. Ich habe mir dazu ein paar ihrer in der Wikipedia verlinkten Publikationen direkt angeschaut. Das Folgende schrieb sie zum Thema Kachelmann:

Als Reaktion auf das Urteil erklangen umgehend Stimmen, welche die Anklage kritisierten und für ein Verstummen der Opfer argumentierten. […] Die negative Spielart enthielt antifeministische Forderungen, denen zufolge allein die Aussage der Frau für eine Verfahrenseröffnung noch nicht ausreichen dürfe.

Man muss sich das kurz auf der Zunge zergehen lassen. Es ist also negativ und antifeministisch, wenn eine einzelne Aussage nicht zur Klageerhebung führt. Vielen Lesern wird klar sein, warum es überhaupt keine gute Idee sein kann, ein Verfahren nur basierend auf der Aussage des Klägers zu eröffnen. Für jene, die dies nicht auf Anhieb durchschauen, baue ich mal eine Allegorie.

Man stelle sich vor, da wäre eine Mutter mit einem kleinen Kind. Nun kommt irgendjemand und beschuldigt sie, ihr Kind geschlagen oder missbraucht zu haben. Die Mutter bestreitet dies. Das Kind bestreitet es. Zeugen gibt es nicht. Verletzungen beim Kind können nicht festgestellt werden. Aber das Verfahren wird trotzdem eröffnet, die Mutter wird als pädophiles Monster diffamiert, die Nachbarschaft redet darüber, die Presse berichtet. Bis zur Beendigung des Verfahrens wird der Mutter der Kontakt zum Kind entzogen. Fair? Gerecht? Alles super, solange die Mutter irgendwann aus Mangel an Beweisen freigesprochen wird? (Wer diese 3 Fragen für sich mit Ja beantwortet hat, möge sich für immer aus meinem Blog trollen. Wir werden niemals zusammenfinden.)

Und ich werde auch nie mit Frau Lenz zusammenkommen. Damit Anklage erhoben wird, sollte es immer und in jeden Fall mehr Substanz geben als die Aussage einer einzigen Person, insbesondere wenn man davon ausgehen muss, dass schon das Bekanntwerden des Verdachts ausreichend ist, um das Privatleben und die wirtschaftliche Existenz des Beklagten nachhaltig zu schädigen oder gar zu zerstören.

Frau Lenz weiter: Das aber bedeutet in der Konsequenz, dass bereits vor der Überprüfung im Prozess das Wort der Frau weniger wert wäre als das des Mannes.

Nein, Frau Lenz, das bedeutet in letzter Konsequenz nur, dass ein Mensch und seine Aussage soviel wert ist wie jeder andere Mensch und seine Aussage. Frau Lenz sagt hier im Endeffekt, dass, wenn Aussage gegen Aussage steht, man der Frau glauben solle und dem Mann nicht. Warum? Ganz offensichtlich nur deshalb, weil sie eine Frau ist und deshalb wertvoller, edler und vertrauenswürdiger sein muss.

Und nun frage ich meine Leser, klingt diese große Feministin wie jemand, der an Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit der Geschlechter glaubt? Oder klingt sie eher wie jemand, der in Frauen Opfer und Heilige und in Männern Täter und Monster sieht?

Klingt diese Frau wie jemand, der in der Lage wäre, ein faires Urteil über Männer abzugeben, die es wagen, den Feminismus zu kritisieren? 😉

(Apropos Feminismus-Kritik: Es gibt wichtige Gründe, warum Männerrechtler daran keineswegs vorbeikommen und anti-feministische Positionen beziehen müssen.)

(Nachtrag: Arne Hoffmann hat noch einige weitere Infos zum Beitrag von Herrn Witte.)


Eins noch: Ich werde irgendwann auch einen Blogbeitrag über sexuelle Gewalt und damit verbunden über die Häufigkeit falscher Beschuldigungen bei Vergewaltigung schreiben müssen. Es ist der Blogbeitrag, vor dem ich am meisten Angst habe. Aber schreiben werde ich ihn trotzdem. Bis dahin habe ich für alle eine kleine Denkaufgabe:

Wenn Männer und Frauen tatsächlich gleich schlecht und gleich gut sind und wenn es eine Möglichkeit gäbe, für Angehörige des einen Geschlechts durch eine Klage das Leben eines verhassten Angehörigen des anderen Geschlechts zu zerstören, nahezu ohne eigene Nachteile befürchten zu müssen, möchte man dann wirklich glauben, dass dieses Mittel so gut wie nie genutzt wird? Bitte denkt einfach mal drüber nach.


Hatten Kinder früher nicht mal 2 Geschlechter?

Im Fall 2 werfen wir wieder mal einen Blick in den Spiegel. Es geht um den Beitrag: Unicef-Report zu Gewalt gegen Kinder: Jedes vierte Mädchen wird zum Opfer.

Wenn man den Artikel liest, stellt man etwas fest, was in den deutschen Medien quasi ein Standard ist: Opfer sind entweder geschlechtsunbestimmt (hier: Kinder und Jugendliche) oder explizit weiblich. Achtet ruhig mal drauf, wenn ihr auf andere Berichte stoßt. Die Opfer von Boko Haram beispielsweise waren hierzulande nur Opfer und Getötete und keineswegs nahezu ausschließlich männlich –  bis die 300 Mädchen entführt wurden. Die von französischen Blauhelmsoldaten in Zentralafrika vergewaltigten Kinder waren in Deutschland eben nur Kinder und keine kleinen Jungs. Spiegel Tagesschau N24 (Ausnahme: Die Welt.) Die Todesopfer des IS, über die primär berichtet wurde, waren eher die insgesamt 160 Frauen und Kinder und weniger die knapp über 3000 männlichen Zivilisten. Das geht soweit, dass uns im Spiegel erklärt wird, dass der IS einen Krieg explizit gegen Frauen führt, weil er damit die Familie zerstören will. Das Zynische an dieser Behauptung besteht darin, dass die Väter und Söhne dieser bedrohten Familien da schon lange tot sind, übrig sind die in die Sklaverei verkauften Frauen und Töchter.

Aber ich schweife ab. Wie gesagt, achtet einfach mal ein bischen selbst darauf, wann in unseren Medien das Geschlecht explizit erwähnt wird und wann nicht.

Im oben verlinkten Spiegel-Artikel gibt es auf jeden Fall nur Mädchen. Das Wort „Junge“ fällt kein einziges Mal.

Ganz so einseitig ist die Unicef-Studie, die im Artikel behandelt wird, allerdings nicht. Aber auch dort findet man eine klar feministische Lesart, die sich beispielsweise darin äußert, dass die Probleme von Frauen und Mädchen klar höher gewichtet werden, man zudem häufiger auf die hier eher unnütze Unterscheidung zwischen Gender und sexueller Orientierung stößt und zudem nahezu ausschließlich Frauen abgebildet wurden.

Wolle Pelz, den ich aufgrund seiner tendenziell negativen Einstellung gegenüber Frauen eigentlich nur ungern verlinke, hat sich die Mühe gemacht, die Studie etwas genauer aufzudröseln. Aber wenn man von seiner Partnerin durch den Bewurf mit Colaflaschen schwer verletzt wurde, die Polizei zur Hilfe rief, von dieser dann trotz fehlender Verletzungen bei der Partnerin weggeschafft und vor einem Obdachlosenasyl abgesetzt wurde, dann mag sich die Perspektive schon etwas verschieben. Wolle Pelz kümmert sich mittlerweile alleinerziehend um den gemeinsamen Sohn.

Ich möchte hier nur noch auf zwei Dinge eingehen, die in der Studie kurz erwähnt werden. Es gibt kaum Untersuchungen zu (physischer und sexueller) Gewalt gegen Jungen oder männliche Jugendliche. Auf Seite 52 stellt man allerdings klar, dass „in jedem von den 5 Ländern mit niedrigem bis mittleren Einkommen zu denen vergleichbare Daten vorlagen zumindest einer von vier Jungen im Alter von 15 bis 19 Opfer physischer Gewalt wurde.“ Das ist verblüffenderweise exakt dieselbe Quote, die der Spiegel  bei weiblichen Opfern für ganz besonders erwähnenswert hielt.

Bei sexueller Gewalt verschwinden die Jungen dann fast völlig vom Radar. Auf Seite 72 wird noch erwähnt, dass  18% der kenianischen und 14% der tansanischen Jungen unter 18 Jahren Opfer sexueller Gewalt wurden. Auf Seite 67 findet man die dazugehörigen Werte für die Mädchen. 11% und 13% sind es hier bei den 15 bis 19 Jährigen. Es kann natürlich sein, dass Jungen als Opfer sexueller Gewalt nur in diesen beiden Ländern eine substantielle Anzahl ausmachen und ansonsten das alte feministische Paradigma greift, wonach sie eigentlich nicht existieren. Ob das plausibel ist, muss sich jeder selbst überlegen. Ausschließen kann ich es natürlich nicht.

Und da es in der Studie dargelegt wird, möchte ich noch kurz die Gelegenheit nutzen, euch einmal diese Tabelle aus der Studie zu zeigen. Sie listet auf, wer zu physischer Gewalt gegen die 15 bis 19-jährigen Mädchen gegriffen hat. Es ist leicht zu erkennen, dass die primäre Quelle die eigene Mutter (oder Stiefmutter) war und nicht, wie der Spiegel-Artikel behauptete, der Ehemann oder Partner. Ich erwähne diesen von feministischer Seite gerne verschwiegenen Fakt, weil irgendwann auch der Blogpost zur häuslichen Gewalt ansteht, wo ich aufzeigen werde, dass häusliche Gewalt nahezu gleichverteilt ist über die Geschlechter. Genaugenommen ist es sogar so, dass Frauen etwas häufiger zu Gewalt greifen, was aber damit zu tun haben düfte, dass unsere Gesellschaft bereits ganz kleinen Jungen einimpft, dass man Mädchen nicht schlagen darf. Als Resultat muss schon so einiges passieren, bevor die meisten Männer überhaupt in der Lage sind, diese kulturelle Konditionierung zu durchbrechen.

Grundsätzlich ist es absolut positiv, dass wir als Gesellschaft männliche Gewalt gegen Frauen konsequent ablehnen. Ich wünschte mir nur, dass dies auch für die drei anderen Konstellationen gelten würde.

Und ich wünsche mir, dass unsere Medien Jungen und Männer als Opfer nicht mehr so konsequent ignorieren, wie es der Spiegel vormacht.

Zum Abschluss

Da der Blogpost schon lang genug ist, muss ich langsam zum Ende kommen. Ich möchte euch nur noch kurz vom Youtube-Channel Factual Feminist berichten, den ich voll und ganz empfehlen kann. Die Videos werden von Christina Hoff Sommers vom American Enterprise Institute präsentiert. Hört einfach mal in die Beiträge hinein und schaut, ob ihr mit dieser sehr rationalen Präsentation etwas anfangen könnt.

Kommen wir noch zur obligatorischen, widerlichen Selbstdarstellung. Diesmal gibt es ein kleines Gedicht für Herrn Witte:

Die erste Journalistenpflicht
für Sebastian Witte anläßlich seines Beitrags Feindbild Frau

In einer Journalistenschule
da sass Herr Witte auf nem Stuhle
Und vor der Tafel stand ein Tier
der Rasse Das-Erklär-Ich-Dir

Herr Witte, sprach das Tier sodann
die Frau ist Opfer, Täter – Mann
Wer andres sagt, der lügt gedruckt
und wer da lügt, der wird bespuckt
Das ist Ihr Job als Journalist
zu spucken, wo zu spucken ist

Herr Witte sammelt Speichel schon
Nicht ganz so hastig lieber Sohn
bremst ihn da Das-Erklär-Ich-Dir
Zuerst mal lausche ruhig noch mir

Die Fakten und die Wahrheit sind
oft nicht des wahren Glaubens Kind
dann mußt du standhaft sie verschweigen
darfst dafür deine Meinung geigen
und spuck auf den, der widerspricht
als erste Journalistenpflicht

Herr Witte hat die Backen voll
er speichelt leistungsstark und toll
Er schreibt nun Meinung wie gedruckt
wem die nicht paßt, der wird bespuckt

Ich bedanke mich bei Gwenny, Maxwell, Kitshipper und Aurelani, die (wieder einmal) sicherstellen mussten, dass ich einigermaßen verstanden werde und natürlich bei allen Lesern, die mir ihre Aufmerksamkeit schenkten.

Ach, und Herr Witte, ich habe durchaus Verständnis dafür, dass die Verbreitung der Wahrheit in der heutigen Medienlandschaft den Karrieretod bedeuten kann. Aber wer nur lügt, tötet seine eigene Integrität.