Feb 042008
 

Um aus meinen moderat wirren Einträgen einen echten Blog zu machen, ist es wohl an der Zeit, eine vernünftige Blogroll einzubauen. (Für den uneingeweihten Leser: eine Blogroll ist im Endeffekt nur eine Liste mit Links zu anderen Blogs, die der entsprechende Blogger für interessant, erwähnenswert, informativ usw. hält.)

Ein echter Hardcore-Blogger, der pro Tag seine 200 Blogs konsumiert, werde ich mit Sicherheit schon aus Zeitgründen nicht werden. Aber etwas bemühen kann man sich ja.

Ich werde auch in meiner Blogroll nicht nur die Blogs auflisten, mit deren Ansichten ich weitgehend übereinstimme, sondern auch einige, deren Ansichten ich klar ablehne, die aber interessante Einblicke in bestimmte Gedankenmuster und Informationsstrukturen bieten.

Und der erste echte Bloglink für meine Blogroll und auch ein klarer Kandidat für die negative Sektion derselben ist der Muslimwelt-Blog von Scheich Abdul Adhim.

Muslimwelt gehört zu einem kompletten Netzwerk islamistischer Blogs, die in ihrer Gesamtheit eine Art Propagandamaschine bilden. Man kann dies z.B. wunderbar daran erkennen, daß ein beliebiger Beitrag im Netzwerk nach kürzester Zeit von allen anderen Seiten desselben dupliziert wird. Aus diesem Grunde ist es auch relativ unerheblich, welche spezielle Seite des Netzwerkes man sich anschaut, da sie kaum über individuelle Unterschiede verfügen.

Charakteristisch für die Beiträge auf Muslimwelt ist das häufige Fehlen von Links. Die meisten „echten“ Blogger geben ihren Lesern Gelegenheit, die Nachrichten, auf die sie sich beziehen, auch an anderer Stelle zu überprüfen. Muslimwelt tut dies bestenfalls in Ausnahmefällen und selbst dann sind es häufig nur Links auf andere Seiten des Netzwerkes. Das Kommentare erst freigeschaltet werden müssen, und die kritischeren dann gleich im Datennirwana verschwinden, dürfte auch niemanden überraschen.

Was Muslimwelt aber von meiner Warte her interessant macht, ist der Einblick in die islamistische Gedankenwelt, der hier ermöglicht wird. Sachlich korrekte Beiträge wird man dort kaum finden, fast alles wurde entstellt oder fehlinterpretiert, man findet auch eine beträchtliche Anzahl direkter Lügen. Unter rechtstaatlichen Gesichtspunkten ist der Inhalt zumindest bedenklich.

Ein paar Beispiele gefällig?

Fast jeder dritte Student hat ein Alkoholproblem: Muslimwelt versucht hier zu implizieren, daß Probleme hinsichtlich Alkohol- und Spielsucht in westlichen Gesellschaften auf die fehlende islamistische Anleitung der Studenten zurückzuführen seien. Links zu der zitierten Studie fehlen natürlich. Alternative Lösungen außer dem Islam werden auch nicht diskutiert. Prinzipiell betrachtet hätte ich aber lieber ein Alkoholproblem als eine islamistische Gehirnwäsche.

Österreichs heuchlerische Innenpolitik: Hier, wie auch in einer Reihe ähnlich gearteter Beiträge, geht es mal wieder um Frau Winter und ihre üble Verächtlichmachung des „besten und edelsten Menschen„. Die Vorwürfe gegen den Propheten, welche nebenbei historisch verbürgt sind, sollen nicht einmal „auch nur ansatzweise der Wahrheit entsprechen„. „Kinderschändungen und ähnliche Unmenschlichkeiten“ gibt es im Islam natürlich nicht, sondern sie haben ihren Ursprung in „genau dieser Gesellschaft, aus der Frau Winter stammt„. Spannend kann man da nur sagen.
Der Abschluß ist nebenbei auch nicht schlecht: „Erstaunlich ist auch der Definitionswandel bestimmer Begriffe, die sich nur noch im Zusammenhang mit Islamhetze erklären lassen. Bestes Beispiel hierfür ist der Begriff der Meinungsfreiheit, der immer dann zum Einsatz kommt, wenn gegen Muslime gehetzt wird. Das ganze Theater sollte also nur als Mittel dienen, die Muslime von der Überlegenheit der westlichen Zivilisation und ihrer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft zu überzeugen.
Nein Abdul, Meinungsfreiheit dient weder als „Islamhetze“ noch um „Muslime zu überzeugen“, es handelt sich in Wahrheit um ein Grundrecht. Und die Tatsache, daß dieses Grundrecht nicht in der Scharia niedergelegt ist, diskreditiert nicht die Meinungsfreiheit, sondern die Islamisten, die es nicht als solches anerkennen wollen.

Veröffentlichung von Prophetenkarikaturen mit Folgen: Hier begrüßt das Netzwerk die Verhaftung und Verurteilung eines weißrussischen Journalisten zu drei Jahren Haft unter dem Vorwand der Volksverhetzung. Meinungs- und Pressefreiheit sind wahrlich keine islamistischen Werte. Tatsächlich wurde Alexander Sdwischkow wohl nur wegen seiner systemkritischen Haltung aus dem Verkehr gezogen.

Stress und Depression:Die Folgen der Untreue zur Religion: Hier geht es darum, daß „das Versäumnis religionsfeindlicher Menschen, sich Allah zu unterwerfen„, „einen Zustand ständiger Sorge, Angst und Stress“ hervorufe. Den Gläubigen (im ausschließlichen Sinne von Muslimen) ginge es da natürlich weitaus besser. Im Prinzip ist es eine recht lustige Folklore, wenn auch fern der Realität.
Es gibt tatsächlich Studien (Beispiel), die ein paar positive Nebeneffekte eines starken Glaubens zu belegen scheinen. Dazu gehört beispielsweise auch ein reduziertes Stressempfinden, da die oder der Gläubige unter der Sicherheit gebenden Annahme lebt, Gott wache über sie oder ihn. Dies trifft aber nahezu auf jeden Glauben zu, nicht nur auf fanatische Muslime. Und das Ganze hat auch ein paar Nachteile, z.B. eine erhöhte Beeinflussbarkeit durch religiöse Strömungen.
Sollte ich tatsächlich jemals in die Verlegenheit kommen, mir der Gesundheit wegen einen Glauben zu suchen, so wird meine Entscheidung mit Sicherheit nicht auf den Islam eines Abdul Adhims fallen.

Dies sollten nur ein paar Beispiele sein, die den Tenor von Muslimwelt und Konsorten aber recht anschaulich wiedergeben. Prinzipiell ist es natürlich immer besser, sich die Seite selbst anzuschauen und sich so eine eigene Meinung zu bilden. Dies immunisiert auch gegen die miese Propaganda dieses Netzwerkes.