**** the music!

 Posted by at 13:30  Gesellschaft
Jan 312011
 

Die Musikindustrie zu hassen, ist sehr einfach. Scheinbar schafft man es in die dortigen Führungsetagen nur mit einer gehörigen Portion Großkotzigkeit und Überheblichkeit. Oder vielleicht handelt es sich auch nur um eine noch unentdeckte Erkrankung der Persönlichkeit, die in diesen Kreisen kultiviert und übertragen wird. Sonst wären solche Auswüchse, wie es sich die Musikindustrie bezüglich der geplanten music-Topleveldomain herausnehmen will, wohl kaum erklärbar.

Im Klartext: 

  1. Die Musikindustrie fürchtet sich davor, dass .music-Domains dazu genutzt werden könnten, Urheber- und Markenrechtsverletzungen zu begehen. Nun erheben die 15 Verbände in einem Schreiben an die ICANN drei Forderungen:
  2. Die Anfechtung einer einmal getroffenen Auswahl der .music-Registry soll gegenüber dem aktuellen Entwurf deutlich erleichtert werden. Die Musikindustrie will gegebenenfalls die Vergabe der .music-Verwaltung an „Piraten“ verhindern können.
  3. Es sollen umfangreichere Informationen als geplant über die Antragsteller veröffentlicht werden müssen. Die Musikindustrie will vor allem wissen, ob und wie die Registry-Bewerber Vorkehrungen gegen „schädliches Verhalten“ in der .music-Zone treffen können und wollen. Aufgrund dieser zusätzlichen Daten will die Musikindustrie dann entscheiden, ob sie Kommentare zu den Antragstellern abgibt oder „andere Maßnahmen“ ergreift (lies: klagen).

Unverfroren ist als Ausdruck noch viel zu schwach für diese größenwahnsinnige Frechheit. Mal abgesehen davon, daß das Ansinnen an sich schon reichlich blödsinnig ist.

Wer Musikpiraterie betreiben will, braucht dazu ganz sicher keine spezielle Topleveldomain. Und die Annahme, daß jene Personen, die sich an solchen Aktivitäten beteiligen, über ähnliche geistige Kapazitäten wie die Größen der Musikindustrie verfügen und deswegen schnurstracks und zur besseren Identifizierung sich allesamt auf .music einfinden, ist einfach nur hahnebüchen.

Wenn so etwas tatsächlich klappen würde, dann könnte man auch gleich eine .terror-Topleveldomain erschaffen, für die sich dann weltweit alle Terroristen mit Anschrift und Organisationsdaten registrieren dürfen. Weiter geht es dann meinetwegen mit .virus und .warez.

Die Branche hat ohnehin seltsame Wehwechen. So steigt zwar der Umsatzanteil digitaler Musik massiv an, gleichzeitig kommt aber quasi als Kontrapunkt immer wieder das altbekannte Geheule über die böse Onlinepiraterie:

Die Onlinepiraterie und die „der Mangel an geeigneten rechtlichen Instrumenten zu ihrer Bekämpfung“, bleibe auch 2011 „die größte Bedrohung für die Zukunft der Kreativbranchen“, erklärte IFPI-Chefin Frances Moore. Die zunehmende Zahl der legalen Musikangebote – die IFPI zählt weltweit über 400 – würden „massiv durch illegale Angebote im Netz torpediert“. Zudem seien die Arbeitsplätze in der Branche bedroht.

Schon spaßig, daß die Gruppe, die am lautesten für den Schutz des geistigen Eigentums quäkt, die Krötentruppe der Musikindustrie ist. Wobei sich mir allerdings irgendwie der Eindruck aufdrängt, daß in dieser Terminologie „geistiges Eigentum“ und „Gewinnmarge“ synonym verwendet werden.

  14 Responses to “**** the music!”

  1. Irgendwie drehen alle hohl … und da ist’s dann auch bald mit jedem etwaig noch vorhandenen Verständnis für die Musikindustrie (oder wahlweise äquivalente Bereiche) vorbei. Restlos. Da hilft nurmehr Kopf => Tisch und das Licht ausmachen.

  2. Für die Musikindustrie fehlt mir mittlerweile auch jedes Verständnis.
    Ich nutze beispielsweise das allseits beliebte Programm „Free Youtube to MP3 Converter“ aber was nutzt mir das, wenn auf Youtube alle Videos gesperrt werden?!
    Hat jetzt nichts mit der oben aufgeführten Site/Forum-sry das kenn ich nicht, also kann ich nicht wirklich mitreden-aber das, was ich verstanden habe, klingt schon ziemlich dämlich.
    Das mit dem Terroristen-Netzwerk ist ein gelungener Vergleich.
    Vollkommner Unsinn, was die Musikindustrie immer vorhat.
    *Kopf auf Tischplatte haut und Licht ausmacht*

  3. Die Musikindustrie geht doch sowieso schon seit einiger Zeit den Bach runter. Klar, alles ist Geschmackssache, aber ich persönlich höre so selten wie möglich Radio oder ähnliches, damit ich mir bestimmtes geheule, von einigen Sänger/innen einfach nicht mehr anhören muss.
    Na ja und dieses Sache mit dem anmelden ist ja wirklich der größte Humbug den ich jemals gehört hab.
    Im Endeffekt werden sie aber selbst merken, dass sie da nur Unsinn fabrizieren… bin auf ihre Lösung gespannt.

  4. meiner meinung nach ist es sowieso überflüssig solchem schwachsinn noch hinterherzugehen, da jedes 12 jährige kind mitlerweile weiß wie man nicht nur die youtube sperren umgehen kann, sich noch vor kinostart onlinestreams reinziehen kann und musikdatein fast schon en masse hinterhergeworfen bekommt.
    in einem zeitalter in dem sich viele surfer nach dem prinzip „das internet ist wie ein gigantisches buffet und wenn ich hunger auf etwas habe nehme ich es mir auch einfach“ durch das www klicken, sollte sich nichtnur die musikindustrie mal was besseres einfallen lassen.
    natürlich hat das recht zu gelten, dass geistiges eigentum etc. nicht einfach so „geklaut“ werden sollte….immerhin machen sich die leute zB musiker die mühe, um dann auch was daran zu verdienen, aber es wäre einfach sinnvoller, wenn sich nichtnur die „riesen“ der musikindustrie sondern auch mal väterchen staat(und damit meine ich nicht die kümmerlichen versuche des deutschen rechtsystems an dessen bein die bürokratie als gigantischer klotz mit äußerst verlangsamender wirkung dranhängt) darum kümmern würde, um das „problem der piraterie“ etwas SINNvoller zu bekämpfen.

  5. Musik ist mittlerweile nichts anderes mehr als Kommerz.
    Man beachte gewisse Lieder, die richtig erfolgreich sind, aber in Wahrheit (für mich zumindest) einfach nur gequirlte Scheiße sind. Unter anderem ein Stichwort. Zumal es das ganze Lied ist: Barbra Streisand.
    Um gottes Willen. Ich rotze „Angela Merkel“ in Mikro. Häng ne Melodie hinten ran und bearbeite das am PC. Fertig ist ein Hit.
    Keiner würde den Quatsch hören, weil er sich auch nur Ansatzweise gut anhört (Nicht das ich keine musikalischen Fertigkeiten hätte. Immerhin spiele ich erfolgreich Gitarre und Blockflöte :D)

    Aber genug auf diesem Lied rumgehackt. Es gibt genug andere die keine eigene Musik mehr machen können.
    Hier ein paar prominente Bleispiele:
    Dirty Bit.
    Bushido allgemein.

    Dirty Bit, weils zu ca. 50 Time of my Life ist. Der Rest ist irgendwas, wofür mein Leben mir dann doch zu schön war.

    Bushido. Wer kennt nicht die Skandale, dass er Melodien von anderen „piratisierte“ whatsoever.

    Sehen wir es ein: Sollte ich jemals erfolgreicher Musiker werden, stelle ich meine Musik:
    – ins Internet.
    – auf Youtube/MyVideo/Veoh/whatsoever.
    – spame Fanfiktion voll 😀

    Und das wichtigste ist: Sie soll kostenlos sein. Musik war immer kostenlos. Seid mehreren Jahren verlangt man für MUSIK. Etwas essentiellem in unseren Leben Musik. Tja. Also ich habe genug von „Musikindustrie“

    Ich hab ’ne Gitarre. Wenn ich Musik haben will, spiel ich los.
    Weil Rock, oder was mit richtigen Singen, Instrumenten etc ist einfach nur genial.
    Und ich gehöre in diese „Ey, YoH, man!“-Generation.

    Extrem peinlich.

    • Also Von wegen Musik soll kostenlos sein. Sind Bücher etwa kostenlos? Sind es Filme? Nein, es gibt einfach Leute die arbeiten daran und wollen damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Dabei ist es auch egal, wie viel sie verdienen. Das zeigt doch nur, dass sie richtig gearbeitet haben. Egal ob es einem persönlich gefällt.
      Einem Unternehmer, der ganz neue Schuhe auf den Markt bringt sagt man auch nicht:“Hey du hast daran genug verdient, gib mir mal die Schuhe als Geschenk!“

      • Naja, ganz so sehe ich das nicht. Viele Musiker verdienen durch erfolgreiche Tourneen einen Haufen Kohle. Und das finde ich so auch in Ordnung, ich gehe gerne auf Konzerte und gebe dafür auch eine gewisse Summe Geld aus.

        Wenn ich aber z.B. von einem ganzen album eigentlich nur ein Lied höre, denke ich mir schon, ok. das hol ich mir auf Youtube oder sonstwo.
        Für mich ist das legitim. Ich gehe z.B. pro Jahr bis zu 4mal auf ein Konzert meiner Lieblingsband, das sind mehr als 100 Euro wenn ich mit 30 € pro Karte rechne. Dafür kommt locker das Geld für das eine Album oder meinetwegen die paar Lieder zusammen, die ich mir dann ‚illegal‘ herunterlade.

        So sehe ich das.

  6. Musik?
    Was die produzieren soll Musik sein?
    Geflöt aus dem Rechner, ein paar Basisjingles dazu und Ende.
    Was ist daran Musik?
    Wer das heute klaut, bring es doch eh spätestens morgen zurück. -,-
    Und Geld damit verdienen doch nur die ganz Großen, die von irgendwelchen Spezies gepuscht werden…
    Die können sich ja dann im IchBinEinPiratVZ eintragen. -,-
    Ich höre Musik aus INSTRUMENTEN.
    Und Leuten, die selbst singen.
    Die verdienen eh meist wenig, sind also für die Industrie eh uninteressant, da ja diese Kühe kaum gemolken werden können, und fallen durchs Raster.
    Also kann ich zumindest die weiter ungestört hören. 🙂
    Juhu!

  7. Also jez geht es ja wirklich los, oder? Nen Schuss hatten die ja was jegliche Art der Piraterie betrifft schon immer, aber das wäre ja fast schon zum Lachen, wenns nicht eher zum Heulen wäre. Zu deiner Liste von .terror, .virus und .warez könnte man dann locker noch .amok, .suizid, .mafia und sicher noch einiges mehr hinzufügen. Hab eigentlich nur ich das Gefühl, dass die „Köpfe dieser Welt“ manchmal ihren eigenen Kopf abschalten, bevor sie handeln und reden?

  8. Von mir aus, kann die Industrie das recht haben zu sagen, dass ihre Lizensen nicht unter dieser Domain verfügbar sein dürfen. Es steht der Musikindustrie auch zu, Schrott für viel Geld zu verkaufen indem sie allen vormacht, wie toll etwas ist. Wie ihr seht, funktioniert es ja.
    Wir können der Musikindustrie aber auch langsam aber sicher den Rücken zu drehen, überall im Internet bieten Bands auf bestimmten Webseiten, ihre Songs und Titel kosten und lizensfrei zum Downloaden an.
    Wenn auf Youtube alles gesperrt wird, dann können wir uns mal überlegen, die kostenlosen Lieder zu downloaden, diese hören sich teilweise noch besser an, da sie keinem Label unterstellt sind, welches Musik für MTV optimieren will.

    Falls jemand Vorschläge will:

    http://magnatune.com/
    http://www.jamendo.com/de/

    Viele von denen sind auch auf Youtube zu finden, das Internet-Radio von meinem Vater lässt schon seit etwas einem Jahr
    solche Lieder laufen.

    Grüsse
    Halphas

  9. Also ich muss zustimmen; das ist einfach nur Schwachsinn.

    Gerade die Musikindustrie sichert sich doch einen schönen Stück von jedem Kuchen. Da würde ich mir lieber Sorgen, um die Interpreten der Musik machen, als um die Industrie. Die scheffelt genug Kohle, da kann die Piraterie in den nächsten Jahren noch so hoch steigen!

  10. Moment…
    solange youtube noch .de am Ende hat, ist es ok, sobald da .music steht fördert es die Online-Piraterie?
    *lol*

  11. Bei all dem Schwachsinn scheint kaum einer den neusten Spaß der GEMA bemerkt zu haben. Die wollen jetzt Kindergärten zur Kasse bitten, weil die ständig die Urheberechte verletzen, wenn da Kinderlieder gesungen werden. Und weil das ja keine privaten Gruppen sind, sondern öffentliche Einrichtungen müsste man sozusagen „Konzertgeld“ eintreiben.

    Mal ehrlich, die ganze Scheiße mit den Urheberrechten … spätestens hier merkt man doch, dass es gar nicht um den Schutz Namen und Marken geht, sondern um den puren, ungebremsten Kapitalismus. Wenn selbst Kindergärten quasi verklagt werden, weil sie es wagten Kinderlieder von Rolf Zukowsky zu singen. Ich warte noch auf den Tag an dem Volkslieder wie „Hänsel und Gretel“ nicht mehr gesungen werden dürfen, weil man sonst die Rechte der mittelalterlichen Urheber verletzt. Ich schätze jene Minnesänger würden sich im Grabe umdrehen, wenn sie wüssten was aus ihrer Kunst der fahrenden Sänger und Gaukler geworden ist – na ja, oder sie würden an ein Werk des Teufels glauben, was ja gar nicht so wiet hergeholt ist.

  12. Klar fürchten sie um ihre Arbeitsplätze. So aufgeblasen wie die Musikindustrie ist, besteht natürlich die sehr reale Gefahr dass sie (und ich meine damit die Umsätze, die ein Künstler so abwirft) schrumpfen werden. Auf Normalgröße. Ich finde auch nicht, dass Musiker von ihrer Arbeit Millionäre werden müssten (ganz zu schweigen von der Meute drumherum), wenn sie von dem Geld gut leben können, dann wäre das doch durchaus ausreichend.

    Vgl. Filmindustrie, die den Schaden, den sie auf Piraterie zurückführen sogar beziffern. Aber sorry, die Zahlen bringen mich im Vergleich zu den Gewinnspannen, die Hollywoodfilme so haben, eigentlich nur zum Lachen…

    Da lob ich mir den Büchermarkt, der immer einigermaßen auf dem Boden geblieben ist. Die jammern auch nicht über e-books, oder zumindest nicht so laut und aufdringlich.

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