Aug 032012
 

siehe Link.

Als hätte man es nicht schon immer geahnt. 😉

  13 Responses to “Flüchtiges, anstrengungsloses Denken führt zu einer politisch konservativen Einstellung”

  1. Tja, in dem verlinkten Artikel findet sich leider ein kleiner Übersetzungsfehler aus dem Amerikanischen.
    Wenn die Amis von „liberal“ sprechen, so meinen sie eigentlich „sozialistisch“ und „conservative“ wäre das deutsche „liberal“. Echten Konservatismus wie bei uns gibt’s dort drüber gar nicht.
    Auch ist „anstrengungslos“ eine Fehlübersetzung der Artikelverfassers. Wenn ich den Inhalt der Studie richtig verstehe, dann sollte es eher „stressbedingtes“ heißen.

    Die Ergebnisse der Studie waren wohl eher aus dem Wunsch heraus geboren worden, diese Ergebnisse zu erzielen, denn ich zweifle die aussagekräftigkeit der Untersuchungen stark an. Insbesondere Test 1 mit dem Alkoholwerten ist Stuss.

    Aber lustig als Ulk zwischendurch.

    • Ach, ich finde, das „anstrengungslos“ passt schon. Der Stress und Zeitdruck sollten ja nur dazu führen, dass die Studienteilnehmer eben nicht in der Lage waren, sich großartig Gedanken über das zu machen, was sie da taten. Diejenigen, die keinen „Stress“ hatten und daher Zeit und Gelegenheit hatten, tatsächlich länger nachzudenken, neigten also weniger zu einer konservativen Einstellung. Anstrenungslos ist also schon der passende Ausdruck – und mich persönlich überrascht das Ergebnis ehrlich gesagt auch kein Bisschen.

    • Um zu sehen, ob die politischen Positionen falsch benannt wurden, müßte man den Orginalartikel lesen. Generell ist es aber so, daß konservative Werte und Ansichten (Und davon gibt es hüben wie drüben genug.) als eher sichere Option aufgefaßt werden.

      „Anstrengungslos“ als Übersetzung für „effortless“ ist durchaus brauchbar, auch wenn es im Deutschen etwas holprig klingt.

      Und der Alkoholtest zeigt natürlich nur eine Tendenz. Für aussagekräftigere Ergebnisse hätte dann auch die Stichprobe deutlich größer sein müssen. Aber er ist bei weiten nicht so unbrauchbar, wie du meinst, da die Auswirkungen von Alkohol auf das Gehirn erforscht sind. Jemand mit 2.0 Promille Blutalkohol ist tendenziell eben weniger zu kognitiven Leistungen befähigt als mit 0,0 Promille. Da hier offenbar die gleichen Personen befragt wurden, ergibt sich durchaus eine brauchbare Indikation, komplett sinnlos wäre es nur dann gewesen, wenn es eine nüchterne und eine betrunkene Gruppe aus unterschiedlichen Personen gegeben hätte.

    • Wenn die Amis von “liberal” sprechen, so meinen sie eigentlich “sozialistisch” und “conservative” wäre das deutsche “liberal”. Echten Konservatismus wie bei uns gibt’s dort drüber gar nicht.

      So einfach ist das nicht. In Fragen menschlichen Verhaltens (gay marriage, religion, abortion, drug legalization, …) bedeuten liberalund conservativeschon ziemlich genau das, was wir darunter verstehen (bloß dass conservativedort teils viel extremer aufgefasst wird, als wir es kennen). Und in Wirtschaftsfragen ist es genau umgekehrt, da sind die Republikaner (also, vereinfacht gesagt, die social conservatives) extrem neoliberal, während die Demokraten (also, vereinfacht gesagt, die social liberals) eher konservative (d.h. irgendwo zwischen sozialdemokratisch und konservativ) Ansichten vertreten.

      Socialist hingegen bedeutet dort ungefähr soviel wie jemand, der kein Hardcore-Republikaner ist und wird von ebenjenen als Schimpfwort benutzt. Marx würde sich im Grab umdrehen, wenn er wüsste, wer dort als socialist bezeichnet wird…

      • (Wobei mit „sozialdemokratisch“ die SPD der Schröder- bzw. Große-Koalitions-Ära gemeint ist, die natürlich mit der ursprünglichen Bedeutung von Sozialdemokratie – verglichen mit welcher der überwiegende Teil der heutigen Linkspartei geradezu sozialkonservativ-neoliberal wirkt – im Grunde nur noch den Namen gemein hat. Aber das führt hier wohl zu weit…)

  2. Autsch. Der Artikel ist so was von platt, der passt ungesehen unter den Teppich. *g*

    Was mir dazu einfällt, ist jedoch ein Bericht, den ich letztens gelesen habe (ich finde ihn nicht wieder, falls jemand den kennt, bitte verlinken!!!) nachdem sich eine zuständige Schulbehörde (ich glaub es war Texas, sicher bin ich mir nicht) deutlich gegen eine Unterrichtsform plädiert hat, bei der den Kindern eigenständiges Denken (mit erfassen von Pro- und Contra und argumentieren für mehrere Haltungen, ect. ) beigebracht wird.
    Dass das in der Praxis in den USA häufig schon oft und lange schon so läuft, ist eine Sache, aber dass die Zuständigen bewusst und klar dazu stehen und das für gut befinden, das finde ich mehr als erschreckend.

    • Das war keine Schulbehörde, sondern die Republican Party Convention 2012, aber Texas stimmt schon. Habe gerade keinen Link für den Artikel, aber ein Zitat:

      Knowledge-Based Education – We oppose the teaching of Higher Order Thinking Skills (HOTS) (values clarification), critical thinking skills and similar programs that are simply a relabeling of Outcome-Based Education (OBE) (mastery learning) which focus on behavior modification and have the purpose of challenging the student’s fixed beliefs and undermining parental authority.

  3. Nachtrag. ‚Ich habe auch einen Heise-Artikel dazu zu bieten: http://www.heise.de/tp/blogs/8/152328

    „Meine Kinder sollen nicht eigenständig denken, sie sollen glauben, was ich glaube und gehorchen!“ Das Diktatoren zu ihren Untertanen diese Einstellung haben, verstehe ich. Aber die eigenen Eltern? Das ist gruselig. Nicht nur Kant würde sich in seinem Grab umdrehen, sondern auch die Gründungsväter der USA.

    • Warum? Das ist doch nur konsequent. Vermutlich haben sie festgestellt, daß das Erlernen und Nutzen von „higher order thinking skills“ die Wahrscheinlichkeit erhöht, daß diese Kinder später die Demokraten wählen. Oder vielleicht auch nur, daß es ihnen dann leichter fällt, die FOX-Gehirnwäsche zu durchschauen, was im Endeffekt wohl auf dasselbe hinausläuft.

      • Wie war das noch mal? Obama hat die USA kommunistisch gemacht, Al Gore ist der neue Hitler und wir Europäer haben einen geheimen Plan, Amerika zu übernehmen? Wenns nicht so traurig wäre, wäre es schon fast ein wenig lustig.

  4. Klarer Fall von „Hätten Sie’s gewußt“. Die Konsequenz des „anstrengungslosen“ Denkens erschließt sich eo ipso, denn die Komplexität der Welt um uns herum überfordert seichtere Geister ganz schnell. Man hat aber das Bedürfnis, die Welt verstehen und mitreden zu können. Da bietet es sich an, einfache Gleichsetzungen, Vorurteile, Klischees und von Revolvermedien fertig vorportionierte Schwarz-Weiß-Malereien („Bild dir deine Meinung“) zu einem stammtischkompatiblen Potpourri zusammenzumischen. Nicht umsonst sind Boulevardzeitungen fast ausnahmslos rechtskonservativ. Das einfache – und grammatikalisch wie moralisch äußerst zweifelhafte – Weltbild, welches ihre „Leser“ goutieren, spricht linke bzw. intellektuelle Leser nicht an. Da das Verhältnis von Intellektuellen, die in der Lage sind, eine Gesellschaft voranzubringen, zu geistigen Mitläufern leider äußerst ungleich ist, kommen eine Politik und eine Landschaft von Mainstream-Medien dabei heraus, die aus Quoten- und Auflagengeilheit lieber Vorurteile der Masse streicheln, als substanzielle Diskussionen zu führen. Was das langfristig für demokratische Strukturen bedeutet, kann man zur Zeit bestens beobachten. Die Eurodiskussion allein ist von einer sagenhaften Unwissenheit und Ignoranz bestimmt, die ihresgleichen sucht.

  5. Interessant, interessant. Wirklich, da kann man drüber diskutieren, wie wir nun den Konservatismus in Amerika auslegen mögen, aber im Großen und ganzen ist diese Studie ja ein Beweis (ich sag jetzt einfach mal Beweis, auch wenn es natürlich rein theoretisch auch Zufall sein könnte) dafür, dass es stimmt, dass „anstrengungsloses Denken den Konservatismus verstärke“. Und das finde ich schon mal überlegenswert. Logisch wäre es ja, zumindest in einigen Punkten und von der Zusammensetzung her…
    Also ich würde nicht sagen, dass das absoluter Quatsch ist. Irgendwas muss ja dran sein. Zumal man auch drüber schmunzeln kann, und das könnte man ja in der Politik viel, wenn es nicht zeitgleich zum Heulen wäre.

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