Die zweite Front

 Posted by at 17:30  Gesellschaft, Politik
Jan 072008
 

Ein Teil der Bevölkerung macht sich in Anbetracht der verfassungsfeindlichen Tendenzen hin zum Überwachungsstaat Sorgen. Unbegründete, wie Herr Rath, seines Zeichens Rechtsexperte im Dienste der TAZ bereits am 2. Januar klarstellte. Ob der Mann, dessen Nachname von militanten Gegnern der Vorratsdatenspeicherung mit der kleinen Vorsilbe „un“ verziert wurde, in seinem Seite 1-Kommentar Freiheit statt Recht den totalen Durchblick bewiesen hat, muß allerdings angezweifelt werden. Laut Herrn Rath sind Befürchtungen hinsichtlich einer kommenden „Totalprotokollierung der Telekommunikation“ völlig überzogen, da „doch nur die Verbindungsdaten vorsorglich gespeichert werden – und eben nicht die Inhalte von Telefonaten und E-Mails.“ Wie schön. Dann kann man den Verfassungsbruch ja wohl getrost ignorieren. Und man darf Herrn Rath, wenn schon kein relevantes Fachwissen so doch immerhin einen ungebrochenen Optimismus gepaart mit einer geradezu kindlichen Naivität zuschreiben, da er sich offensichtlich nicht vorstellen kann, daß ein einmal eingeschlagener Trend sich auch fortsetzt.

And now to something completely different. Wenn man sich mal wirklich entspannen will, gibt es nichts besseres, als sich Home Defense-Werbevideos anzusehen. Dabei kann man dann davon träumen, wie es wäre, sich im wilden Westen gegen all diese verkappten Terroristen, Kinderschänder und Vergewaltiger behaupten zu müssen, die des nachts das eigene Haus zu stürmen versuchen. Früher wurde die Waffe der Wahl ja oft unter dem Bett oder unter der Matratze deponiert. Das führte dann dazu, daß sie häufig nicht griffbereit zur Hand war, wenn man noch schlaftrunken aufwachte, weil die Einbrecher beim Mißbrauchen der Ehefrau einfach zu viel Krach machten. Zum Glück gibt es dazu ja nun eine hervorragende Alternative.

Tatsächlich ist das Modell aber durchaus noch ausbaufähig. Momentan passen zB. keine vollautomatischen Waffen in die Halterung. Auch ist diese nicht schwenkbar und es gibt noch keinen ökologisch motivierten Auffangbehälter für Munitionshülsen. Solche Accessoires könnten durchaus relevant werden, wenn man von der Polizei beim Kochen gestört wird.
Praktisch wäre dann sicher auch eine kleine Blutrinne vor der Tür, zumindest dann, wenn man nicht möchte, daß einem die erlegten Einbrecher Slash Störenfriede den Teppich vollbluten.

Für Europa sieht es natürlich anders aus. Hier stellt sich die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, schwer bewaffnet zu Hause zu sitzen und auf Verbrecher zu warten. Wenn es Schäuble zufolge für den Staat recht ist, alle und jeden zu verdächtigen, dann sollte dies dem Bürger nur billig sein.

Als Konsequenz könnte man der von Deutschlands schönster Kanzlerin und ihrem Möchtegern-Nachfolger propagierten Verschärfung des Jugendstrafrechts zuvorkommen, und den Streit um die Jugendgewalt dadurch schlichten, daß man ein wenig proaktiv tätig wird. Im Endeffekt dürfte es ja egal sein, ob man Jugendliche durch langandauernde Gefängsnisstrafen zur Lebensuntüchtigkeit erzieht oder aber den Prozeß um ein paar Jahrzehnte beschleunigt.

Dies mag perfide klingen, ist aber auch nicht abstoßender, als eine scheinheilige Debatte zur Jugendkriminalität zu starten, bei der es bestenfalls um Dummenfang für die Landtagswahl in Hessen geht. Nun ja, man kann ja immer noch die Piratenpartei wählen. 😉 In Anbetracht der miesen Alternativen wird mir diese von Tag zu Tag sympathischer.

  6 Responses to “Die zweite Front”

  1. Bei aller Ironie in diesem Beitrag hat er einige – traurige – Wahrheiten. So wäre z.B so ein „Waffenhalter“ keine so üble Idee, aber in Good old Germany haben die Täter meistens mehr Rechte als die Opfer.

    Während das andere Extrem in den USA so ist, dass man jeden mit seiner vollautomatischen Schnellfeuerwaffensammlung umnieten darf, der ungebeten sein GRundstück betritt, wird man in Deutschland noch verknackt, wenn man im Haus das renoviert wird, kein Geländer angebracht hat und der Einbrecher sich die Beine bricht. Das schlimmste, das ist kein überzogenes Beispiel, sondern wirklich so passiert.
    Die Frage ist eben: Was soll, darf man tun, um seine Freiheit und sein Leben zu schützen?

    Schon der (natürlich) amerikanische Präsident Jefferson sagte: „Von Zeit zu Zeit muß der Baum der Freiheit mit dem Blut von Patrioten und Tyrannen gedüngt werden“
    Genauso könnte man zu diesen Tagen Franklin zitieren:
    „Wer seine Freiheit auf dem Altar der Sicherheit opfert, hat beides nicht verdient.“

    Diese Politik wird solange gutgehen, bis sich die breite Masser der Bevölkerung daran erinnert, was man mit Mistgabeln und Fackeln alles erreichen kann…

  2. „Diese Politik wird solange gutgehen, bis sich die breite Masser der Bevölkerung daran erinnert, was man mit Mistgabeln und Fackeln alles erreichen kann…“

    Aber nicht doch!

    Wenn ich mal mit einem Zitat vom anderen Ende der Welt (Stalin) kommen darf:
    „In Deutschland kann es keine Revolution geben, weil man dazu den Rasen betreten müßte.“
    Oder den Allerwertesten aus der Couch, anstatt nur zu jammern und zu klagen, und zu behaupten, man könne ja ohnehin nix gegen das machen, was „die da oben“ beschließen.

    Hier geht ja nicht einmal jemand auf die Straße wenn’s um Geld geht (Also wenn’s wirklich weh tut!) und Leute z.B. mit Minimalrenten und Minimalunterstützung abgespeist werden, oder ein Bildungssystem allein für Wohlhabende – bzw. später beim Staat hoch in der Kreide stehende – (Studiengebüren) eingeführt wird.

    Warum dann also aufregen, wenn’s nur um so eine Lapalie wie Verfassungsbruch geht?

  3. …wenn ich revolution höre dreht sich bei mir der magen um :-!
    schon allein die vorstellung: usa, frankreich, russland… deutschland.

    aber was wollen die bürger schon groß anrichten?
    zugegeben, so hat auch der französische könig gedacht, bevor er das land am chaos verloren hat.
    schon allein das zögern zeigt das sich da nichts tun wird.
    von überall kommen klagen von wegen „zu wenig geld“, „keine zukunft“, „deutschland stirbt aus“.
    und wer ist daran schuld? nein nciht der staat.
    die *bürger*!
    SIE wollen ja nicht in der schule gut sein und studieren, da wundern sie sich ja auch noch das kein geld in der tasche ist!
    SIE sitzen faul auf deren sessel und lassen sich das geld, das sie nicht verdient haben in den a….. blasen!
    SIE halten kinder für probleme und sterben allein!

    und um zurück zum thema zu kommen:
    wie haben die _BÜRGER_ dazu beigetragen das es keine kriminalität gibt?
    ein paar herren von „da oben“ können weder allein, noch mit hilfe der justiz oder des militärs etwas dagegen unternehmen!

    aber „anonym“ von oben hat recht: warum aufregen?
    das erhöht nur das risiko des herzversagens und kommt bei den politikern und jenen, die meinen, dass man das verfassungsrecht mal so umgehen kann, sowieso nicht an.

    deutschland hat sich so tief in diese kriese gerückt, das sie nicht mehr rauskommen wird.

  4. Naja, wenn man alles so schwarz sieht kann es ja auch nicht besser werden.
    Das Jugendstrafrecht zu verschärfen, ist meiner
    Meinung nach eine glänzende Idee, die dem Justizministerium schon früher hätte kommen sollen.
    Aber egal. Besser spät als nie.
    Was soll denn sonst helfen? Ein individuelles Vorbild für jeden Verbrecher hier in Deutschland?
    Pah! Lächerlich.
    Und mal ganz ehrlich, die Idee mit dem Abschieben von Ausländern mit zu langem Vorstrafenregister ist Ballsam für meine Sele.
    Ich kenne zu viele Leute die von, sagen wir mal Menschen mit muslimischer Herrkunft
    extrem verprügelt und gedisst wurden, bloß weil sie mal schief geguckt haben.
    Ich kann diese Haltund einfach nicht verstehen, denn die Toleranzgrenze ist schon seit langem überschritten.
    Die lachen doch schon lauthals über die Kuscheltherapien, die auf wilde Messerstechereinen ihrerseits folgen.
    Ich finde das hier viel mehr Konsequenz angebracht ist.

  5. Jetzt mal schön, die Butter bei die Fische lassen. Es gibt Studien, die aufzeigen, daß die Gewaltbereitschaft junger Deutscher sich bei gleicher Milieuzugehörigkeit nicht von der junger Zuwanderer unterscheidet. Es ist einfach so, daß das Agressionspotential höher ist, wenn man aus zerrütteten, ärmlichen Verhältnissen stammt. Und da nun einmal mehr Zuwanderer unter solchen Verhältnissen leiden müssen als junge Deutsche, ergibt sich daraus dann ihr hoher Anteil an entsprechenden Delikten.

    Daraus folgt aber nicht, daß es weniger Delikte werden, wenn wir mehr Knäste bauen und dort für Vollbelegung sorgen. Daraus folgt auch nicht, daß wir eine Lösung finden werden, wenn wir so tun, als wäre es ein Ausländerproblem. Das ist es nämlich nicht.

    Es handelt sich um ein gesellschaftliches Problem, das nur dann gelöst werden kann, wenn auch Rahmenbedingungen geschaffen werden, die Kinderbetreuung in Deutschland praktikabel und für Familien bezahlbar halten. Wenn es gute Bildungs- und später auch gute Berufschancen gibt. Wir brauchen keinen aufgeblähten Strafvollzug, sondern kurzfristig eher mehr Streetworker und Betreuungsprogramme und mittelfristig gute Hortunterbringungen, Schulen und Arbeitsplätze.

  6. Hi Helge,

    also ich war erschüttert als ich vermehrt auftretende Gewalt Bereitschaft im Radio ect mitverfolgt habe. Dennoch ist es ja nicht erst seit gestern so.
    Denn tieferen Sinn dahinter, das nun am Jahres Anfang aufzupuschen suche ich lieber nicht.

    Totschweigen sollte man so etwas nicht, aber aufpuschen auch nicht.
    Das beste Beispiel dafür ist doch die Klassenzimmer- Attentäter…
    Einer fängt damit an und es wird groß und breitspurig Veröffentlicht.
    Was viele Nachahmer zur Folge hatten.

    Da stellt man sich wirklich die Frage, was sinnvoller ist.
    Mit dem Gewehr unterm Kopfkissen (neben Matratze oO) schlafen und auf das schlimmste Vorbereitet sein. Oder einfach hoffen dass es einen nicht trifft…
    Das man zu solchen Überlegungen schon fast gezwungen wird, ist verdammt bitter.

    Es müsste von Grund auf so viel Verändert werden, um gewissen Dingen einfach vorzubeugen. Sie nicht Totschweigen, oder aufpuschen, nicht in den Keller sperren oder das Problem abschieben. Ach ich könnte mich jetzt noch stundenlang darüber aufregen und Verbesserungen vorbringen die sowieso keinen Interessieren also lasse ich es ^^

    Lg Lady Drue

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