Jan 032008
 

Wäre unser geschätzer Großwesir ein paar Jahrhunderte früher auf die Welt gekommen, so hätte der Titel des Blogeintrages sicher als sein persönlicher Schlachtruf getaugt. Mit ein wenig Phantasie kann man sich vor dem inneren Auge ausmalen, wie der Mann mit heruntergeklapptem Visier und angelegter Lanze laut brüllend auf irgendwelche heimtückischen Windmühlen zurollt.

Leider leben wir nicht mehr in einer Zeit, in der Verrückte ihre Paranoia ausleben konnten, indem sie mit Todesverachtung auf mehr oder weniger harmlose Immobilien eindroschen. Abgesehen von einer gewissen lokalen Ruhestörung dürfte damals die Allgemeinheit nicht sonderlich unter solchen Vorkommnissen gelitten haben.

Heute ist das natürlich anders. Und seitdem es Politiker gibt, haben die geistig Labilen auch deutlich bessere Möglichkeiten, um das Befinden der restlichen Bevölkerung ernstlich zu beeinträchtigen. Beispielsweise hat sich der Herr Schäuble als ein bieneneifriger Kämpfer gegen schmutzige Bomben, Terroristen, Kinderschänder, die Vernunft und den Rechtsstaat an sich erwiesen. Wobei man natürlich einräumen muß, daß er nur für die beiden letzten Objekte eine ernsthafte Gefahr darstellt.

Wir reden hier nebenbei von einem Mann, dessen politische Vergangenheit alles andere als lupenrein ist. Gut, für die galoppierende Paranoia mag man das auf ihn verübte Attentat verantwortlich machen, aber vergessen wir nicht, daß dieser aufrechte Streiter wider das eingebildete Böse auch eine nicht ganz unwesentliche Rolle in der CDU-Spendenaffäre spielte.

Aber das ist Schnee bzw. ein Skandal von gestern. Die fleckige Weste von damals wurde ersetzt durch die schimmernde Rüstung eines Helden, der aus seinem Rollstuhl heraus allerlei Fabelgestalten den Garaus macht. Und wie ein Torquemada früher Hexen jagte, so bekämpft ein Schäuble nun die globale Informationsgesellschaft, welche seiner Ansicht nach die Basis des Verbrechens darstellt.

Durch Onlinedurchsuchung, Lauschangriff, den Bundestrojaner und die Massenspeicherung von Verbindungsdaten könnte dank Schäuble und Konsorten die Kriminalität mit Stumpf und Stil ausgerottet werden. Und das würde durchaus funktionieren, ist es doch erwiesen, daß im totalen Überwachungsstaat die Verbrechensrate generell sehr niedrig ist – wenn man von den Verbrechen des Überwachungsstaates selbst absieht, versteht sich. Doch Schäuble kann beruhigen: „Unter den Bedingungen moderner Staatlichkeit bedrohen grundsätzlich nur nichtstaatliche Akteure das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.“ Man merkt, der Mann spricht aus Erfahrung: er wurde bisher einmal angegriffen, und das geschah in der Tat durch einen „nichtstaatlichen Akteur“. Nach dieser Logik darf sich auch jeder für unsterblich halten, der bisher noch nicht gestorben ist.

Einigen rebellischen Naturen reichen allerdings die Zusicherungen unseres Innenministers nicht aus. Sei es, daß sie an seinen Worten hinsichtlich der Unmöglichkeit staatlicher Verbechen zweifeln, sei es, daß sie nicht bereit sind, auf ihre Grundrechte zu verzichten, auf jeden Fall haben sie eine Verfassungsbeschwerde eingereicht.

Im Endeffekt muß nun jeder Bürger für sich selbst entscheiden, ob es sinnvoll ist, auf seine Freiheit zu verzichten, damit ein moderner Don Quichotte eine imaginäre Bedrohung gegen Staatsverbrechen und den Rechtsstaat gegen ein totalitäres Regime eintauschen kann.

Unverständlich ist in diesem Zusammenhang eigentlich nur, warum Herr Schäuble seinen Sicherheitsfanatismus unbedingt in Europa ausleben muß. So hoch können die Einwanderungshürden für China schließlich nicht sein, oder?!

  11 Responses to “Ein Schäuble! Ein Schäuble!”

  1. Eine hervorragende Glosse über die ich echt nur schmunzeln konnte.
    Kompliment an den Autor der mit seiner satirischen Ader meinen Abend versüßte.

  2. Guten Morgen!
    (Oder Mittag, wie man es nimmt)

    Einfach herrlich, wie hier aktuelle Politik dargestellt wird! Könnte glatt in ein richtiges Kabarett!

  3. Einfach nur lustig, aber leider auch die traurige Wahrheit.

  4. China? Da wurde gestern die Todesstrafe per Kopfschuss durch die Giftspritze ersetzt… Ahem, jaa nun.

  5. Tja, ich kann das nicht so wirklich kommentieren, da ich mich mit deutscher Politik nicht auskenne (–> Österreicher). Ist aber sehr lustig geschrieben. 🙂

  6. Da gibt es eine Kampagne zu dem Thema, namens „Arsch Hoch!“ (http://www.arsch-hoch.org/)
    Das ist eine ziemlich große Sammlung aller möglichen Artikel und meinungen zum Thema.

    Gruß an die Ermittle der BRD, die sicherlich Seiten mit den Schlagwörtern „Terrorismus, Terrorist, Verfassung und bekämpfen“ suchen und kontrollieren! 😉

  7. Nur soviel:

  8. Auch für die etwas politisch abgeneigte Jugend ist nun Schäuble durch seine Aktionen ein Thema, sind doch Internet und Computer und damit auch Sicherheit im Internet (vor allem bei Jungs) aus dem Zimmer nicht mehr wegzudenken. Mit (d)einem herrlich satirischen Ton wurde nochmals Unterstrichen, welch eine traurige Person in Deutschland das Sagen über das Internet hat.

    Ach, und lernen tut man hier auch etwas, so wusste ich vorher nicht, wer Tomás de Torquemada war 🙂

  9. Leider scheint die Kritik nichts zu helfen. Wer schützt uns, den Rechtsstaat und die Demokratie vor diesem Menschen?

  10. lol. in der tat aber das muss ja nicht wirklich sein, das es „noch reingetan werden muss“.
    meines erachtens ist die *globalisierung und die politik* schon zum bloßen witz geworden.
    der feine unterschied zwischen realität und „puren versprechungen“ ist in der politik schon seit jahrzehnten untergegangen, zu mindest seit 2000.
    als man in athen vor über 2000 jahren die demokratie erfunden hat war sie ja noch in ordnung.
    aber heute ist nur noch eine fassade übrig geblieben! 🙁
    da kann man froh sein, das sich solche kabarettisten und andere comedians noch die mühe geben und die politiker der welt ein wenig in den *satirischen dreck* ziehen. 😉

    lg
    dierache3

  11. Hi Helge,
    Sarkasmus ist schon eine feine Sache *drop*
    Über die Politischen Machenschaften könnte man stundenlange Diskussionen anfangen die im Endeffekt doch leider nichts bringen würden. Zumindest würde sich nichts Ändern.
    Deswegen einfach schweigen und das Übel hinnehmen? Nein, das denke ich nicht.
    Also bedanke ich mich für die amüsanten Minuten die du mir durch deinen kleinen Betrag dazu beschert hast.

    Lg Lady Drue

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