Apr 182015
 

Ich habe früher immer sehr gerne Deutschlandradio gehört. Primär beim Autofahren. Ich höre es zwar nach wie vor, aber von „gern“ kann eigentlich keine Rede mehr sein. Anstelle von Nachrichten und gut recherchierten Reportagen steht seit Beginn der Ukrainekrise immer häufiger billige Propaganda auf dem Programmplan. Um das zu belegen, habe ich ein Transkript des Beitrags von Sabine Adler vom 17.04.2015, Sendezeit 07:48 Uhr angefertigt. Der Titel der knapp 7-minütigen Sendung war „Die russische Opposition – Ein Imitat“.

Im folgenden findet ihr kursiv geschrieben die Transkription, dazwischen in Normalschrift ein paar Kommentare von mir, die dem Beitrag zweifellos gut getan hätten. Ohnehin ist es deutlich einfacher, im Radio Unfug zu erzählen, weil der Zuhörer kaum Zeit zur Reflektion, sowie keine Möglichkeit zum pausieren hat und Hintergrundinfos in Form von Links nicht angeboten werden können.


(Traurige russische Musik)

Die Absetzung des Theaterintendanten von Nowosibirsk wegen der angeblich gotteslästerlichen Inszenierung der Wagneroper Tannhäuser war verschmerzbar, verglichen mit dem Mord an dem Oppositionspolitiker Boris Nemzow. Doch beide Ereignisse innerhalb eines Monats wurden von der russischen Öffentlichkeit als das verstanden, als das sie gemeint waren: Niemand wage zu widersprechen.

Zum Tannhäuser in Nowosibirsk habe ich nun nichts gefunden. Ich wäre auch nicht bereit, mich mehr darüber zu echauffieren, als man dies beim Deutschlandradio zum Thema Valentina Lisita tat. Nie von gehört? Nun, der bekannten ukrainischen Pianistin hat man in Toronto ein Auftrittsverbot erteilt, weil sie sich kritisch zur derzeitigen Lage in der Ukraine äußerte. Toronto liegt jedoch dummerweise nicht in Russland, weswegen Verstöße gegen die Freiheit der Kunst dort vom Standpunkt des Deutschlandradios aus irrelevant sind.

Tja und der Nemzow. Oppositionspolitker ist hier ein schöner Euphemismus. Wenigstens wird er hier nicht gleich zum Oppositionsführer erklärt, das haben einige unserer deutschen Qualitätsmedien nämlich auch schon geschafft, [1] [2] und das obwohl seine politische Karriere bereits 1998 endete, als er in Folge der russischen Finanzkrise seinen Stuhl als Vizeministerpräsident räumen mußte. Spätestens ab 2008 hatten die westlich orientierten Reformer im Zuge der internationalen Finanzkrise dann endgültig das Vertrauen der Bevölkerung verspielt – ein Umstand von dem Putin bis heute maßgeblich profitiert. Erwähnenswert ist vielleicht auch, dass Nemzows Union der Rechten Kräfte bei den Wahlen 2003 an der 5-Prozent-Hürde scheiterte. Sie und die Nachfolgeorganisation Rechte Sache sind seitdem quasi bedeutungslos.

Man überlege nun selbst, wie sinnvoll ein politisch motivierter Mord an einer derart unwichtigen Person wie Nemzow wohl sein kann. Man bedenke auch, wo Nemzow ermordet wurde, nämlich auf der Moskworezkij-Brücke quasi direkt vor dem Kreml. Das dort überhaupt ein Mord geschehen konnte, ist ziemlich peinlich für diesen. Und dann ziehe man noch in Erwägung, dass die Ausschlachtung des Mordes an Nemzow nachgewiesenermaßen immense Propagandamöglichkeiten bot und bietet – zur Diskreditierung von Putin.

Ich selbst hätte arge Probleme damit, den Tannhäuser in Nowosibirsk und den Mord an einem unbedeutenden Oppositionellen unter einen Hut zu bringen. Sabine Adler nicht. Für sie, das Deutschlandradio und die russische Öffentlichkeit ist sonnenklar, dass das ein Maulkorb sein muss. Wer widerspricht wird abgesetzt oder an der Kreml-Mauer im Auftrag Putins erschossen. Logisch.

Aber wenn das Deutschlandradio tatsächlich mal über Morde an Oppositionellen und kritischen (bzw. prorussischen) Journalisten berichten will, wie wäre es dann mit Oleh Kalaschnikow und Oles Buzyna? Nur sind die dummerweise nicht in Moskau, sondern in der Ukraine gemeuchelt worden. Und sie waren bei weiten auch nicht die Einzigen. Oder wie wärs mit Sergey Sukhobok? Und wir hätten auch noch die Selbstmordserie im politischen Umfeld von Janukowitsch. [2]

Dem Oppositionspolitiker ein Denkmal setzen? Der Enthusiasmus hält sich in Grenzen.

Kann ich absolut nachvollziehen. Nemzow stand unter anderen für eine desaströse Reformpolitik. Er wurde für diese zwar ausgiebig vom Westen gelobt, aber das Ergebnis war eine zunehmende Verelendung der Bevölkerung.

(Russischer Mann auf Russisch)

Es macht keinen Sinn etwas umzubenennen, weil jemand ermordet wurde. Jeden Tag sterben Leute. Sollen wir deshalb alles umbenennen, fragt ein Mann Mitte 40 direkt auf der Kreml-Brücke, dem Tatort. Einen anderen ist es egal, wo das Denkmal stehen wird, Hauptsache es kommt. Ein Dritter zuckt die Schultern. Er muss kein Nemzow-Denkmal haben, sollen die es errichten, die ihn schätzen.

Die Grand Dame der russischen Oppostion, Ljudmila Alexejewa fühlt sich in alte Zeiten zurückversetzt. 1968 wagte sie mit 6 weiteren Mitstreitern den ersten Protest auf dem roten Platz gegen den Einmarsch der roten Armee in die Tschechoslowakei. Das Russland heute, findet sie, macht es Andersdenkenden keinesfalls leichter.

Die Aussage ist grundsätzlich erst einmal richtig.

(Russische Oma, vermutlich besagte Ljudmila Alexejewa, auf Russisch)

Übersetzung Deutschlandradio: Damals hat sich auch keiner an Gesetze gehalten. Der KGB und andere staatliche Einrichtungen haben sich interne Regeln gegeben, die wir kannten, weil wir oft genug mit ihnen in Konflikt gerieten. Wenn sie jemanden vor Gericht bringen wollten, galt, dass es mindestens 3 Zeugen geben mußte, die einen Vorwurf bestätigten. Heute wird man verurteilt für etwas, was sich jemand komplett ausgedacht hat.

Soll das eine neue Version von „Früher war alles besser“ sein? Aber sollte man dann nicht vielleicht auch ein paar Belege bringen, wenn man behauptet, dass Leute für reine Phantastereien verurteilt werden? Das würde ja schließlich bedeuten, dass die russische Justiz genauso inkompetent wie die bayrische im Fall Mollath sei.

(Gemurmel)

Die Moskauer Helsinki-Gruppe, die Ljudmila Alexejewa vor Jahrzehnten gründete, war radikal, weil wirklich im Widerstand, sagt der Moskauer Politikprofessor Emil Pain. Unter Moskauer Intellektuellen macht ein Wort die Runde: Imitation. Opposition, Pressefreiheit, Referenden wie das auf der Krim – nichts sei echt, alles imitiert.

Spannend. Aber wenn Nemzow, wo ich durchaus mitgehe, nur ein Oppositionellen-Imitat war, warum sollte Putin ihn dann an der Kreml-Mauer erschießen lassen? Das ergibt nicht wirklich Sinn, oder? Und wie bitte will man ein Referendum imitieren? Waren die Leute, die abgestimmt haben, etwa nur von Putin bezahlte Schauspieler? Aber gut, im Deutschlandradio reicht es ja auch aus, irgendeinen Schmarrn zu behaupten, kritisch hinterfragt wurde dort schon lange nichts mehr.

Aber verweilen wir ruhig ein paar Zeilen lang beim Krim-Referendum. In den deutschen Nachrichten wurde das Progrom von Korsun, das diesem vorausging, komplett unterschlagen. Stattgefunden hat es definitiv, aber ob es dabei nun tatsächlich zu Todesfällen und Verschleppungen kam, ist nicht sicher zu beantworten. (In Anbetracht der Vorfälle beim späteren Massaker von Odessa [2] wäre es aber absolut denkbar.) Es hat jedoch in Verbindung mit der russischen Bevölkerungsmehrheit auf der Krim und den Handlungen der Putschisten in Kiew massiv zu einer antiukrainischen Stimmung auf der Halbinsel beigetragen. Das hier tatsächlich eine Mehrheit für die Abspaltung stimmte, ist völlig nachvollziehbar. Dieses Meinungsbild wurde auch durch eine unabhängige Studie des Pew-Forschungsinstitus bestätigt, nach der 88% der Krimbewohner die Separation samt Anschluss an Russland befürworteten.

(Russischer Mann, vermutlich besagter Emil Pain auf Russisch)

Übersetzung Deutschlandradio:  Heute ist alles komplizierter und gerissener, es gibt ein anscheinend großes politisches Betätigungsfeld und einige angeblich freie Medien. Radio Echo Moskau zum Beispiel, sogar ein amerikanisches Wissenschaftszentrum, das KANIK (?). Alle wissen, dass sie, um zu überleben, loyaler, nachgiebiger sein müssen, und genau das tötet wahre Opposition. Dieses weiche Kissen erstickt das Dissidententum.

Mag stimmen. Allerdings sind echte Menschenrechtler auch im Westen nur dann gern gesehen, wenn sie die von ihnen gefundenen Menschenrechtsverletzungen leise und vorzugsweise andernorts anprangern. Aber gut, prinzipiell ist die Kritik von Emil Pain berechtigt.

(Traurige russische Musik)

Opposition sei nützlich, hat Präsident Putin gestern während des über viereinhalbstündigen Fernsehmarathons versichert. Zur gleichen Zeit führte die Polizei eine Razzia bei Open Russia durch, eine Organisation die der 10 Jahre inhaftierte und 2013 begnadigte Michail Chodorkowski gegründet hat. Chodorkowski hatte vor wenigen Tagen Putin scharf angegriffen, aus sicherer Entfernung, aus dem Ausland.

Versucht das Deutschlandradio uns jetzt allen Ernstes Chodorkowski und seine Lakaien als Menschenrechtler und Systemkritiker zu präsentieren? Holla, liebe Sabine, was hast du denn bitte geraucht? Der reichste Verbrecher Russlands, der von sich selbst sagte, dass er nicht nur Parlamente, sondern auch Wahlergebnisse kaufen könne, wird nun zum lupenreinen Demokraten? Hier mal eine alternative Schilderung seines Werdegangs, die die schmutzigeren Stellen nicht unter den Teppich fallen läßt. [2]

(Genuschel von Chodorkowski)

Um das jetzige Machtsystem zu rechtfertigen, braucht es einen Krieg. Die inneren Feinde in Gestalt der unabhängigen Unternehmer sind vernichtet, sagte Chodorkowski bei einen Vortrag an der Universität Stanford. Und um die russischen Massen jetzt hinter die Kleptokratie zu versammeln, braucht es einen äußeren Feind.

Zugegeben, wenn einer was von Kleptokratie versteht, dann Chodorkowski. Allerdings ist der Mann nicht unbedingt für seine Wahrheitsliebe und Unvoreingenommenheit bekannt. Grundsätzlich ist die Beschwörung von realen oder eingebildeten äußeren Feinden jedoch eine Supergelegenheit, um der Bevölkerung Sand in die Augen zu streuen und von realen Problemen abzulenken. Das gilt allerdings nicht nur in Russland.

Auch die Menschenrechtlerin Ljudmila Alexejewa erfährt immer wieder neu, das russische System legt den Aktivisten Steine in den Weg, wo immer es geht. Dennoch könne auch Putin das Rad nicht komplett zurückdrehen.

(Russische Oma, vermutlich besagte Ljudmila Alexejewa, auf Russisch)

Übersetzung Deutschlandradio: Verhältnisse wie zu Sowjetzeiten sind nicht möglich. Früher gab es kein Privateigentum, und die Leute können heute reisen. Als wir 1976 die Helsinki-Gruppe gründeten, hat uns der KGB gewarnt, dass wir uns verfassungsfeindlich verhalten. Das stimmte, denn damals mußten einer gesellschaftlichen Organisation mindestens 3 Mitglieder der KPdSU angehören.

Ein kleiner Einwurf sei hier gestattet: Privateigentum gab es auch zu Sowjetzeiten, was es nicht gab, war Privateigentum an Produktionsmitteln, also an Betrieben.

Was bei ihrer Helsinki-Gruppe nicht der Fall war. Die Untergrundorganisation war viele Jahre die einzige Oppositionsbewegung in der ganzen Sowjetunion.

(Traurige, russische Musik im Hintergrund)

Die heute 87-Jährige macht sich auf einen baldigen Wandel keine Hoffnungen. Anders als sein Vorgänger Jelzin gebe Putin keine Fehler zu. Somit sei kein Kurswechsel zu erwarten.

Der Alkohol-Bär Jelzin hat Fehler zugegeben? Wann denn bitte? Hat er auf einer Party mal aus Versehen die Mineralwasserflasche anstelle des Wodkas erwischt? Dank ihm konnten Gestalten wie Chodorkowski erst zu superreichen Oligarchen werden. Dafür hatte er sogar gegen das eigene Parlament geputscht, was allerdings hier im Westen und wohl auch beim Deutschlandradio keine Sau interessiert hat. Die neoliberalen Reformen, die Jelzin dank seines Putsches durchsetzen konnte, führten zur Verschleuderung der russischen Großkonzerne an einige wenige Oligarchen in einem mehr als nur nebulösen Auktionsverfahren auf Einladung.

 (Russischer Mann, vermutlich Putin, auf Russisch)

Die Versuche westlicher Geheimdienste für ihre Ziele nicht-Regierungsorganisationen und politische Vereinigungen zu benutzen, haben nicht aufgehört, sagte Putin kürzlich vor Mitgliedern des FSB-Geheimdienstes. Vor allen um die russische Regierung zu diskreditieren und die innenpolitische Lage zu destabilisieren, dabei werden bereits Aktionen geplant, die während der Wahlkämpfe 2016 und 18 stattfinden sollen.

Damit hat Putin vermutlich Recht. Allerdings wollte Frau Adler das nun sicher gerade nicht sagen. Deswegen wird auch gleich im Anschluss das „richtige“ Fazit gezogen.

(Traurige russische Musik)

Die Menschenrechtlerin Ljudmila Alexejewa ist bitter enttäuscht von ihrem Land, das über 20 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion Krieg führt gegen Nachbarn und kaum jemand dagegen protestiert.

(Russische Oma, vermutlich besagte Ljudmila Alexejewa, auf Russisch)

Übersetzung: Die heutige Propaganda unterscheidet sich sehr von der des kalten Krieges. Sie ist viel gemeiner, wütender und einschüchternder. So war das früher nicht, zumal die, die damals die Propaganda verbreiteten, das doch sehr mechanisch taten ohne selbst davon überzeugt zu sein. Heute glauben meine Mitbürger, was man ihnen erzählt. Sie wirken unerfahren, infantil, und sind schrecklich leicht zu betrügen.

Russland führt Krieg gegen seine Nachbarn? Kommt dieser Schwachsinn von der 87-jährigen multiplen Menschenrechtlerin oder hat sich Sabine Adler das so ausgedacht? Richtig ist es jedenfalls nicht. Selbst Wesley Clark, jener Ex-Natogeneral, der sich beim Thema IS so aufschlußreich verquasselt hat, datiert den erwarteten russischen Angriff 30 bis 60 Tage in die Zukunft. Die FAZ weiß das dank NATO auch. Nur den Franzosen und der OSZE hat keiner erklärt, woran man unsichtbare Russen und deren Panzer [2] erkennt, weswegen sie diese irgendwie übersehen haben. [2] Sei’s drum. Frau Adler dachte sich vermutlich, dass eine Lüge, so man sie nur ausreichend oft wiederholt, dann irgendwie schon wahr wird.

Tatsächlich ist es so, dass Russland höchstwahrscheinlich die Separatisten in der Ostukraine unterstützt. Dies geschieht jedoch nachweislich nicht über reguläre russische Armeeverbände im Donbass, sondern bestenfalls mittels der Überlassung alter Waffen- und Munitionsbestände. Sicherlich gibt es auch im begrenzten Umfang personelle Unterstützung, ob diese allerdings angeordnet wurde oder ob es sich um freiwillige Hilfe handelt, die von Russland nur toleriert bis gefördert wird, ist unbekannt.

Was nun Ljudmilas Einschätzung ihrer Landsleute angeht, so sind diese heutzutage eher schwerer zu betrügen als früher. Immerhin haben sie die harte Schule des neoliberalen Raubtierkapitalismus eines Chordorkowkis durchlaufen müssen.

Die russische Propaganda wird von der Bevölkerung nicht etwa deswegen geglaubt, weil die Menschen infantiler wurden, sondern weil die Überzeichnung leider nicht so weit von der Wahrheit entfernt ist, wie wir uns wünschen würden. Der Westen ist hier nicht „der Gute“, der nur Freiheit und Demokratie in die Ukraine bringen möchte. Der Westen ist vielmehr ein Akteur, der die Ukraine im Auftrag der USA gezielt destabilisiert hat. Aber warum?

An dieser Stelle wird es komplex. Damit der Blogpost aber nicht noch weiter ausufert, lasse ich so ganz auf die Schnelle einfach mal einen äußerst unsympathischen Kotzbrocken namens Zbigniew Brzeziński antworten:

Es ist von fundamentaler Wichtigkeit, dass kein eurasischer Herausforderer die Bühne betritt, der in der Lage ist, Eurasien zu dominieren und somit Amerikas Vormachtstellung zu gefährden.

Das stammt aus dem Vorwort zu „The Grand Chessboard – American Primacy and its Geostrategic Imperatives“. [1] [2] Der Herausforderer, dessen Auftritt verhindert werden soll, ist nebenbei nicht Russland, sondern vielmehr China. Das große Ziel besteht darin, Chinas Wachstum mittels der Kontrolle der verfügbaren und von China dringend benötigten Energieträger zu überwachen und zu steuern. Und hier wiederum kommt dann Russland, der weltgrößte Lieferant von Energieträgern ins Spiel. Wenn es den USA gelingt, Russland nachhaltig zu schwächen und gleichzeitig die Kontrolle über die großen, russischen Energielieferanten wie GazProm zu erlangen, kann die Transition Chinas zur zweiten Supermacht verzögert, vielleicht sogar verhindert werden.

Wer sich für amerikanische Globalstrategie interessiert, dem seien die Bücher von Zbigniew Brzeziński, der unzweifelhaft ein absoluter Kenner der Materie ist, wärmstens empfohlen.

Ich hoffe, es ist mir gelungen, aufzuzeigen, dass das Deutschlandradio und seine Qualitätsjournalisten die Wahrheit und ihre journalistische Integrität mittlerweile als  sehr dehnbare Begriffe aufzufassen scheinen. Wahres und Falsches wird verwoben, als Ergebnis entsteht bestenfalls ein Journalismusimitat. Schade. Sehr schade.

  13 Responses to “*IMHO* Journalismus im Deutschlandradio – ein Imitat!”

  1. Das erste Opfer des Krieges ist bekanntlich die Wahrheit. Dass Journalisten immer noch glauben, aus den ganzen Wahrheitsleichen im Umfeld eines stattfindenden Bürgerkriegs eine Reportage zusammenzimmern zu können, die irgendwas mit Wahrheit zu tun haben könnte, ist traurig.

    Manchmal ist es besser, die Klappe zu halten, wenn man keine Fakten hat. Aber dafür wird man als Reporter ja nicht bezahlt.

    • Die naheliegenste Lösung wäre da ja, sich die Umstände persönlich anzusehen. Aber in so einer Situation kann man (verständlicherweise) auch nur von den wenigsten erwarten, sich in so ein Gebiet zu begeben und somit in Gefahr zu bringen.

      Und die Menschen, die sich das wirklich trauen bekommen leider kaum Aufmerksamkeit bzw. dann wird es größtenteils als Selbstverständlich angesehen, dass sich jemand solche Mühe macht, um der Welt ein möglichst klares Bild zu liefern.
      Und warum? Weil dafür die Medien sorgen müssten – also die Kollegen, die uns unseren täglichen Mist aufs Papier schmieren.

      Einerseits verstehe ich den Konkurrenzdruck ja, schließlich geht es um Geld und dergleichen und es wäre eine Lüge zu sagen, dass das ne Ausnahme im Beruf wäre.
      Andererseits sollte man sich (zumindest ab einem gewissen Bekanntheitsgrad) auch im Klaren darüber sein, dass man als Journalist nicht nur schreibt um Geld zu verdienen, sondern vor allem eine große Verantwortung der Menschheit gegenüber hat.

      Wie Spiderman bzw sein Onkel schon sagte: „Aus großer Macht wächst große Verantwortung.“
      Auch wenn es nur etwas Tinte auf Papier ist…

  2. Ich finde es traurig, dass Menschen nicht in der Lage sind, Konflikte friedlich zu lösen und zu solchen Mitteln greifen müssen…egal ob jetzt Amerika oder China oder Russland oder Europa. Die machen alle Fehler, wo ich nur den Kopf schütteln kann…

  3. Es its wirklich traurig das Erwachsene Menschen nicht in der Llange sind Konflikte Friedlich zu lösen. Kinder wird eingetrichter immer erst zu reden aber die Erwachsenen machen es auch nicht. Super Vorbild Funktion.

    • Denke ich mir auch immer.
      Zum Glück gibt es eine handvoll Menschen, die von dieser „Lösung“ so genervt sind, dass sie es besser machen. Leider sind das aber auch meistens die, die unter der Gewalt der anderen untergehen. 🙁

  4. Zum Thema Pressefreiheit in Rußland bliebe zu sagen, daß diese tatsächlich, wie in den Westmedien behauptet, kaum vorhanden sein dürfte. Allerdings wird dabei geflissentlich unterschlagen, daß unsere Pressefreiheit sich gar nicht äußert. Das sieht man nicht nur an der Rhetorik des Kalten Krieges, die unsere freie Presse unisono aus der Mottenkiste geholt hat (außer vielleicht taz und Freitag), sondern auch an der samt und sonders kritikfreien Berichterstattung über Frau Merkel und ihre Nicht-Politik, die ganz den Wünschen von Banken und Konzernen folgt, indem deren Lobbyisten faktisch die Gesetze schreiben. Oder man erinnere sich an die Medien der paranoiden Amerikaner nach 9/11: Kritikfrei schloß man sich nach dem Motto „Führer befiel, wir folgen“ dem sinnlosen Kriegskurs von W an. Kim Jong Un würde sich über derartig handzahme Presse freuen.
    Im übrigen hätten die Medien, welchselbige sich so gerne zur Vierten Gewalt im Staate hochstilisieren, gerade in Zeiten von Großen Koalitionen die Aufgabe, besonders kritisch zu berichten und zu analysieren, um tatsächlich diesem Anspruch gerecht zu werden. Da dies kaum der Fall ist, sollte die Frage nach Pressefreiheit in Rußland auch tunlichst unterbleiben.
    Daß Putin in der Frage Ukraine hart bleibt, ist verständlich, hat die NATO doch ihr Versprechen gebrochen, nach der Auflösung des Warschauer Pakts keine Truppen auf dessen ehemaligem Gebiet zu stationieren. Mittlerweile hält unser „Verteidigungsbündnis“ Manöver in den an Rußland grenzenden Regionen des Baltikums ab und präsentiert nicht nur dort seine Waffen nach dem Motto dicke Hose.
    Aber der böse Putin, der angeblich schon den kompletten Balkan im Visier hat und überhaupt bald wieder kurz vor Berlin steht. Zwar war das letzte Mal, daß „der Russe“ vor Berlin stand, das Ganze nicht so sehr schlecht für uns gewesen, aber das ist ja nur eine Fußnote im Kalten Krieg 2.0, der von unserer „freien Presse“ gerade mit Hurra herbeigeredet wird.
    Wenn man die Lüge nur oft genug wiederholt, werden die Leute sie irgendwann glauben, und dann kann’s losgehen. Hat Dr. Goebbels sinngemäß gesagt, und der war zumindest in solchen Fragen kompetent. Bleibt zu hoffen, daß unsere Bevölkerung die kritiklose Propaganda der Medien bald durchschauen wird und spätestens dann, wenn die Ukraine- zur zweiten Kubakrise auszuarten droht, auf die Straße geht.
    Nicht umsonst bringen sich „unsere“ Regierungen schon in Stellung, das Internet ebenfalls zu zensieren. Erdogan macht’s vor.

    • Auf die Straße gehen? Du meinst sich für etwas einsetzen, woran man glaubt? So richtig mit… aufstehen, sich bewegen, aus dem Haus gehen? Ist Dir denn nicht bewusst wie unbequem das ist? Sollen das doch die anderen machen. Außerdem bringt das sowieso nichts und außerdem ist es kalt und es regnet. Und Omma backt ihren guten Erdbeerkuchen. Ein ander mal vielleicht.

      Ich glaube nicht, daß ich die Deutschen zu meinen Lebzeiten auf der Straße sehen werde. Zumindest nicht ohne Schäfer, der sie anführt und ihnen sagt, was sie denken sollen. Warum ich nicht daran glaube? Na ja, was machst zum Beispiel Du dagegen? Du sagst Du hoffst, daß sie auf die Straße gehen. Gehst Du auf die Straße? Organisierst Du irgendwas, das gegen die Propaganda kämpft? Oder äußerst Du Deine Meinung in Kommentarfunktionen auf diversen Seiten im Internet und das ist Deine Form von Aktivismus? Ich weiß wie angriffslustig das klingt, allerdings möchte ich Dich weder beleidigen, noch Dir zu nahe treten. (Gerade ich habe nicht das Recht Dich deswegen zu kritisieren. Andererseits behaupte ich für meinen Teil nicht zu hoffen, daß die Deutschen mal auf die Straße gehen.) Ich möchte nur wissen, ob Du zu den typischen deutschen Aktivisten gehörst, die wie ein Rohrspatz über alles zetern, während sie Ommas Kuchen genießen oder zu denen, die aufstehen und was für ihre Überzeugungen tun.

      • Das Problem ist halt, dass es nix bringt, selbst WENN du auf die Straße gehst. Ich hab das so oft versucht, wirklich so verfickt oft. Hab aus meiner eigenen Tasche Flyer bezahlt, die ich verteilt hab, hatte ne Internetseite eingerichtet, wo ich erzählt hab, was mich nervt und dass es mehr als möglich ist, als Volk was dagegen zu tun. Ich war auf der Straße, hab die Leute sozusagen buchstäblich gefragt, ob man sich denn nich zusammenschließen und was auf die Beine stellen will. Willst du mal wissen, wie viele ich zum mitmachen bewegen konnte? 2 Leute. 2. Ich persönlich hab jetz die Schnauze gestrichen voll. Gibt bessere Möglichkeiten, meine Zeit zu verschwenden. Deutschland is einfach sackrattenfaul und das is das eigentliche Problem. Das Gros des Landes besteht aus medienverseuchten, faulen Schafen, die nich mehr selbst denken können.

        • ähnliche Erfahrungen haben viele gemacht;

          jemand hatte es in einem der vorangegangenen IMHOs (als die noch nicht so hießen) etwa so beschrieben:
          wenn man einen Schlafmichel weckt, erhält man keinen erwachten Michel, sondern einen aufgebrachten.

          Meiner Erfahrung nach wird in der BRd nach zwei Grundsätzen regiert:
          a) panem et circenses, was in etwa heißt: HartzIV und Glotze, also wenn’s für’s Bier und die Kippen reicht, lassen »die« sich mit dem Dreck aus dem Verblödungsrechteck ruhigstellen;

          b) divide et impera, was bedeutet: bringe sie durcheinander (Verwirrung), bringe sie gegeneinander auf (Verhetzung), laß sie miteinander beschäftigt sein (Ablenkung), dann denken sie nicht mehr nach (Betäubung) und lassen sich lenken (Manipulation); bei einigen Gruppierungen funktioniert es bereits vorzüglich:
          – Verdiener vs. (arbeitswillige) Hartzer z.B.: »verlange bloß nicht mehr Lohn, draußen warten genug auf deinen Arbeitsplatz«;
          – Verdiener vs. (arbeitsunwillige) Hartzer z.B.: »verlange bloß nicht mehr Lohn, die da draußen müssen auch durchgefüttert werden«;
          – Verdiener vs. (arbeitswillige) Hartzer z.B.: »verlange bloß nicht mehr Lohn, draußen warten genug auf deinen Arbeitsplatz«;
          – Männer vs. Frauen bzw. Frauen vs. Männer, mittels Feminischismus, Quotenhetze und Genderassismus;
          – »rechts« vs. »links«, wobei sich erstaunlicherweise die Antifa immer öfter als SA der Herrschenden instrumentalisieren läßt und die konservativrevolutionären über die immergleichen Stöckchen springen;

    • nicht einmal Zensursula von der Lygen hat es geschafft, das Internet zu einzuschränken – die einzige Zensurmaßnahme nämlich, die wirklich greifen könnte, wäre mit einer totalen Kontrolle sämtlicher Datenströme verbunden, was in einem Land, das behauptet, frei zu sein, gaaanz schlecht ankäme – der eine oder andere Schlafmichel könnte ja erwachen.
      Zensursula hat sich dann an der Manipulation des DNS versucht, doch sie hatte nur Zugriff auf ein paar wenige DNS-Server. Ein weiterer Versuch war, Mama Google zu bemühen, und dort war sie erfolgreicher, so daß die Suchmama nun nicht mehr nur für Rotchina, Australien, die Saudis und den Iran, sondern auch für das BRd zensiert, das heißt, gezielt Ergebnisse ausblendet.
      Dem einen Versuch entgeht man, indem man freie DNS einträgt, »meine« ersten Nameserver stehen beim foebud, in Sapporo, Vatikan und Bolivien, die Ausweichserverliste umfaßt 40 DNS.
      Den anderen pariert man, indem man auf die google.de-Suche verzichtet.
      Die ersten dahingehenden Versuche sabotierte Mama Google schon etwa 2005, indem anhand der IP der Standort ermittelt und dann zwangsweitergeleitet wurde; dagegen half nur, Cookies zu löschen, zu verbieten und den Rechner neuzustarten. Später, als anhand des ISP umgeleitet wurde, mußte zusätzlich noch Javascript verboten werden, danach ging ohne Auslandsproxy nichts mehr. Heute habe ich standardmäßig die Liechtensteiner Suchseite eingestellt, und es geht seit einem Jahr gut.
      die Unterschiede zwischen den einzelnen Suchen sind deutlich am Ende der Seite erkennbar: Google.de vs. Google.li, und ich finde, daß Zensur – unabhängig, wie man zu der Thematik steht, komplett inakzeptabel ist, und ich verstehe jede Form des Eingriffes in Inhalte als Zensur, mit der die Gültigkeit des Art.5GG für die BRd widerlegt wird.

  5. Propaganda / Pressefreiheit: Wir haben uns angewöhnt die Nachrichten in 3 Sprachen zu konsumieren, damit wir besser Fakten, Emotionen und Meinungen trennen können. Trotzdem: generell gesehen ist die Qualität der Berichterstattung in den öffentliche Medien in Deutschland sehr hoch.
    Ukraine: was genau Wahrheit und Lüge ist, wird sich erst in etwa 5 bis 10 Jahren herausstellen. Wir ärgeren uns nur über die unglaubliche Übersetzungsfehler in den Nachrichten.

    • Naja, Es kommt wohl auch darauf an, welche öffentlichen Medien man nimmt. z.B. BILD oder RTL Aktuell haben ein weit niedrigeres Niveau als z.B. SZ und Tagesschau; und die Qualität unterscheidet sich manchmal auch innerhalb einer Zeitung von Artikel zu Artikel.

      Und zur Ukraine: die Berichte der OSZE zum Beispiel dürften schon recht Wahrheitsgemäß sein. Nur werden hier oft die negativen Berichte über die ukrainische Seite unter den Teppich gekehrt; in Russland die negativen Berichte über die Seperatisten.

  6. Ich mochte die Berichterstattung von Deutschlandradio noch nie.
    Objektive Berichterstattung wäre für mich weniger Musik, und vor allem keine Interpretationsansätze von abgesetzten Theaterstücken und Politikern die aus meinem siebte Klasse Deutschheft stammen könnten.

    Weniger Dramatik, mehr Fakten.

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