Ich habe mich entschlossen, einen zweiten Eintrag zum Thema zu schreiben. In der Diskussion zum vorigen Blogpost gab es einige interessante Ideen, die nicht unbeachtet bleiben sollten.
Kommen wir also zum Vorschlag:
- Kastrationspflicht für alle freilaufenden, weiblichen Katzen
- Möglichkeit der Erteilung einer befristeten, verlängerbaren Ausnahmegenehmigung von der Kastrationspflicht für freilaufende weibliche Katzen
- Pflicht der Gemeinden zur Bereitstellung und Garantie von Aufnahmemöglichkeiten für alle Fund- und freigegebenen Katzen
- Einfangen, Kastration und Aufnahme aller Streunerkatzen in Tierheime (Edit: Bzw. Einfangen, Kastration und Wiederaussetzen der Streunerkatzen an Futterplätzen)
Was soll mit dem Vorschlag bezweckt werden?
Das primäre Ziel besteht in der mittel-bis langfristigen Reduzierung des Bestandes an Streunerkatzen, ohne für die Bestandserhaltung auf die nachteilige Zucht durch Menschenhand angewiesen zu sein und ohne Katzenhalter, die verantwortlich mit dem Nachwuchs ihrer Katze umgehen können, dieser Option zu berauben.
Warum soll die Kastrationspflicht nur für weibliche Katzen gelten?
Weil sie für die Vermehrung der Art den signifikanten Flaschenhals darstellen. Jede kastrierte Katze hat einen definitiven Effekt, kastrierte Kater dagegen können durch unkastrierte nahezu beliebig substituiert werden. Bei einer Population von 10 Katzen und 10 Katern werden 9 kastrierte Katzen die Nachkommenschaft definitiv um 90% reduzieren, wohingegen bei 9 kastrierten Katern der übriggebliebene Kater immernoch dafür sorgen kann, daß 100% der potentiellen Nachkommenschaft auch geboren werden.
Aber wäre es nicht trotzdem besser, auch für Kater eine allgemeine Kastrationspflicht einzuführen?
Die meisten Halter in städtischen Umgebungen entscheiden sich bereits jetzt für die Kastration. Aus den verschiedensten Gründen. Diese beinhalten:
- Verringerung des Risikos durch sexuell übertragbare Krankheiten
- Verringerung des Risikos und der Abwesenheit durch längere Wanderungen der Kater während der Paarungszeit
- Verringerung der Markierneigung
- Verringerung von Revierkämpfen und den damit verbundenen Risiken
- Veränderung des Charakters des Katers oder Erhaltung eines kindlichen, verspielten Charakters
- Annahme, so zu einer Reduzierung der Streuneranzahl beizutragen
Die meisten dieser Gründe sind durchaus valide, der letzte ist jedoch, wie schon erklärt wurde, eher nicht stichhaltig. Darüberhinaus ist es wünschenswert, wenn es eine gewisse Population an unkastrierten Katern im jeweiligen Areal gibt. Bei Katzen wählt essentiell die Katze ihre Sexualpartner selbst aus. Wenn also eine gewisse Auswahl vorhanden ist, wird die Katze nahverwandte oder kranke Artgenossen vermeiden, was der Gesundheit des Nachwuchses direkt zuträglich ist. Tatsächlich ist dies einer der größten Vorteile, den diese Art der Vermehrung gegenüber einer menschlich gesteuerten Zucht aufweist.
Was ist, wenn meine Katze oder mein Kater sich eine Geschlechtskrankheit oder eine geschlechtlich übertragbare Krankheit eingefangen haben?
Insofern keine Aussicht auf Heilung besteht, so ist Kastration die einzige Option. Tatsächlich mag ein Gesundheitspass für Katzen und Kater eine gangbare Option sein, um sicherzustellen, daß auch entsprechend gehandelt wird. Dies soll jedoch an dieser Stelle nicht diskutiert werden.
Wofür sind die Ausnahmegenehmigungen?
Wenn ein Halter Nachwuchs von seiner Katze wünscht und diesen auch vermitteln kann, so sollte ihm diese Option nicht verwehrt werden. Tatsächlich muss es eine gewisse Anzahl gebärfähiger Katzen geben, damit die Verbreitung der Art auf konstanten Niveau gehalten werden kann. Bei 8 Millionen Hauskatzen in Deutschland ergibt sich in Anbetracht einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 13,5 Jahren ein jährlicher Schwund von 590.000 Individuen. Bei durchschnittlich 5 Jungtieren und 2 Würfen pro Jahr sind also ~59.000 gebärfähige Katzen (~1,6% der Gesamtpopulation an weiblichen Katzen) ausreichend, um diese Konstanz zu erreichen, allerdings unter der Annahme, dass alle Jungtiere überleben. Falls bei einer größeren Anzahl dieser Katzen nur ein Wurf vor der Kastration zugelassen wird, erhöht sich die Zahl entsprechend.
Aber warum dann eine Genehmigung?
Da nur knapp 2% der weiblichen Katzenpopulation für Nachwuchs benötigt werden, ist es absolut wünschenswert, wenn der überwiegende Teil der weiblichen Katzen kastriert wird. Normalerweise wäre eine Sterilisation der im Sinne eines möglichst naturnahen Tierlebens zu bevorzugende Weg, allerdings haben sterilisierte Katzen und Katzen, welche aufgrund mangelnder Sexualpartner nicht gedeckt werden, ein hohes Risiko auf Dauerrolligkeit und/oder Gebärmutterkrebs.
Hier ist es daher notwendig einen Anreiz für die Kastration zu schaffen. Dieser Anreiz entsteht durch mögliche Strafen bei einen Verstoß gegen die Kastrationspflicht bzw. über dem mit der Erlangung der Ausnahmegenehmigung verbundenen zeitlichen und/oder finanziellen Aufwand.
Warum sollen nicht nur Fund-, sondern auch alle anderen Katzen durch Tierheime grundsätzliche aufgenommen werden müssen?
Wenn man die Aufnahme anderer Katzen verweigert, besteht die Gefahr, dass diese ausgesetzt werden, was die Streunerpopulation vergrössern würde. Später müssten sie dann ohnehin gefangen und kastriert werden. Der durch eine Ablehnung der Aufnahme entstehende Aufwand wäre also größer.
Warum man die Streunerkatzen einfangen und kastrieren soll, leuchtet mir ein, aber warum sollen sie in die Tierheime?
Wenn man den Tierschutz als Hauptargument für das Ziel des Verschwindens der Streunerpopulation anführt, ist alles andere Heuchelei. Eine kastrierte Katze benötigt nach solch einer tiefgreifenden Operation Ruhe und Nachsorge. Und zu guter Letzt ist es schlichtweg pervers, das Leid der Streuner dadurch zu beenden, dass man sie erneut aussetzt und verrecken läßt.
Edit: Es wurde plausibel gemacht, dass dies nur bei Katzen Sinn macht, welche menschliche Nähe zumindest akzeptieren, was bei reinen Streunern nicht vorausgesetzt werden kann. In solchen Fällen ist das Wiederaussetzen an Futterstellen dann die bessere Alternative.
Ich hoffe, ich habe damit die meisten Fragen zum Vorschlag vorhergesehen und beantwortet. Sollten noch welche offen sein, so können sie gerne in den Kommentaren gestellt werden.



